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Bürgermeister-Wahl
Vier für Brieselang

Ralf Heimann, Michael Koch, Kai Nagel und Alexander Thurm stellen sich dem Briselanger Publikum.
Ralf Heimann, Michael Koch, Kai Nagel und Alexander Thurm stellen sich dem Briselanger Publikum. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 20.08.2019, 11:34 Uhr
Brieselang .   Am 1. September können die Brieselanger über einen neuen Bürgermeister abstimmen. Amtsinhaber Wilhelm Garn (CDU) wird nicht erneut kandidieren. Vier Kandidaten stehen zur Wahl und alle vier stellten sich am vergangenen Freitag den Fragen ihrer Wähler. Die ausgesprochen gut besuchte Veranstaltung fand im Saal des Bürgerhauses statt, wer nicht zehn Minuten vor der Zeit hier war, hatte keine Chance auf einen Sitzplatz. Auch die geplanten zwei Stunden reichten nicht aus, spontan und gut gelaunt gingen die Kandidaten in die Verlängerung. Moderierend durch den Abend führte Antje Koch (Die Linke), deren gestrenges Auge auch die Redezeiten der Kandidaten im Blick behielt.

Ralf Heimann geht als parteiloser Kandidat ins Rennen und tritt für die Initiative für Bürgerinteresse und Bürgerbeteiligung (IBB) an, welche den Freien Wählern angeschlossen ist. Der Beamte der Deutschen Bundesbank ist auch als Dozent tätig und hat bereits kommunalpolitische Erfahrung in der Gemeindevertretung (GV) Brieselang gesammelt. Hier hat er auch den Fraktionsvorsitz inne. Sein Hauptanliegen: Das Transparente Rathaus, kein Neubau aus Glas, sondern eine Form der Bürgerbeteiligung. "Die Bürger sollen sich informieren und einbringen können, bevor Entscheidungen getroffen werden", sagt Heimann.

Kai Nagel tritt für Bündnis 90/Die Grünen an, ist Sprecher der Ortsgruppe, seit der Kommunalwahl im Mai 2019 hat er den Vorsitz der Grünen in der GV Brieselang. Der Diplom-Verwaltungsfachwirt hat ein abgeschlossenes Master-Studium für Internationale Zusammenarbeit. Er sagt, er steht für eine nachhaltige Entwicklung in Brieselang. "Was ich keinesfalls möchte, ist eine Öko-Diktatur", sagt der Wahl-Brieselanger, der nichts für alternativlos halten mag.

Alexander Thurm ist das einzige "Politik-Leichtgewicht", hat noch gar keine politischen Erfahrungen gesammelt, was der Physiotherapeut nicht als Nachteil sieht, sondern eher als eine Art des Unbelastet seins. Der Vater von vier Kindern ist seit Jahren selbständig, hat also Erfahrung in Sachen Personalführung. Er betrachtet sich selbst als: "Eine Art Alternativangebot zu den anderen Kandidaten." Eine bessere Facharztversorgung für Brieselang würde er sich wünschen, sagt er.

Michael Koch ist sicherlich das politische Schwergewicht in der "Brieselanger Runde". Der Christdemokrat blickt auf mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in unterschiedlichen politischen Positionen und Funktionen zurück, den Vorsitz seiner Partei in Brieselang würde er abgeben, sollte er die Wahl gewinnen, stellt er klar. Der Verwaltungsfachwirt beschreibt sich selbst als einen Politiker aus Leidenschaft, die Aufgabe des Bürgermeisters wahrnehmen, wäre ihm ein Privileg. "Ich möchte einen neuen, frischen Wind ins Rathaus bringen", sagt er und fügt hinzu, dass dies keine Bewertung der bisher dort geleisteten Arbeit sein soll.

In den meisten Punkten herrscht Einigkeit über einen Handlungsbedarf. Den Zuzug begrenzen, es werden mehr Kita- und Hortplätze benötigt. Radwegeausbau, Bedarf im öffentlichen Nahverkehr, Mehr Angebote für die Senioren in der Gemeinde schaffen.

Den Zuzug zumindest regeln, das wollen sie irgendwie alle. Koch spricht hier von Steuerung, Heimann zeigt eine Aufnahme des Ortes von 1943 und eine Aktuelle, um die Veränderung deutlich zu machen. Nagel sagt: "Ich will Brieselang nicht konservieren. Und ganz ehrlich, die meisten von uns sind doch zugezogen." Mehrfamilienhäuser, mit preisgünstigen Wohnungen, statt Einfamilienhäuser könnte Nagel sich vorstellen, sagt er.

Im Bereich Kita und Hort geht es über die Erkenntnis, wird gebraucht, an dem Abend nur wenig hinaus. Koch positioniert sich eindeutig zur geplanten Umwandlung der Oberschule.

Spannend wurde es beim öffentlichen Nahverkehr. Heimann wirbt für mehr Parkraum am Bahnhof, für Auto und Rad. Und für einen Radweg nach Zeestow und Bredow. Der Busverkehr, besonders in die Ortsteile, soll ausgebaut werden.

Für Koch muss es unbedingt einen 20-Minuten-Takt mit der Bahn nach Berlin geben. Der Regionalverkehr muss ausgebaut werden. Koch spricht sich deutlich gegen die S-Bahn aus. "Das entscheiden die Leute am Bahnhof Spandau mit den Füßen. Wer die Wahl hat, steigt in die Regio. Pendler wollen verlässlich, zügig und ohne Umsteigen ans Ziel kommen, die wollen keine Stadtrundfahrt", sagt er. Auch das Radwegenetz hält er für ausbaubedürftig.

Nagel möchte den Fußgänger und Radverkehr gleichwertig in allen Planungen mitgedacht sehen. Den Öffentlichen Nahverkehr ausbauen, dabei möchte er eine direkte Anbindung auf der Schiene nach Potsdam haben. Das Auto sagt er, ist im ländlichen Raum nicht wegzudenken. Es könnte weitere Angebote geben, wie zum Beispiel Mitfahrbänke. Was er nicht möchte, aus unbebauten Flächen in Zentrumsnähe Parkplätze machen. Nagel denkt hier eher an Spielplätze oder Freizeitflächen für alle Generationen.

Auch Thurm ist für mehr Radwege, schließt sich hier und da seinen Vorrednern an.

Was sich für die Senioren konkret ändern könnte wird an diesem Abend nicht ganz deutlich. Einige der Besucher beklagen einen Mangel an erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten und das wird von Kandidaten aufgenommen. Nagel sagt, man müsse die Bedürfnisse der Senioren überdenken. Nicht alle brauchen Hilfe, bevor es soweit ist, möchten viele noch aktiv in der Gesellschaft tätig sein. Koch stimmt dem zu.

Heimann möchte die Feuerwehr stärken, Nagel hat den Artenschutz in der Gemeinde auf der Agenda. Koch wirbt für eine Gemeindeentwicklung mit Augenmaß. Thurm nickt hier und da zustimmend, sagt selbst, dass er doch noch recht wenig eigene konkrete Angebote dabeihat. Worin sich alle einig sind, dass sie sachlich und überparteilich zusammenarbeiten wollen, egal, wer nun Bürgermeister wird. Wobei der Bürgermeister ohnehin überparteilich agieren sollte, sagt Koch.

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