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Bürgermeisterwahl
Reth Kalsow hofft auf eine dritte Amtszeit

Er war der erste Bürgermeister der 2003 gegründeten Gemeinde Groß Kreutz (Havel) und würde es gern bleiben: Reth Kalsow.
Er war der erste Bürgermeister der 2003 gegründeten Gemeinde Groß Kreutz (Havel) und würde es gern bleiben: Reth Kalsow. © Foto: Th. Messerschmidt
Th. Messerschmidt / 17.08.2019, 09:35 Uhr
Jeserig (MOZ) "Gastwirt wird Bürgermeister" lautete eine der Schlagzeilen, die aus der Überraschungswahl 2003 resultierten. Reth Kalsow hatte sich mit deutlicher Mehrheit gegen fünf Konkurrenten durchgesetzt, bei der nächsten Wahl (2011) dem einzigen Mitbewerber kaum 20 Prozent überlassen und 2019 frühzeitig bekannt: "Ich würde gerne weitermachen." Die Chance ist groß. Gegenkandidaten gibt es nicht. Die Lust auf Politik und der Spaß am Gestalten sind während der letzten 20 Jahre kontinuierlich gewachsen. Geblieben ist Reth Kalsow ein Schenkenberger, wohnt dort, wo er ab 1966 aufgewachsen ist und "übliche Berufsaussichten" hatte. Er lernte Agrotechniker (1985) allerdings mit Abitur und mit anschließender Meisterausbildung (1988) in der LPG Pflanzenproduktion. Ein gesunder Ehrgeiz war ihm in die Wiege gelegt. Ebenso der Mut zu Entscheidungen. So baute er nach dem DDR-Ende und dem LPG-Aus auf die Aussage, dass Handwerk goldenen Boden habe und ließ sich zum Gas-Wasser-Installateur umschulen. Es gab viel zu tun – und bald den nächsten beruflichen Wandel. Seine Mutter, die Mitte der 1980er Jahre das "Gasthaus Schenkenberg" übernommen hatte, verstarb unerwartet. So wurde Reth Kalsow Gastwirt. "Es war für mich kein Neuland. Ich hatte in den Jahren zuvor oft geholfen und war ab 1984 viele Jahre als DJ – genauer als staatlich geprüfter Plattenunterhalter" – unterwegs. Ich kannte die Branche", erinnert sich der 53-Jährige, der 1998 die Weichen für seinen längsten Berufsweg stellte. Hatte er bislang nur die "Bürgerinitiative für sozialverträgliche Abwassergebühren" unterstützt, wurde er nun zu Schenkenbergs Vize-Bürgermeister gekürt, was stärkere Einblicke in die Politik mit sich brachte. Kein Zuckerschlecken im damaligen Amt Emster-Havel, das 2003 dann via Gemeindegebietsreform mit dem Nachbaramt Groß Kreutz verschmelzen sollte. Statt zweier Amtsdirektoren musste ein  hauptamtlicher Bürgermeister her. Gewählt vom Volk. Kalsow: "Ich hatte entdeckt, dass Politik Spaß machen kann, zumal hier etwas Neues im Entstehen war. Ich stellte mich der Wahl, hatte aber eher damit gerechnet, den fünf anderen Kandidaten ein paar Stimmen klauen zu können."  Reth Kalsow erntete über 60 Prozent der Stimmen, wurde der erste Bürgermeister der neuen Gemeinde Groß Kreutz (Havel). "Die  ersten Wochen bedeuteten viel Lesen, viele Gespräche, viele Infos einholen. Ich musste vieles lernen und machte im dreijährigen Abendstudium den Diplom-Verwaltungsbetriebswirt." Die  wesentlichen Herausforderungen in den Anfangsjahren: "Die wirtschaftliche Seite als hochverschuldete Gemeinde – der Schuldenstand betrug 19,7 Mio. Euro. Dazu die per Gesetz zusammengelegten Ortsteile. Der Anfang war nicht leicht. Doch wurde es immer leichter, als sich erste Erfolge einstellten. Beide Grundschulen und sechs kommunale Kitas konnten erhalten, der Schuldenstand bis zur nächsten Bürgermeisterwahl halbiert werden. Kalsow blieb im Amt und die Gemeinde bekam immer mehr Spielraum. So konnte in die Schulen und Kitas investiert werden und Schenkenberg, Schmergow und Deetz sich über neue Feuerwehrhäuser freuen. Acht neue Einsatzfahrzeuge wurden angeschafft, der Götzer Aussichtsturm gebaut, die Bahnhofsvorplätze in Götz und Groß Kreutz ausgebaut und jeder Ortsteil mit einem neuen Spielplatz bedacht. In Götz und Groß Kreutz sind neue Wohnviertel entstanden und Baulücken in allen Ortsteilen Mangelware geworden.  Der Schuldenstand ist inzwischen auf 1,8 Mio. Euro reduziert und die zwischenzeitlich unter 8.000 gesackte Einwohnerzahl auf 8.575 gestiegen. In Jeserig entsteht gegenwärtig ein Kita-Neubau, für die Grundschule Jeserig ist ein Anbau und für die Erich-Kästner-Grundschule in Groß Kreutz die Sanierung in Planung. Das Vorankommen schlägt sich in einer positiven Grundstimmung der Bevölkerung nieder. "Stimmt oder funktioniert etwas nicht, dann erfahre ich das meist von den Leuten direkt. Die sind offen und ehrlich" und Reth Kalsow stets unterwegs. Abends bei Ausschüssen, Vereinen, sonstigen Sitzungen, so ziemlich jedes Wochenende bei allen möglichen Veranstaltungen wie jüngst beim Pokalspiel in Schenkenberg, beim Dorffest in Krielow, dem Musiksommer in Götz, demnächst beim "Glanz der Provinz" (24.08.) und dem Birnenfest (14.09.) in Groß Kreutz, sowie bei der legendären 80er-Jahre-Party in Schenkenberg (12.10.), bei der er einmal im Jahr mit seinem DJ-Partner Mathias "Rudi" Rohde Musik auflegt…  "Bei uns ist eben viel los und das ist toll. Wir sind die letzten Jahre gut vorangekommen, haben viele Sachen angestoßen. Ich würde mich freuen, meine Arbeit fortführen zu können, denn ich sehe sie als noch nicht zu Ende gebracht." Die Frage für den 1. September 2019 – parallel zur Landtagswahl – scheint nur, wie viele der Wahlberechtigten ihm den Segen für weitere acht Jahre geben…

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