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Hilfe
Freundschaft über Grenzen hinweg

Volkmar Ernst / 23.08.2019, 12:15 Uhr
Liebenwalde (MOZ) Das Dach ist drauf, die Innenwände sind verputzt und auch die Türen und Fenster sowie Innentüren inzwischen eingesetzt. Wenn auch noch nicht alles  fertig und perfekt ist, so kann Galina Prosolupowa doch schon wieder in ihren eigenen vier Wänden wohnen, und davon haben sich bei einem Besuch in ihrem Heimatdorf in der Ukraine im August Michael Lüttke aus Liebenwalde sowie Michael Grüber aus Teschendorf überzeugen können.

Der Dachstuhl des Einfamilienhauses von Galina Prosolupowa war in der Nacht zum 3. Januar abgebrannt. Davon hatte sie Michael Lüttke bei einem Anruf erzählt. "Sie war verzweifelt und hat nur geweint", erinnert sich Lüttke. Deshalb war für ihn klar: "Wir werden helfen."

Die Freundschaft der Familien reicht in die 1980er-Jahre zurück, als es noch die DDR und die Sowjetunion gab und sowjetische Truppen ein Übungsgelände bei Vogelsang nutzten. Dort war Victor Prosolupow stationiert, und die Familien freundeten sich an. Die Kontakte endeten auch nicht, als nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und dem Abzug der nun russischen  Truppen die Prosolupows in die Ukraine umzogen. Das war 1991 der Fall. Die Familien blieben in Kontakt, die Freundschaft hielt. Sie blieb auch bestehen, als Victor vor gut zwei Jahren starb. Insofern war für Familie Lüttke klar, dass sie ihrer Freundin Galina helfen würden. Einen Mitstreiter fand Lüttke unter anderem in dem Handwerker Dieter Hübner, der sich gemeinsam mit ihm Anfang April auf den Weg in die Ukraine machte, um beim Aufbau des Dachstuhls zu helfen. Obwohl Lüttke keinen Spendenaufruf gestartet hatte, unterstützten Freunde und Bekannte sei Engagement mit Zuwendungen. Dazu gehörte auch Michael Grüber aus Teschendorf, mit dem  Lüttke seit Jahren befreundet ist. Die Hilfsaktion mit einer Spende zu unterstützen, das war für ihn keine Frage.

Gut zehn Tage waren Lüttke und seine Mitstreiter damals vor Ort, um beim Wiederaufbau des neuen Dachstuhls anzupacken. "Das nenne ich Freundschaft", so Lüttke dazu. Nicht schlecht staunte Dieter Hübner im Mai, als zur Nachfeier der Hochzeit und der Geburtstagsfeier von seiner Frau Barbara plötzlich Galina Prosolupowa erschien. "Das war eine Überraschung", erzählt Lüttke und freut sich noch heute, dass er den Besuch von Galina in Liebenwalde tatsächlich geheim halten konnte. "Galina wollte sich für die Hilfe bedanken und zeigen, was inzwischen alles auf der Baustelle passiert ist."

Davon konnte sich nun auch Michael Grüber überzeugen, der im August das Angebot von Lüttke annahm, ihn bei einem Besuch in die Ukraine zu begleiten. "Micha kannte weder Galina persönlich noch die Ukraine. Da er als Landwirt gerade ein paar Tage Zeit hatte, weil er nicht unbedingt aufs Feld musste, nahm er das Angebot an", erzählt Lüttke.

Natürlich stand im Vordergrund die Begegnung mit Galina Prosolupowa und die Hilfe für die weitere Fertigstellung des Hauses. Denn bis zum Winter muss noch die Heizung eingebaut werden. Arbeiten, die durch eine abermalige Zuwendung Grübers jedoch viel leichter fallen, wie Lüttke berichtet. Als Gastgeberin vermittelte Galina weitere Kontakte zwischen Teschendorf und ihrem Heimatdorf und bot sich zudem als Reiseführerin und Dolmetscherin für die kleine Truppe bei Ausflügen in die nähere Umgebung an.

Wenn das Haus fertig ist, dann  will sie das auch den Helfern und Unterstützern in Liebenwalde und Teschendorf kundtun, versprach sie zudem.

Ukraine

Das Land liegt in Osteuropa und war früher Teil der Sowjetunion. Es grenzt heute an Russland, Weißrussland, Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien und Moldawien.

Hauptstadt und zugleich größte Metropole im Land ist Kiew mit fast drei Millionen Einwohnern. Weitere Ballungszentren sind Donezk und Odessa.

Die Kiewer Rus war der mittelalterliche Vorläufer der Ukraine. Das Gebiet der heutigen Ukraine wechselte oft zwischen verschiedenen Herrschaftsansprüchen. Seit der Auflösung der Sowjetunion 1991 ist die Ukraine ein unabhängiger Staat. Im Februar 2014 brach infolge der Euromaidan-Proteste ein bewaffneter Konflikt in Teilen der Ostukraine aus, der bis heute andauert. Die Krim und Teile der Ostukraine befinden sich seit 2014 nicht mehr unter Kontrolle der Zentralregierung.

Die Natur des Landes ist vielfältig. Es gibt ausgedehnte Waldflächen, Bergregionen und lange Küstenabschnitte. ⇥veb

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