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Altlastensanierung
Gefährliche Müllhalde in Blumenhagen verschwindet

Michael Dietrich / 16.08.2019, 19:19 Uhr
Blumenhagen (MOZ) In Blumenhagen gibt es seit einigen Tagen Grund zur Freude. Die Stadt Schwedt hat dem Ortsbeirat mitgeteilt, dass die Beseitigung des Schandflecks am Lauseberg  spätestens 2020 startet. Das Umweltministerium hatte der Stadt schriftlich die finanzielle Förderung zugesichert, das Gelände beräumen, die Gebäude abreißen und den Boden entsiegeln zu lassen. Kosten dafür werden auf 600 000 bis 700 000 Euro geschätzt. Nach fast 20 Jahren erfolglosen Bemühungen, die Altlast loszuwerden, ist nun Land in Sicht, Bauland für Eigenheime.

Der ehemalige Landwirtschaftsbetrieb mit drei großen Hallen hatte in den vergangenen Jahren  unter der Bezeichnung Inter Oeko Schlagzeilen gemacht. Bis Juni 2000 wurden von der Firma Inter Oeko GmbH Kühlschränke, Computer und andere elektrische Geräte recycelt. Als die Firma insolvent ging, hinterließ sie tonnenweise Elektroschrott, Plasteabfälle, Batterien, Fässer mit Öl, unbekannten Substanzen. Hochgiftiges Quecksilber wurde nachgewiesen.

Brache lockte Gestalten an

Eine Zeitbombe. Es brannte auf dem Gelände. Unbekannte taten ihren Müll dazu.  2004, 2013 und 2015 fanden Teilberäumungen statt, mehr als 200 000 Euro wurden vom Land ausgegeben, gefährliche Stoffe zu beseitigen. Doch die Gewerbebrache mitten im Eigenheimgebiet, um die sich keiner kümmerte, lockte dunkle Gestalten an, die entweder Verwertbares klauten oder Müll ablagerten, steht nach wie vor.

Die rechtliche Lage war vertrackt. Der insolvente Eigentümer konnte nicht mehr für die Beräumung herangezogen werden, der Landkreis, eigentlich in Entsorgungsfragen zuständig, weigerte sich, dafür Geld auszugeben und verwies auf das Land, das die Genehmigung für den Recyclingbetrieb erteilt hatte und damit nach Ansicht des Kreises auch zuständig sei für die Kontrolle oder Durchsetzung von Verfügungen, die illegale Müllkippe zu beräumen. Die Stadt Schwedt, die ein großes Interesse daran hatte, den Schandfleck zu beseitigen und immer wieder vom Ortsbeirat daran erinnert wurde, durfte nicht eingreifen, da sie auf privatem Eigentum nur beschränkt eingreifen darf, wenn von der Immobilie eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht. Lediglich Kontrollen und gelegentliche Reparaturen am Zaun vollzog das Ordnungsamt. Eine Verbesserung des Zustandes war auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

Den gordischen Knoten aus Eigentumsfragen und Behördenstreit um die Zuständigkeit hat letztlich die Stadt Schwedt zerschlagen. Sie hat wie seinerzeit die Gemeinde Groß Pinnow, die das Gelände der illegale Müllkippe Oder-Schrott kaufte und anschließend als Eigentümer vom Land die Förderung zur Entsorgung der Hinterlassenschaft beantragte und (vorher versprochen) erhielt. "Dieses Vorgehen war für uns die Blaupause", erklärte Stadtplaner  Frank Hein. Die Stadt erwarb vom Notverwalter der Immobilie das Grundstück. Wie viel Geld die Stadt einsetzte, wollte Dr. Florian Gärtner vom Flächenmanagement der Stadt nicht sagen, nur, dass es ein "außerordentlich günstiger Preis" war. Dem Kauf folgte jetzt promt die Zusage des Umweltministeriums für die Förderung. Drei bis vier Eigenheim-Parzellen kann die Stadt auf der Fläche anbieten.

Schafstall, Recyclinghof, Müllkippe, Bauland

Nach der Wende wurde in den Schafställen der LPG ein Elektro-Recyclinghof betrieben. Die Firma meldete Insolvenz an, hinterließ tonnenweise Elektroschrott und gefährliche Stoffe. Ein Großbrand 2003 machte das Gefahrenpotenzial deutlich. Seither laufen Bemühungen zur Beseitigung des Schandflecks.

Ortsvorsteher Jens-Uwe Kühnel begrüßte die angekündigte Entsorgung: "Das ist eine sehr gute Nachricht für Blumenhagen und für junge Leute, die hier bauen und wohnen wollen."⇥md

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