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SPD-Vorsitz
Das Auf und Ab der Klara Geywitz

Klara Geywitz, SPD-Landtagsabgeordnete in Brandenburg
Klara Geywitz, SPD-Landtagsabgeordnete in Brandenburg © Foto: Monika Skolimowska/dpa
Ulrich Thiessen / 20.08.2019, 21:30 Uhr
Potsdam (MOZ) Am Dienstagvormittag auf Wahlkampftour in Senftenberg gab sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) noch geheimnisvoll. Wartet mal ab, da kommt noch eine Überraschung, soll er den Parteifreunden zugeraunt haben. Mehr nicht. Kurze Zeit später lief es über die Agenturen, dass er bei der Suche nach einer Mitbewerberin für den Bundesvorsitz der SPD in Potsdam fündig geworden ist.

Der Name Klara Geywitz war in den vergangenen Tagen bereits mehrfach intern genannt worden. Sie erfüllt die Kriterien die Scholz für eine Doppelspitze stellen muss, geradezu perfekt: weiblich, ostdeutsch, jung und ist darüber hinaus als Vorstandsmitglied gut in der Bundespartei vernetzt. Und da eine Ministerpräsidentin wie Manuela Schwesig offenbar wirklich keine Ambitionen hegt und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey eine Kandidatur ausgeschlossen hat, musste offenbar in der zweiten Reihe gesucht werden.

Noch als Schülerin war Klara Geywitz Mitte der 90er Vorsitzende der brandenburgischen Jusos geworden. 2004 zog sie in den Landtag ein und war als bildungspolitische Sprecherin der SPD in der rot- schwarzen Koalition mit dem heutigen CDU-Chef Ingo Senftleben maßgeblich an der Einführung der Oberschule in Brandenburg beteiligt.

Ihr Fleiß, mit dem sie sich in Themen einarbeitet, ihr Ehrgeiz und ihre Schlagfertigkeit sorgten dafür, dass sie in den vergangenen zehn Jahren immer wieder als mögliche Ministerin oder Fraktionschefin der SPD im Landtag im Gespräch war. "Sie hat nie zugegriffen", heißt es in der Landtagsfraktion. Selbst als Kronprinzessin und potentielle Nachfolgerin von Dietmar Woidke galt sie eine Zeit lang.

2013 wurde Geywitz Generalsekretärin des Landesverbandes und setzte eine Strukturreform samt Personalabbau in den Unterbezirken durch. Als Woidke nach einigem Hin und Her 2017 die Kreisreform absagte, trat Geywitz überraschend als Generalsekretärin zurück. Es hieß, sie fühlte sich nicht ausreichend in die Überlegungen des Parteichefs und Ministerpräsidenten einbezogen.

Innerparteilich brachte ihr dieser Schritt viel Kritik ein. Auf Parteitagen danach vermochte sie trotzdem mit ihren Reden die Delegierten zu begeistern. Die Mutter von drei Kindern lernte in den vergangenen Jahren Polnisch und setzte sich für Kontakte über die Oder hinweg ein.

In der brandenburgischen SPD stieß die Kandidatur von Geywitz an der Seite von Olaf Scholz auf ein geteiltes Echo. Landeschef Dietmar Woidke beeilte sich die Kandidatur schriftlich zu begrüßen und sein eigenes Engagement für die Bewerbung in einer Pressemitteilung herauszustreichen.

Aus dem Vorstand heraus war jedoch auch zu hören, dass der Schritt von Geywitz nicht abgestimmt gewesen sei. So habe man die Kandidatur nicht als gemeinsamen Schritt des Landesverbandes verkaufen und im Wahlkampf Einigkeit demonstrieren können.

Im Landtagswahlkampf geht es für Geywitz zurzeit um Alles oder Nichts. Ihr Potsdamer Wahlkreis wird inzwischen von Wahlforschern den Grünen zugerechnet. Für Geywitz, die auf Platz zehn der Landesliste rangiert, könnte das bedeuten, dass sie den Einzug in den nächsten Landtag verpasst. In der brandenburgischen SPD wird die Bewerbung für den Bundesvorsitz als Möglichkeit gesehen, die eigene Popularität zu erhöhen und eventuell die entscheidenden Prozentpunkte mehr zu erringen, die für das Direktmandat notwendig sind.

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