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Porträt
Schwiegermutters Liebling: Benjamin Raschke gehört zur Doppelspitze der Grünen

Spreewälder: Benjamin Raschke tourt vor allem durch den ländlichen Raum.
Spreewälder: Benjamin Raschke tourt vor allem durch den ländlichen Raum. © Foto: dpa/Christoph Soeder
Ulrich Thiessen / 23.08.2019, 06:30 Uhr
Potsdam (MOZ) Es ist Markttag in Eichwalde. Ein paar Randberliner schauen an den Ständen vorbei. Fast versteckt hinter einem Fischhändler zeugt ein grüner Schirm vom Wahlkampf.

Eine Frau vom Kreisverband Dahme-Spreewald und ein Grüner aus Nordrhein-Westfalen, der extra zur Unterstützung nach Brandenburg kam, verteilen Flyer. Ein schlaksiger junger Mann, der gar nicht unter den Schirm passt,  hält sich zunächst abseits. Es ist Benjamin Raschke. Zusammen mit Ursula Nonnemacher stellt er die Doppelspitze der Partei zur Landtagswahl.

Während die ehemalige Ärztin aus Falkensee viel in den Medien präsent ist und kürzlich verkündete, sich das Amt der Ministerpräsidentin zuzutrauen, tourt Raschke vor allem durch den ländlichen Raum. Seit 2014 gehört er dem Landtag an und kümmerte sich dort vor allem um die Themen Massentierhaltung, biologische Landwirtschaft und die Zukunft der Dörfer.

Kein Wunder: Er wohnt mit seiner Familie in einem Dorf in Dahme-Spreewald. Geboren wurde er 1982 in Lübben. Er studierte in Konstanz und Warschau Politikwissenschaften, Philosophie und Rechtswissenschaften. Vor zehn Jahren arbeitete er in der Bundeszentrale für Verbraucherschutz. In dieser Zeit wurde er auch zusammen mit Annalen Baerbock zur gemeinsamen Doppelspitze des Landesverbandes gewählt. Ein Duo, bei dem Raschke der forschen Potsdamerin immer gern den Vortritt ließ.

Auch als er 2014 den Parteivorsitz abgab und in den Landtag einzog, wirkte der Lausitzer in seinen notorischen grauen oder schwarzen T-Shirts eher unscheinbar, im Gespräch mit der Presse übervorsichtig. Aufgefallen ist er jedoch durch seinen Fleiß. Kaum ein anderer Abgeordneter stellte so viele mündliche oder schriftliche Anfragen. Allerdings war das auch eine Art Notwehr. Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) gefiel sich in den vergangenen Jahren darin, Anfragen aus der Opposition wortreich und am Thema vorbei zu beantworten – was entsprechend viele Nachfragen produzierte.

Mit großen Gesten

Der Knoten platzte bei Raschke dann zu Beginn dieses Jahres, als er sich in der Urwahl um die Spitzenkandidatur gegen den aktuellen Parteichef Clemens Rostock klar durchsetzte. Seitdem ist der Spreewälder als leidenschaftlicher Wahlkämpfer zu erleben. Anfang August auf dem kleinen Parteitag der Grünen zur Einstimmung in die heiße Wahlkampfphase war der neue Benjamin Raschke zu erleben. Er schwor die Parteibasis mit großen Gesten, mit Anekdoten aus dem Wahlkampf und gut gesetzten Pointen auf die zu erwartenden positiven Ergebnisse bei den Landtagswahlen ein. Dafür wurde er gefeiert wie anschließend Ursula Nonnenmacher und Annalena Baerbock.

In Eichwalde sind die großen Auftritte nicht gefragt. Im Gespräch mit Journalisten aus dem Süden der Republik, die ihn als einen der kommenden Männer der brandenburgischen Politik ausgemacht haben, zeigt sich, dass Raschke die Stimmung im Lande sehr nachdenklich reflektiert. Er gehört nicht zu denen, die vorgeben, auf alles eine Antwort zu haben.

Und dann, als Raschke sich den Eichwaldern widmet, kommt noch Schwiegermutters Liebling zum Vorschein. Eine ältere Frau mit Fahrrad erklärt gleich, dass sie die Grünen nicht wählen will. Ihr geht es darum, den Frust loszuwerden, der in einer Eigenheimsiedlung entsteht, wenn noch mehr Lücken bebaut werden und sich dann der Kampf um die Parkplätze verschärft. Der grüne Wahlkämpfer hört der Frau lange geduldig zu, lenkt das Gespräch auf die öffentlichen Verkehrsmittel und erreicht dann, dass die aufgebrachte Dame die Volksinitiative zur Verkehrswende unterschreibt.

Später wird sich Raschke auf sein Fahrrad schwingen und mit den Öffentlichen den Weg zum Spreewald suchen. Selber Autofahren lehnt er auch im Wahlkampf ab.

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