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Sonntag, 10 Uhr, startet die sechste Auflage der Friedensfahrt. Als Highlight wird diesmal ein Insektenhotel eingeweiht.

Friedensfahrt
6. Fahrt rund um den Polder

Ulf Grieger / 23.08.2019, 07:00 Uhr
Sydowswiese (MOZ) Bereits zum 6. Mal laden die Gemeinden Letschin mit dem Ortsteil Sophienthal, Bleyen-Genschmar sowie die Märkische Oderzeitung am Sonntag zur Kleinen Gedenk- und Friedensfahrt ein. In Kooperation mit dem Gewässer- und Deichverband und der Arbeitsinitiative Letschin steht die Veranstaltung in diesem Jahr im Zeichen des 80. Jahrestages des Beginns des Zweiten Weltkrieges.

Andacht am Friedenskreuz

Treff für die Fahrt, die auf dem Alten Deich zunächst bis zum Garnischberg führt, ist um 10 Uhr der Rastplatz am Ortseingang von Sydowswiese. Am Friedenskreuz auf dem mit rund 17 Metern höchsten Berg im Oderbruch gibt es eine Gedenkveranstaltung. Bei der wird an den von Deutschland vom Zaun gebrochenen ideologischen Rassenkrieg zur Vernichtung des polnischen Volkes erinnert. Ein Krieg, bei dem auch die Wehrmacht in Zusammenarbeit mit der SS und den Polizeieinheiten mit der von Hitler befohlenen "brutalsten Härte" gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen ist und bei dem der Großteil der polnischen Kriegsgefangenen ermordet wurde. Das Ausmaß der am polnischen Volk und den jüdischen Menschen verübten Kriegsverbrechen ist heute einem Großteil der deutschen Bevölkerung nicht bewusst und bekannt. Pfarrer Daniel Dubek wird eine Andacht am Kreuz halten.

Ein zweites Anliegen der Fahrt widmet sich einem brennend aktuellen Thema. Es geht dabei um das Ringen gegen das Insektensterben. Die Letschiner Hortkinder haben deshalb die traditionellen Buttons, die jeder Teilnehmer neben der MOZ-Tasse bekommt, mit Bienen-Bildern geschmückt. Die Fahrt über den Alten und Neuen Deich führt rund um den mit extensiver Weidewirtschaft bewirtschafteten Sophienthaler Polder, der mit seiner einzigartigen Flora und Fauna entlang der Altgewässer der Oder geschützt ist. Um dies weiter zu unterstützen, hat die Gemeinde Letschin bei der Arbeitsinitiative ein großes Insektenhotel anfertigen lassen. Unter Anleitung von Rita Hoppe ist den Teilnehmern verschiedener Maßnahmen im ökologischen Hof der Arbeitsinitiative auch eine richtiges Schmuckstück gelungen. Es wird im Rahmen der Fahrt am Sonntag an der Badestelle Sydowswiese eingeweiht. Im Anschluss gibt es ein Beisammensein mit Imbiss am Rastplatz "Von-Haerlem-Blick" bei Sydowswiese.

Die Initiative für die Kleine Friedensfahrt war durch Erinnerungen von Zeitzeugen an den Bau des Neuen Deiches zwischen Nieschen und Sydowswiese ausgelöst worden. So hatte der heute 87-jährige Klaus Brauer berichtet, dass er als Kind während des Baus des Deiches neben den Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes auch Kriegsgefangene kennenlernte. Im Archiv des Bad Freienwalder Deichhauses befanden sich bis 1993 zahlreiche Dokumente zum Einsatz von Kriegsgefangenen im Oderbruch. Durch Unachtsamkeit ist ein Großteil dieses Materials allerdings verloren gegangen.

Martin Porath, Geschäftsführer des Deichverbandes, konnte einige Dokumente retten. So wurde u.a. bekannt, dass es in Nieschen neben dem Reichsarbeitsdienstlager auch ein Kriegsgefangenenlager gegeben hat, von dem aus im Juli 1944 zwölf französische Gefangene 27 Tage am Deich arbeiteten. Aus den Jahresberichten des Deichverbandes geht hervor, dass der Verband auch in Sophienthal ein 7,3 Hektar großes Grundstück (Philipp Götzinger) zur Unterbringung von Kriegsgefangenen, die zum Deichbau Kienitz-Kalenzig benötigt wurden, erworben hatte.

Tafeln erinnern an Deichbau

Ursprünglich sollte der Neue Deich 9,6 Kilometer lang werden und in der Kienitzer Fährstraße eine Scharte bekommen. Eingedeicht wurden schließlich nur die 2000 Morgen der damals noch Kalenziger Polder genannten Fläche zwischen Nieschen und Sydowswiese. Über diese Ereignisse klären nun dank der Zusammenarbeit mit der Arbeitsinitiative mehrere Info-Tafeln auf. Zur 6. Tour sind am Sonntag alle Interessierten herzlich eingeladen.

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