Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ein Schuljahr in 10 000 Kilometern Entfernen ist für viele ein Traum. Der Gorgaster Schülerin Anouk Schrape wurde er erfüllt. Sie durfte nach Mexiko.

Schüleraustausch
Zur Schule nach Mexiko

Austauschschülerinnen entdecken die Welt: Wieder zurück in Gorgast betreut die Manschnowerin Anouk Schrape (rechts) nach einem Jahr in Mexiko jetzt ihre Gastschwester Beatriz Braga Dezan (links) aus Brasilien.
Austauschschülerinnen entdecken die Welt: Wieder zurück in Gorgast betreut die Manschnowerin Anouk Schrape (rechts) nach einem Jahr in Mexiko jetzt ihre Gastschwester Beatriz Braga Dezan (links) aus Brasilien. © Foto: Cornelia Mikat
Ingo Mikat / 22.08.2019, 19:40 Uhr
Manschnow Ich habe ein Jahr in Cortazar in Mexiko gelebt." Wer das von Anouk Schrape, einer 17 Jahre alten Schülerin, erfährt, kann seine Neugier kaum zähmen und stellt ihr zumeist viele Fragen. Zu den häufigsten gehören: "Hattest du Heimweh?", "Warum ausgerechnet Mexiko?", "Was hast du da gemacht?" und "Ist es dort nicht gefährlich?" Bereitwillig und gern gibt sie Antworten.

Nach Mexiko führte die Manschnowerin von August 2018 bis Anfang Juli 2019 ein vom Verein Rotary Jugenddienst Deutschland vermitteltes Schüleraustauschprojekt. Jährlich beteiligen sich an diesem Programm, das 30 Gastländer umfasst, mehr als 650 deutsche Schüler. Ihre Eltern übernehmen die Flugkosten und eine Krankenversicherung, sowie eine Rundreise durch das Gastland und verpflichten sich ebenfalls Austauschschüler aufzunehmen. 50 Euro als monatliches Taschengeld stellte der Rotary Club zur Verfügung.

Schulspanisch reichte nicht aus

Da Anouk schon seit drei Jahren an ihrer katholischen Schule, dem Bernhardinum in Fürstenwalde, am Spanisch-Unterricht teilnahm, entschied sie sich für ein Gastland, in dem sie praktische Erfahrungen in dieser Sprache sammeln konnte. Doch das lief, wie sie lächelnd berichtet, nicht gleich so gut wie gedacht. Zwar empfing sie eine örtliche Vertreterin des Rotary Clubs und die Gastfamilie schon auf dem Flughafen überaus herzlich - sogar mit einem Begrüßungsplakat - aber: "Trotzdem mir vorher klar war, das an meinem Aufenthaltsort alle spanisch sprechen würden, überraschte mich, wie wenig ich anfangs mit meinem Schulspanisch verstand. Ich musste viel nachfragen. Doch das änderte sich schnell, weil ich die fremde Sprache ja nicht nur in der Schule, sondern auch in den zwei Gastfamilien, die mich betreuten, für alle alltäglichen Absprachen brauchte."

Heimweh verspürte die Siebzehnjährige, wie sie berichtet, kaum. Zu viele neue Eindrücke stürmten auf sie ein. Die lange Anreise mit dem Flugzeug. Ein chaotisch anmutender Straßenverkehr. Das quirlige Leben in dem 3,5 Autostunden nördlich von Mexikos Hauptstadt liegendem Städtchen Cortazar. Ihre Gastfamilie und die neue Schule.

Anouk Schrape verdeutlicht: "Das Leben in Mexiko unterscheidet sich sehr von dem in Deutschland und da rede ich nicht nur vom Essen. Früchte wie Mangos und Avocados schmecken echt besser. Ich habe viele Tacos gegessen aber auch leckere Enchiladas, Tamalas und viele weitere mexikanische Gerichte." Die Menschen sind auch offener, kommunizieren eher direkt miteinander, fügt sie an. "Es gibt nicht so viele Wohlhabende, aber alle treffen sich gern, singen und tanzen mit unglaublicher Lebensfreude, lieben ihr Land und haben ein völlig anderes Zeitgefühl."

In der Schule hingegen, einem Privat-Gymnasium, lief schon alles etwas strenger ab als in Deutschland. Jungs und Mädchen tragen Schuluniformen und es gibt kein Umherziehen im Schulgebäude zu einzelnen Fachkabinetten. "Alle haben immer sehr darauf geachtet, dass ich nicht in gefährliche Situationen komme." Kontakt mit ihren Eltern hielt sie anfangs einmal in der Woche via Telefon und Internet. "Meine Gasteltern waren, wegen der angestrebten Integration da sehr streng". Als sie bei einer Rundreise durch das Land mit weiteren Austauschschülern auch Yucatan besuchte, ergab sich die Gelegenheit für ein Treffen mit Familienangehörigen aus Deutschland.

"Das Jahr in Mexiko hat meinen Blick für die Welt, andere Kulturen und Menschen sehr vertieft. Ich werde das Erlebte nie vergessen. Es ist gut viel zu sehen und zu entdecken, sich auszuprobieren und freundschaftliche Kontakte über die eigenen Ländergrenzen hinaus zu knüpfen", sagt Anouk Schrape.

Brasilianerin jetzt hier zu Gast

Zu ihren mitgebrachten Erinnerungsstücken an ihr Auslands-Schuljahr gehört unter anderem ein Tanzkleid. Zu Hause angekommen übernimmt sie gegenwärtig die Rolle einer Gastgeberschwester für Beatriz Braga Dezan. Die Schülerin aus Aragatuba bei Sao Paulo (Brasilien) absolviert zurzeit ein Schüleraustauschjahr in Deutschland und wohnt bei Familie Schrape. Ihr Motiv für das Jahr in der Fremde: "Ich möchte Deutsch lernen sowie Land, Leute und Kultur kennen lernen." Zu Hause musste sie übrigens schon ähnliche Fragen wie Anouk beantworten. "Warum gerade Deutschland?" und ... "Ist es dort nicht gefährlich?" In einem Hausgarten im Oderbruch tauschen die zwei auf so unterschiedlichen Kontinenten aufgewachsenen Schülerinnen jetzt oft mit viel Humor und stetig wachsendem gegenseitigen sprachlichem und übrigen Verstehen gerne ihre Erlebnisse aus.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG