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Weltladen
In Neuruppin ein Zeichen für fairen Handel gesetzt

RIB_Weltladen Neuruppin 7 Anton Hofreiter von der bundestagsfraktion von Bpündnis 90/Die Grünen kam zur Eröffnung des Weltladens am 20.8.2019 nach neuruppin. Foto: Ulrike Gawande
RIB_Weltladen Neuruppin 7 Anton Hofreiter von der bundestagsfraktion von Bpündnis 90/Die Grünen kam zur Eröffnung des Weltladens am 20.8.2019 nach neuruppin. Foto: Ulrike Gawande © Foto: Ulrike Gawande
Ulrike Gawande / 20.08.2019, 18:15 Uhr - Aktualisiert 21.08.2019, 08:29
Neuruppin (MOZ) Kaffee, Tee, Knabbereien, Kinderspielzeug, Schmuck, Tücher und Wellnessprodukte – all das gibt es seit gestern im Weltladen in der Neuruppiner Karl-Marx-Straße 98/99 im Erdgeschoss des Hauses vom Verein Esta-Ruppin zu kaufen. Der bis dato mobile Weltladen hat damit endlich eine Heimstatt gefunden.

"Es ist bewundernswert, was man aus einem alten Bankraum machen kann", lobte Neuruppins Erste Beigeordnete Daniela Kuzu den freundlich eingerichteten Raum bei der Eröffnungsfeier. Da der Laden von sieben Ehrenamtlichen vorerst nur dienstags von 10 bis 18 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr aufgemacht wird, können die Räumlichkeiten auch für andere Projekte des Vereins genutzt werden. Der Weltladen sei zudem nicht nur ein Verkaufs-, sondern auch ein Informations- und Bildungsort. "Ich hoffe, dass das Projekt wächst und werde öfter vorbeikommen", versprach Kuzu, die durch ihre mehrjährigen Aufenthalte in Ghana und der Türkei mit den Problemen der Lieferketten in Bezug auf fairen Handel vertraut ist. "Ich finde deshalb die Initiative toll."

Nicole Saile, Fairhandelsberaterin im Land, erklärte das Prinzip des Ladens, von dem es 24 weitere in Brandenburg gibt: Fairtrade sei in der Fontanestadt kein neues Thema, erinnerte sie mit Hinweis auf das faire Frühstück und den 2018 erreichten Status als Fairtrade-Stadt. Neuruppin sei demnach schon ein Ort des fairen Handels, so die Fachfrau. "Mit dem Weltladen bekommt der Einzelhandel in Neuruppin nun ein faires, neues Herz." Weltweit sollte das Erzeugen von Produkten mit einem fairen Preis für die Erzeuger verbunden sein, forderte sie. Doch das sei keineswegs selbstverständlich. Im Weltladen werden jedoch nur solche Dinge verkauft, bei denen die Hersteller einen gerechten Lohn erhalten. Doch das Fairtrade-Prinzip reiche noch weiter: Es gehe um eine "Partnerschaft auf Augenhöhe" ist im Prospekt des Weltladens nachzulesen. So gehören zu diesem Handelsprinzip auch langfristige Lieferverträge, Vorfinanzierung der Produktion, Respekt gegenüber der Umwelt und eine integrierte Förderung sozialer Projekte. Mit diesen Maßnahmen soll die Einkommens- und Lebenssituation der Erzeuger nachhaltig verbessert werden. Außerdem versuche man bei der Auswahl der Waren auf eine möglichst ökologisch nachhaltige  Produktion zu achten, so Saile. "Die Idee nachhaltiger Entwicklung ist nicht nur Weltpolitik, sondern kann am Frühstückstisch mit einer Tasse Kaffee beginnen", ist Nicole Saile überzeugt.

Bundespolitiker zu Gast

Er sei zwar kein Fan von Kaffee, erklärte Dr. Anton Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen, der ebenfalls zur Eröffnung des Weltladens gekommen war, aber er liebe Schokolade. Am liebsten fair gehandelte. Die schmecke nicht nur oftmals besser, sondern gebe auch ein "besseres Gefühl", sagte der Grünen-Politiker. Er kritisierte, dass sich Deutschland brüste, Kinderarbeit  und unfaire Arbeitsbedingungen bekämpft zu haben, doch diese Probleme seien nur in andere Länder verlagert worden. Eindrucksvoll schilderte er die katastrophalen Produktions- und Arbeitsbedingungen im spanischen Almeria. Dort bauen Arbeiter, zu 92 Menschen mit Migrationshintergrund, auf 380 Quadratkilometern unter Plastikfolie Obst und Gemüse an, das zu 60 Prozent nach Deutschland geliefert werde. Das sei nicht nur ein ökologisches Problem, so Hofreiter, sondern für die Mitarbeiter herrschen "sklavenähnliche Zustände". "Wir haben die Aufgabe das zu ändern. Daher freue ich mich umso mehr über solche Initiativen", erklärte im Hinblick auf die ehrenamtlich Aktiven des Weltladens. Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) hob noch einen weiteren positiven Aspekt des Geschäftes hervor: "Es belebt die Straße in der Nähe des Bahnhofes."

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