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Handwerk
Der einzige Fachmann für Blechblasinstrumente in der Region

In der Werkstatt: Thomas Nitz ist auf Blechblasuinstrumente spezialisiert, repariert aber auch Holzblasinstrumente wie diese Klarinette. Wenn die Zeit es zulässt, entwickelt und baut der 33-Jährige eigene Posaunen.
In der Werkstatt: Thomas Nitz ist auf Blechblasuinstrumente spezialisiert, repariert aber auch Holzblasinstrumente wie diese Klarinette. Wenn die Zeit es zulässt, entwickelt und baut der 33-Jährige eigene Posaunen. © Foto: Brian Kehnscherper
Brian Kehnscherper / 17.08.2019, 10:00 Uhr
Wustrau (MOZ) Der Wustrauer Thomas Nitz hat sich als Instrumentenbauer selbständig gemacht. Er ist der einzige Fachmann für Blechblasinstrumente in der Region.

Es ist ruhig in der Werkstatt, die Thomas Nitz sich im Hinterhaus auf dem Grundstück seiner Eltern eingerichtet hat. Der 33-Jährige sitzt an seiner Werkbank und inspiziert die Einzelteile einer Klarinette. Er verdient sein Geld damit, Blech-, aber eben auch Holzblasinstrumente zu reparieren. Zudem stellt er auch selbst welche her. Vor anderthalb Jahren hat er sich selbstständig gemacht.

"Ich bin ein bisschen familiär vorbelastet", sagt er, als er erklärt, wie er zu dem seltenen Beruf gekommen ist. Als Jäger habe sein Vater auch Jagdhorn gespielt. So kam Thomas Nitz schon als Kind mit Blasmusik in Berührung und begann bald an der Kreismusikschule Trompete zu lernen. "Weil ich auch handwerklich begabt war, fragte mich der Leiter der Musikschule, Harald Bölk, ob Instrumentenbauer nicht etwas für mich wäre", erinnert er sich. Nitz fand die Idee gut. Nach dem Abi­tur am Oberstufenzentrum bewarb er sich 2005. Er machte ein Praktikum im oberbayerischem Geretsried und begann schließlich eine Lehre. "Es war anfangs schwer, sich da durchzubeißen. Da herrscht eine andere Mentalität. Ich fand da aber auch viele Freunde, zu denen ich heute noch Kontakt habe", sagt er. Da es ein sehr familiäres Unternehmen mit 25 Mitarbeitern war, konnte er Einblicke in jede Sparte erhalten. "Da habe ich viel mitnehmen können, das mir später in der Mei­sterschule geholfen hat." Während seiner Zeit in Bayern bekam der Instrumentenbauer 2009 auch die Folgen der Wirtschaftskrise zu spüren. Sein Arbeitgeber hatte sich auf den Bau von Tuben spezialisiert. Die handgemachten Sonderbauten kosten zwischen 12 000 und 20 000 Euro. Hauptkunden waren Musiker aus den USA. Als wegen der Krise die Bestellungen ausblieben, kam das Unternehmen in Schwierigkeiten.

Meisterschule im Vogtland

2010 kehrte Nitz wieder in seine Heimat zurück und arbeitete in Berlin. Von 2015 bis 2017 besuchte er die Meisterschule im Vogtland. "Es war zwar schwer, am Wochenende immer hin und her zu pendeln, aber es haben sich auch viele neue Kontakte ergeben", sagt er. Auf Anregung des Rheinsberger Geigenbauers Jan Dayß und eines Akkordeonbauers aus Brandenburg an der Havel machte sich Thomas Nitz schließlich selbstständig.

Die Nachfrage ist groß. Das Einzugsgebiet für seine Kunden reicht von Oberhavel bis zur Müritz. Musikschulen, eine Bläserklasse der Evangelischen Schule, das Bundespolizeiorchester, Posaunenchöre, Jäger sowie Freizeit- und Profimusiker gehören zu seinen regelmäßigen Auftraggebern. Er selbst spielt Trompete im Rheinsberger Posaunenchor. Man müsse zwar nicht selbst Musiker sein, um Instrumentenbauer zu werden, sagt Nitz. "Man hat aber einen besseren Zugang dazu, wenn man selbst musiziert." Ein gutes musikalisches Gehör ist wichtig, um Fehler an Instrumenten ausfindig zu machen. "Ich muss die Fehler bemerken, bevor sie die Kunden feststellen."

Sein Fach ist eine Wissenschaft für sich. Je nachdem, welche Materialien beim Bau von Instrumenten benutzt werden, verändert sich die Ansprache und der Ton. Kleinste Dellen oder Kratzer in den Hohlräumen können den Klang verändern. Der wesentliche Anteil seiner Arbeit besteht zwar darin, Instrumente zu warten und zu reparieren. Er fertigt aber auch selbst welche an. "Ich baue zum Teil Instrumente mit individuellen Ventilen. Wenn die Ventile zum Beispiel größer sind, hat man weniger Gegendruck und der Klang ist voluminöser", erklärt Nitz. Nebenbei eignet er sich zudem Kenntnisse im Bau von Holzblasinstrumenten an, um sein Repertoire zu erweitern.

Die eigene Posaune

Wie bei vielen Selbständigen hat Thomas Nitz’ Arbeitswoche weit mehr als 40 Arbeitsstunden. Neben der Arbeit in der Werkstatt fällt die Buchhaltung an. An den Wochenenden ist er zudem oft auf Fachmessen, um neue Kunden zu akquirieren. "Aber wenn man sein Hobby zum Beruf gemacht hat, und liebt, was man macht, dann stört einen die viele Arbeit nicht." Wenn es die alltägliche Arbeit zulässt, entwickelt er seine eigenen Posaunen. "Es gibt einen Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Posaunen. Die deutsche ist runder und etwas matter im Ton und besser fürs Orchester geeignet. Die amerikanische ist klarer und besser für Solomusiker", erklärt er. Er selbst spielt als Musiker lieber im Orchester. "Als Solist steht man so sehr auf dem Präsentierteller", sagt er. Seine Instrumente sollen im Klang zwischen deutschen und amerikanischen Posaunen liegen, weich, aber dennoch mit klarem Ton. Etwa zwei Monate braucht er, um ein Exemplar zu bauen. Seine Kreationen sind mit einem "N" als Logo gekennzeichnet. "Wenn man in Deutschland den Firmennamen "Schagerl" hört, denkt man an Trompeten", sagt er. Vielleicht wird der Name Nitz eine Tages mit Posaunen in Verbindung gebracht.

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