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Mitmachtag
Bunte Suche nach einem besseren Miteinander

Gemeinsamer Umzug: Im Anschluss an das Forum und den Workshop zogen mehr als 60 Teilnehmer des Mitmachtags mit Musik vom ehemaligen Hauptbahnhof durch die Stadt. Abends gab es noch mehrere Konzerte.
Gemeinsamer Umzug: Im Anschluss an das Forum und den Workshop zogen mehr als 60 Teilnehmer des Mitmachtags mit Musik vom ehemaligen Hauptbahnhof durch die Stadt. Abends gab es noch mehrere Konzerte. © Foto: Siegmar Trenkler
Siegmar Trenkler / 17.08.2019, 07:00 Uhr
Neuruppin (MOZ) Ein solidarisches Zusammenleben und Ideen gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft: Das waren die Ziele des Mitmachtags "Wann wenn nicht jetzt –  gemeinsam für ein gutes Miteinander", der am Freitag rings um das Jugendwohnprojekt Mittendrin in Neuruppin stattfand. Eine Vielzahl von Akteuren hatte dafür allerhand Angebote vorbereitet, von der "Seebrücke", über "Lesben gegen rechts", "Aufstehen gegen Rassismus", das Hamburger Thalia Theater,  bis zur Amadeu-Antonio-Stiftung, die zusammen mit Ben & Jerry’s ein Speeddating veranstaltete, Esta Ruppin und viele andere.

Den Auftakt machte ein Forum zum Thema "Wie gelingt das gute Miteinander?" , das von Stefan Fulz von der Servicestelle Klima und Migration des Vereins Esta Ruppin moderiert wurde. Gemeinsam mit Katharina Herold vom Bauspielplatz, Geschäftsführer des Kreissportbunds, Thomas Krieglstein, Maximilian Kowol als Vertreter der Bewegung Fridays for Future und Michaela Rönnefahrt vom Neuruppiner Verein Frauen für Frauen wurde nach Antworten gesucht. Leicht fiel das nicht, wie schnell klar wurde. Die Spaltung der Gesellschaft spiegelt sich deutlich in Sportvereinen wieder, wie Krieglstein klarmachte. "Manche sagen, ,Ich spiele nicht mit denen’, wenn die eine andere Hautfarbe haben. In Wittstock ist uns deswegen eine ganz Mannschaft auseinandergebrochen, weil die Deutschen nur noch in der Minderheit waren", berichtete er. Die Vorbehalte würde er nicht tolerieren. "Das ging schon bei Pegida los, als alle gesagt haben: Die sind doch nicht alle so. Aber sie sind alle so", sagte er. Herold berichtete von ihren Erfahrungen  vom Bauspielplatz. "Es gibt seit 2015 diffuse Ängste. Dabei suchen unsere Besucher aber gar keinen Kontakt zu Leuten anderer Kulturen", beklagte sie. Kowol sprach sich für mehr Mut in der Politik zum Klimaschutz aus. Auch das bisherige Versäumnis dahingehend habe den Rechtsruck verstärkt. Eine echte Lösung für ein besseres Miteinander fanden die Forumteilnehmer zwar nicht. Doch Krieglstein warb dafür, die Erkenntnisse des Tages in die Verwandtschaft und die Familie zu tragen, vor allem aber, den Rechten nicht das Feld zu überlassen. "Sie besetzen populäre Themen. Da müssen wir gegenhalten."

Wider die Resignation

Wie das gelingen kann, war der Inhalt des Workshops, den Christian Schneider vom Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus" angeboten hatte. "Viele Menschen resignieren, weil sie das Gefühl haben, dass viel gemacht wird gegen die AfD, aber nichts hilft", sagte er. In der offenen Runde unter Bäumen, die sich nach und nach füllte, sammelte er zuerst Akteure und all das, was bislang versucht wurde, von Gegendemos bis zu ewigen Facebook-Diskussionen. Von Letzteren hält er nichts. "Eine endlose Diskussion bringt nichts. Man muss aber klare Statements abgeben, dass man zum Beispiel eine bestimmte Verhaltensweise nicht toleriert." Einfach zu schweigen und damit rechten Ideen den Raum zu überlassen, sei falsch. Am Ende entstand so im Zusammenspiel mit den Teilnehmern die Idee eines großen Festivals, bei dem über mehrere Tage gezeigt werden könnte, wie eine offenen Gesellschaft aussehen und funktionieren kann.

Bei dem Mitmachtag wurde aber nicht nur diskutiert, sondern auch mitgemacht. Johanna Köhne etwa nutzte am Stand der Seebrücke die Chance, Tücher mit einer Schablone selbst zu besprühen. Ihre Mutter Mirene, die als gebürtige Neuruppinerin vor 15 Jahren nach Wuppertal gezogen ist, aber immer wieder in der Fontanestadt zu Besuch ist, kennt von ihrer neuen Heimat das Zusammenleben mit vielen verschiedenen Ethnien als etwas ganz Normales. "Johanna kommt jetzt auf eine weiterführende Schule. Dort wächst sie mit dem Multi-Kulti auf", sagt sie. Umso krasser empfindet sie den Gegensatz, der sich in Neuruppin bietet, wo es kaum Ausländer gibt, einige aber enorme Ängste zu haben scheinen.

Ein deutliches Zeichen für die Neuruppiner setzten die Teilnehmer des Mitmachtags schließlich kurz vor 18 Uhr beim Umzug durch die Stadt. Mit bunten Plakaten machten sie ihren Standpunkt klar. Wieder im Mittendrin angekommen, gab mehrere Konzerte.

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