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Blühende Felder erfreuen in Wölsickendorf das Auge der Wanderer. Am Wochenende lädt Hobby-Landwirt Carsten Schleinitz zur kostenlosen Führung durch seine bunten Felder ein.

Natur
Wandern durch Blütenmeere

Susan Hasse / 21.08.2019, 07:00 Uhr
Höhenland (MOZ) Wer glaubt, im Osten gebe es keine blühenden Landschaften, irrt. In Höhenland blüht es jedenfalls millionenfach: Soweit das Auge reicht, stehen auf den Feldern von Carsten Schleinitz Sonnenblumen, Malven, Hundskamille und vieles mehr. Der Landwirt im Nebenerwerb hat auf rund acht Hektar bunte Blühwiesen angelegt. Früher hatte er die Flächen an die lokale Agrargenossenschaft verpachtet, doch nach 25 Jahren als passiver Verpächter wollte er wieder selbst aktiv werden. Er nahm Kontakt mit dem Netzwerk Blühende Landschaft auf, einer Vereinigung, die sich  zum Ziel gesetzt hat, die Kulturlandschaft zum Blühen zu bringen. Der Gedanke, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten und Insekten wieder mehr Lebensraum zu bieten, gefiel Carsten Schleinitz. Er beschloss daher, sein Land in Blühlandschaften zu verwandeln. Vom Netzwerk Blühende Landschaft bekam er die Samenmischungen zur Verfügung gestellt und ist nun schon seit zwei Jahren Blütenbauer.

Dass Carsten Schleinitz mit seinem Projekt den Nerv der Zeit trifft, ist ihm bewusst. Auch in Brandenburg wurden jüngst Volksbegehren gegen das Insektensterben gestartet. Dabei ist der studierte Agrarwissenschaftler Schleinitz kein überzeugter Öko, sondern steht mit beiden Beinen fest im Leben. Als Agrarhändler verkauft er den Landwirten in Brandenburg und Polen Saatgut und andere wichtige Betriebsmittel. Er weiß, wie schwer es die Bauern heutzutage haben. "Ich habe nichts gegen die konventionelle Landwirtschaft", stellt er klar. Die allermeisten Landwirte verstehen ihr Handwerk und würden ihren Äckern nicht vorsätzlich schaden. Ihm ist klar, dass Betriebe ganz genau auf die Zahlen schauen müssen und sich Spielereien wie Blühwiesen kaum leisten können. Schließlich werde jeder Hektar für die Produktion gebraucht. "Das ist der Luxus, den ich mir leiste", so Schleinitz. Der Nebenerwerbslandwirt verzichtet bewusst auf Ertrag oder Pachteinnahmen. Zwar bekommt er finanzielle Unterstützung durch die EU-Agrarförderung, aber ein lukratives Geschäft sei das Ganze nicht. Reich an Blumen zu sein, sei doch auch schon mal was, so Schleinitz beim Spaziergang über seine blühenden Felder.

Bereits seit April blüht es auf seinen Feldern in Wölsickendorf. Das Saatgut sei so ausgewählt, dass von April bis Oktober immer etwas wächst. Anfangs überwog Klee und andere Frühblüher. Jetzt gegen Ende des Sommers zeigen dagegen die Sonnenblumen und Malven ihre Pracht.  "Blühwiesen wie diese schaffen für nektar- und pollensuchende Insekten wieder mehr Lebensraum". Er selbst beobachtet die Natur sehr genau und stellte in der Vergangenheit einen Rückgang der Insekten fest. Aufgrund der schnellen Reproduktion der Krabbeltiere könne man dies allerdings schnell wieder ändern.

Die blühenden Felder von Carsten Schleinitz liegen direkt am Oderlandweg, auch der "66-Seen-Wanderweg" ist nur einen Katzensprung entfernt. Viele Wanderer, so etwa die Wanderfreunde Bad Freienwalde, aber auch Fahrradfahrer machen an seinen blühenden Oasen Halt, berichtet Schleinitz. Für die Besucher hat er sogar eigens bequeme Bänke angefertigt, die zum Verweilen einladen. "Es ist unglaublich entspannend an einem Sommertag hier zu sitzen", so der 54-Jährige Wölsickendorfer. Auch Fledermäuse, Eulen und viele Vögel fühlen sich hier pudelwohl. "Die Nahrungskette funktioniert", erklärt Schleinitz schmunzelnd. In den Abendstunden kreisen dutzende Vögel und Fledermäuse über dem Feld, um Nahrung zu fangen.

Um auch andere an der Schönheit teilhaben zu lassen, bietet Schleinitz am kommenden Freitag und Sonnabend Führungen durch seine Felder an. In einer zweistündigen Wanderung will er erklären, welche Blumen auf den Feldern zu finden sind und was es mit dem vielzitierten Insektensterben auf sich hat.

Info: Die Wanderungen starten am 23. und 24.8. sowie 30. und 31.8. jeweils um 13.10 Uhr. Treffpunkt ist Brunower Weg 2 in 16259 Wölsickendorf. Um Anmeldung unter Tel. 0152 53043646 wird gebeten.

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