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Ludwig-Richter-Viertel: "Ich möchte dort nicht im Garten sitzen"

Im Viertel gilt Tempo 30: Die Verwaltung will Autofahrer nun mit neuen Schildern daran erinnern.
Im Viertel gilt Tempo 30: Die Verwaltung will Autofahrer nun mit neuen Schildern daran erinnern. © Foto: dpa/Paul Zinken
Marco Winkler / 23.08.2019, 09:57 Uhr - Aktualisiert 23.08.2019, 10:19
Birkenwerder (MOZ) Mit einem Protestschild ("Anliegerstraßen sind keine Durchgangsstraßen") setzten sich Reinhard Bischoff und 30 weitere Anwohner des Ludwig-Richter-Viertels in Birkenwerders Ortsentwicklungsausschuss. Bischoff sprach von einer "absurden Verkehrssituation" in seinem Viertel. Die Verwaltung sicherte Sofortmaßnahmen zu.

"Ich bitte ausdrücklich um Unterstützung", sagte Bischoff, der sich eine schnelle und nachhaltige Lösung wünscht. "Die Anwohner wollen endlich ihre Ruhe im Wohngebiet haben." Viele Autofahrer würden durchs Viertel fahren, um die Rathauskreuzung zu umgehen. Selbst über Google Maps werde die Abkürzung von der B 96 zur B 96neu und umgekehrt angezeigt. "Viele trauen sich nicht mehr auf die Straße", schilderte Bischoff den Durchgangs- und Schleichverkehr, der besonders zu Stoßzeiten drastisch sei. Er wies darauf hin, dass die Ludwig-Richter-Straße als angelegte Allee Naturdenkmal-geschützt sei. "Zusätzliche Verkehrsschilder wären eine kurzfristige Lösung, um das Chaos zu miniminieren."

Es gab einen Vor-Ort-Termin

In der Verwaltung ist das Problem erkannt worden. Vor 14 Tagen gab es einen Vor-Ort-Termin. "Jedoch sehen das nicht alle Anlieger so wie Sie, Herr Bischoff", schränkte Bauamtsleiter Jens Kruse ein. Allerdings: "Wir wurden von der Straßenverkehrsbehörde aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen." Diese sollten laut Kruse aber nicht zu kurz greifen. Er könne sich temporäre Verkehrseinengungen vorstellen. Wenn die Auswirkungen "der Provisorien" feststehen, "können wir baulich die Situation ändern". Von Sperrungen hält Henrik Barth, sachkundiger Einwohner für die CDU, nichts. "Das verlagert das Verkehrsproblem nur. Wir brauchen eher eine Beruhigung, keine baulichen Maßnahmen."

Jeanette Haßfeld aus dem Bauamt erklärte, dass neben Smiley-Warnblinkern noch zusätzliche Hinweisschilder aufgestellt werden sollen, die an die Tempo-30-Zone erinnern. "Wir sehen, dass sich das Verkehrsaufkommen erhöht hat", sagte sie. Jedoch gebe es keine Unfallschwerpunkte, und laut einer Zählung fahren maximal 75 Fahrzeuge durch die Straßen des Wohngebietes. Erlaubt wären 400. Reinhard Bischoff hat andere Zahlen im Kopf: Als er selbst privat zählte, hätten ihn in der Rush Hour mehr als 200 Fahrzeuge passiert.

"Wir sollten die Verkehrssituation ernst nehmen", mahnte Peter Ohme (Fraktion Birke). Er plädierte für eine erneute Prüfung einer Einbahnstraßen-Regelung für die Ludwig-Richter-Straße. Jeanette Heßfeld informierte, dass dies 2001 geschehen und abgelehnt worden sei. "Dazwischen sind 18 Jahre vergangen", so Ohme. "Wir müssen über ein Verkehrskonzept nachdenken."

Teils unerträglich laut

Eine erneute Verkehrszählung, die die Verwaltung als Argumentation für weitere Einschränkungen braucht, würde laut Heßfeld rund 6 000 Euro kosten. Der Ausschussvorsitzende Torsten Werner (Grüne/Briesetalverein) sprach von "Verwaltungsschimmel ohne Ende". Roger Pautz (CDU) setzte sich für die erneute Zählung ein. Er war bei dem Vor-Ort-Termin vor zwei Wochen. Sein Fazit: "Es war teils unertäglich laut. Ich möchte dort nicht im Garten sitzen."

Kommentar von Redakteur Marco Winkler

Lärm verursacht Stress, schränkt die Lebensqualität ein und kann krank machen. Bewohner des Ludwig-Richter-Viertels in Birkenwerder kennen das. Wohnen sie eigentlich in ruhigen Nebenstraßen, müssen sie manchmal das Gefühl haben, doch an eine Hauptverkehrsader gezogen zu sein.

Laut einiger Anwohner und der Behindertenbeauftragten trauen sich Senioren kaum noch über die Straße. Das Viertel liegt zwischen B96 und B96neu. Autofahrer nutzen das Kopfsteinpflaster der Tempo-30-Zone als Abkürzung, um die viel befahrene und mit Wartezeiten verbundene Rathauskreuzung zu umgehen.

Die Verwaltung will nun handeln. Ein richtiger Schritt, der mit einem ‚Aber’ verbunden ist. Denn die Birkenwerderaner sind auch selbst für ihre Lebensqualität und eine gute Nachbarschaft verantwortlich. Nicht nur Durchreisende brettern den Schleichweg entlang. Vor allem sind es Ortskundige, die schnell von A nach B wollen. Vielleicht sollten sie beim nächsten Mal fünf Minuten mehr für den Kreuzungsweg einplanen, um den Lärmgeplagten etwas Ruhe zu gönnen. Denn: Kein Mensch ist eine Insel, auch die Birkenwerderaner nicht.

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