Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Naturschutz
Modellflieger dürfen ihren Flugplatz nicht nutzen

Volkmar Ernst / 23.08.2019, 17:27 Uhr
Hammer (MOZ) Die Mitglieder des Modellfliegerclubs Neuholland dürfen ihren Flugplatz "janz weit draußen" in Hammer nicht nutzen. Die Hobbypiloten wissen nicht mehr weiter.

Während der BER noch immer nicht fertig ist, können auf dem neuen Flugplatz in Hammer die Maschinen schon starten und laden. Zugegeben, der Vergleich hinkt. Denn beim Flugplatz in Hammer handelt es sich nur um ein kleines Rasengelände, das der Modellclub Neuholland nutzen will. Er hat extra nach einem Gelände jwd – also janz weit draußen – Ausschau gehalten, um niemanden zu stören. Der Platz befindet sich auf einer sonst von der Agrar GmbH Liebenwalde genutzten Wiesenfläche, rund 1,8 Kilometer entfernt von der Bundesstraße 167 und noch weiter von den ersten Wohnhäusern von Hammer. Insofern kann ausgeschlossen werden, dass Anwohner durch den Fluglärm gestört werden können. Doch auch der hält sich in Grenzen, weil die Modellmaschinen, die maximal eine Größe von bis zu 25 Kilogramm haben, nicht viel lauter als ein Motorrad sind. Genau um diese Modelle geht es. Denn augenblicklich beschränkt sich der Flugbetrieb auf nicht zulassungspflichtige Modell bis zu einem Gewicht von fünf Kilogramm.

Start- und Landebahn

Der Verein braucht für die kleinen Maschinen eine gut 100 Meter lange und 40 Meter breit gemähte Fläche als Start- und Landebahn. Die sollte regelmäßig gestutzt werden, damit die Räder der Modelflugzeuge dort auch rollen können. Sind die Flugzeugmodelle erst einmal in der Luft, wird in einem Halbkreis von rund 500 Metern geflogen.

Die Mitarbeiter im Landesamt für Umwelt haben den Mitgliedern des Vereins nun sowohl eine Mahd als auch das Betreten der Fläche in der Zeit von April bis Juli untersagt. Der Grund: Es könnte dort Bodenbrüter geben, die durch den Flugbetrieb gestört würden. Doch ob es dort solche Vögel tatsächlich gibt, das konnte das Landesamt nicht sagen. Verwiesen wurde stattdessen darauf, dass im Worst Case (Ein Anglizismus, der für den schlechtesten oder den ungünstigsten anzunehmenden Fall steht. Anmerkung der Redaktion) das Amt eben davon ausgehen müsste. Das Paradoxe daran ist für die Hobbypiloten, dass es sich nicht einmal um eine Brachfläche handelt, sondern um eine von der Agrar GmbH bewirtschafte Fläche, die mehrmals im Jahr gemäht wird, um Heu zu ernten.

Die Konsequenz des Verbotes wäre für die Modellbauer und -flieger, dass die Hobbypiloten auf andere Flugplätze ausweichen müssten, was aber gar nicht so einfach ist, oder sie verzichten auf ihr Hobby. Eine dritte Möglichkeit wäre, die größeren Maschinen illegal abheben zu lassen. "Aber eben das wollen wir nicht", so die klare Ansage von Vereinschef Mathias Fischer. Schon die zeitliche Einschränkung von einer Stunde nach Sonnenaufgang bis eine Stunde vor Sonnenuntergang nachzuvollziehen, fällt den Vereinsmitgliedern schwer. "Viele von uns arbeiten und fahren zum Feierabend auf den Platz. Da bleibt nicht mehr viel Zeit fürs Hobby", fasst Fischer die Meinung seiner Mitstreiter zusammen. Natürlich kämen einige Mitglieder aus Neuholland und Hammer, doch andere eben aus Bredereiche, Zehdenick, Oranienburg und sogar Berlin. Deren Anfahrtsweg sei erheblich weiter, weshalb ihnen am Abend dann nicht mehr viel Zeit bleibe, um die Fluggeräte in die Luft zu bringen. "Aber damit können wir uns noch arrangieren", so Fischer. Vollkommen unverständlich ist ihnen jedoch das Mäh- inklusive Betretungsverbot der Fläche, die die Hobbypiloten als Start- und Landebahn nutzen wollen. Eben das wollten die Mitglieder des Modellflugclubs Neuholland den Gästen während des Vor-Ort-Termins diese Woche  zeigen. Vertreter der Agrar GmbH als Verpächter waren gekommen, ebenso Liebenwaldes Bürgermeister Jörn Lehmann (parteilos) sowie die CDU-Politiker Uwe Feiler (MdB) und Nicole Walter-Mundt, die für den Brandenburger Landtag kandidiert. Das Landesamt für Umwelt hatte abgesagt und als Alternative einen Besuch im September vorgeschlagen. Auch eine Stellungnahme zum Thema wurde auf Nachfrage unserer Zeitung mit Hinweis auf die "augenblicklich angespannte Arbeitssituation im Amt erst für später" in Aussicht gestellt.

So weit, so schlecht. Das allgemeine Fazit der Clubmitglieder inklusive der Gäste: "Dann bleibt uns nur die Möglichkeit, mit Anfragen und Anschreiben öffentlichen Druck aufzubauen." Das wollen alle machen, sowohl der Verein (schon zum wiederholten Mal) als auch Bürgermeister Jörn Lehmann. Selbst Feiler will als Bundestagsabgeordneter, der dafür gar nicht zuständig ist, ein Schreiben verfassen. Nicole Walter-Mundt sagte als Kreistagsabgeordnete zu, eine Anfrage über ihre Fraktion zu starten. Alle hoffen, dass bei einem Vor-Ort-Termin schnell und unbürokratisch eine gute Lösung gefunden werden kann.

Große Maschinen in Kleinformat

Modellbauer sind Bau- und Technikfans, die Häuser, Maschinen, Autos, Schiffe oder Flugzeuge als Modelle in einem bestimmten Maßstab nachbauen. Dabei wird vor allem darauf Wert gelegt, dass die Miniaturausgaben dem Original möglichst nahekommen. Dazu gehört auch, Autos fahren oder Flugzeuge fliegen.⇥veb

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG