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Jubiläum
Linows Feuerwehrleute feiern 110-jähriges Bestehen

Alle vereint: Die Linower Feuerwehr zählt mit 30 Kameraden im aktiven Dienst und 20 Mädchen und Jungen in der Nachwuchsabteilung zu den Mitgliederstarken Einheiten. Zeitweise hatte sie mehr Aktive als die Wehr in Rheinsberg.
Alle vereint: Die Linower Feuerwehr zählt mit 30 Kameraden im aktiven Dienst und 20 Mädchen und Jungen in der Nachwuchsabteilung zu den Mitgliederstarken Einheiten. Zeitweise hatte sie mehr Aktive als die Wehr in Rheinsberg. © Foto: privat
Brian Kehnscherper / 22.08.2019, 18:00 Uhr
Linow (MOZ) Es ist erst das dritte Mal, dass die Linower Brandbekämpfer das tatsächliche Jubiläum ihrer Wehr feiern können. Denn lange Zeit galt 1932 als Gründungsjahr. Eher durch Zufall stieß Einheitsführer Burkhardt Stranz vor mehr als zehn Jahren bei einem Bekannten auf historische Unterlagen, aus denen hervorging, dass der damalige Gemeinderat bereits 1909 den ersten Spritzenmeister in Linow bestätigte.

Weil das dem Kreisfeuerwehrverband als Beleg für die Gründung jedoch nicht genügte, recherchierte Stranz weiter. Im Potsdamer Landesarchiv fand er Unterlagen, die seine Vermutung bestätigten. Ein Amtsrat Henning erkundigte sich 1907 danach, was notwendig wäre, um in Linow eine Feuerwehr zu gründen. In einem Protokollbuch entdeckte Stranz eine Liste mit geforderten Reparaturen an Einsatzgeräten. Und Stranz stieß erneut auf den Namen des besagten ersten Spritzenmeisters, der 1909 ernannt wurde. Die Recherche zog sich solange hin, dass das Datum für die 100-Jahr-Feier bereits vorbei war. So wurde das Jubiläum erst 101 Jahre nach der Gründung begangen. "Wir wollen alle fünf Jahre feiern", sagt Burkhard Stranz. Und somit steht am 31. August das nächste Fest an.

Aus der Geschichte der Brandbekämpfung  weiß der Einheitsführer einiges zu berichten. Schon im 19. Jahrhundert gab es eine königliche Verordnung, in der festgelegt worden ist, was für den Fall eines Brands vorzuhalten ist. Weil die Löschspritze, die es im Ort gab,  beim Pumpen nicht selbst Wasser ansaugte, musste sie per Hand befüllt werden. "Deshalb hatte jeder Linower Eimer zu Hause", so Stranz. Zudem gab es im ganzen Ort verteilt Gemeindepumpen. 1932 wurde schließlich das Spritzenhaus am heutigen Standpunkt gebaut. Deshalb galt jenes Jahr lange als Gründungsjahr der Feuerwehr.

Bei seinen Recherchen zur Geschichte der Wehr stieß Stranz auch auf witzige Anekdoten. Als Linow 1929 eine Motorspritze erhielt, wurden im Kreis auch Schlauchwagen auf die Dörfer verteilt. Für Linow war eigentlich keiner vorgesehen. Die Bauern des Dorfes lieferten der verantwortlichen Vergabestelle jedoch ein Schlachtschwein und zwei Zentner Getreide und bekamen ihren Schlauchwagen. Ohnehin gehören Improvisation und Beharrlichkeit zu den Grundtugenden der Linower Feuerwehrleute. Weil es in den 1970er-Jahren keinen Einsatzwagen gab, besorgten sich die Kameraden einen Militärtransporter und malten diesen rot an. Die Garage mit den zwei Stellplätzen errichteten die Mitglieder Mitte der 1990er-Jahre in Eigenregie. Und bereits zu DDR-Zeiten haben sie eine alte Scheune zu einem Versammlungsraum ausgebaut.

Seit 25 Jahren Einheitsführer

Für Stranz ist das bevorstehende Fest auch ein persönliches Jubiläum. Denn seit einem Vierteljahrhundert steht er an der Spitze der Wehr. Zuvor war er zwölf Jahre lang Stellvertreter. Beigetreten ist er bereits 1977. "Wir hatten in Linow aber schon immer eine erweiterte Leitung mit Kassenwart, Schriftführer und Jugendwart. Wir treffen Entscheidungen in der Regel im Kollektiv", so Stranz.

Der große Stolz der Linower Brandbekämpfer ist die Nachwuchsabteilung. Seit dem 16. April 1993 gibt es eine Jugendfeuerwehr in dem Dorf. Der damalige Jugendwart Dirk Stein hatte sie gegründet. Nachdem der spätere Jugendwart Marcel Runow 2017 zum Stadtjugendwart von Rheinsberg ernannt wurde, übernahm Enrico Lemm die Nachwuchsarbeit. Derzeit hat die Jugendwehr 20 Mitglieder. Das Besondere: In den vergangenen zehn Jahren sind durchschnittlich neun von zehn Heranwachsende aus der Jugend in den aktiven Dienst gewechselt. "Davon träumen andere Einheiten", sagt Stranz stolz. Mit 30 Mitgliedern im aktiven Dienst ist die Linower Wehr personell gut aufgestellt. "Es gab Zeiten, da hatten wir mehr Aktive als Rheinsberg", so der Stranz. So viel Engagement muss gewürdigt werden. Deshalb hat die Einheit ein  fabrikneues Tragkraftspritzenfahrzeug erhalten. Der Einsatzwagen ist bereits im Dienst. Offiziell übergeben wird er aber zur Jubiläumsfeier.

Das Programm

Das Feuerwehrfest beginnt am Freitag, 30. August, mit einem Fußballturnier auf dem Festplatz am Bahndamm in Linow. Um 19.30 Uhr startet ein Fackelumzug.

Am Sonnabend, 31. August, beginnt um 11 Uhr ein großer Umzug vom Festplatz. Um 13 Uhr fanen spaßige Wettkämpfe sowie Vorführungen der Feuerwehr an. Um 20 Uhr beginnt der Feuerwehrball.

Für die jungen Besucher gibt es ein Spielmobil, Ponyreiten, diverse Spiele, eine Springburg, Kinderschminken und mehr.⇥bk

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