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Beisetzung
Abschied von Dreifachmutter auf dem Eberswalder Waldfriedhof

Blick auf die Gäste der Trauerfeier für Mordopfer Katja C. auf dem Waldfriedhof in Eberswalde.
Blick auf die Gäste der Trauerfeier für Mordopfer Katja C. auf dem Waldfriedhof in Eberswalde. © Foto: Sven Klamann/MOZ
Sven Klamann / 23.08.2019, 14:04 Uhr - Aktualisiert 23.08.2019, 20:08
Eberswalde (MOZ) Die Sonne meint es gut an diesem Freitag. Schon am Vormittag klettern die Temperaturen auf fast 30 Grad. Auf dem Waldfriedhof von Eberswalde (Barnim) spenden nur die mittelgroßen Lebensbäume etwas Schatten.

Mehr als 100 Angehörige, Freunde und Nachbarn haben sich bei schweißtreibenden Temperaturen um ein Urnengrab im Kirschgarten versammelt. Sie müssen  Katja C. zu Grabe tragen. Die 30-jährige Mutter von drei Kindern war am 3. August in ihrer Wohnung im Leibnizviertel getötet worden. Noch immer weiß die Polizei nicht, wer der Täter ist.

Auf der fast einstündigen Trauerfeier werden Lieder vom Band abgespielt, die die junge Frau besonders gern mochte. Neben einem Kirschbaum ist ein großes Foto von ihr aufgestellt.

Die Trauerrednerin spricht von einem viel zu kurzen Leben. Der Vater des Opfers hatte seine Tochter leblos in der Plattenbauwohnung gefunden, nachdem er zuvor mehrfach telefonisch versucht hatte, sie zu erreichen. Ein Notarzt wurde alarmiert – der nur noch den Tod der jungen Frau feststellen konnte. An ihrem Hals soll es deutliche Würgemale gegeben haben.

Die Polizei hat eine Sonderkommission eingerichtet. "Wir ermitteln mit Hochdruck", versichert Polizeisprecher Ingo Heese am Tag der Beisetzung. Kriminaltechniker werten Spuren vom Tatort aus. Es werden Zeugen befragt. "Wer Hinweise zu dem Fall geben kann, soll sich bei der Polizei melden", appelliert Ingo Heese an die Bevölkerung.

Tat bleibt Stadtgespräch

Mittlerweile gibt es in den sozialen Netzwerken wilde Spekulationen über das Verbrechen. Auf Facebook behaupten unbeteiligte Menschen, dass der Täter womöglich in der Familie oder im Bekanntenkreis zu finden sei. Der Polizeisprecher  findet darauf eine klare Antwort: "Es gibt in dem Fall keine neuen Erkenntnisse." Das schwere Verbrechen bleibt weiter das Stadtgespräch in Eberswalde.

Die Verurteilungen und Behauptungen in den sozialen Medien  belasten die Familie sehr, sagt ein Sprecher des Weißen Rings. Der Verein bietet Opfern von Verbrechen seine Hilfe an – auch den Hinterbliebenen. Die Familie meidet inzwischen jeden Kontakt mit Medien, sagt der Polizeibeamte Jörg Matzke, der die Außenstelle des Weißen Rings im Barnim leitet, deren 14 ehrenamtliche Helfer jährlich etwa 50 Fälle betreuen.

Auf dem Friedhof in Eberswalde schütten die Trauergäste eine Handvoll Erde und Blütenblätter ins offene Urnengrab. Es fließen viele Tränen. Besonders tragisch ist der Fall, weil die junge Mutter drei Kinder hinterlässt. Sie sind erst zwei, fünf und elf Jahre alt.

Die Eltern sollen sich wenige Wochen vor der grausamen Tat getrennt haben. Vater Marcel ist zu einem Kumpel gezogen. Dort will er in der Nacht zum 3. August mit seinen Kindern übernachten. Den Ermittlern der Polizei soll er später erzählt haben, dass eines der Kinder nicht schlafen konnte. Er habe versucht, seine Frau übers Handy zu erreichen, um sie um Rat zu fragen, aber sie habe sich nicht mehr gemeldet.

Noch ist das Grab namenlos

Katja C. hat am Freitag ihre letzte Ruhe unter einem Kirschbaum auf dem Waldfriedhof gefunden. Dort wird bald auch ihr Name auf einer der vier Granitstelen zu lesen sein.

Kontakt zum Weißen Ring per Mail an: lbrandenburg@weisser-ring.de

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