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Dohlen-Drama
Strommast ohne Rücksicht auf brütende Vögel entfernt

Burkhard Keeve / 23.08.2019, 19:22 Uhr - Aktualisiert 23.08.2019, 19:35
Grüneberg (MOZ) Anfang Juli spielte sich für viele unsichtbar ein Dohlen-Drama in Grüneberg ab. Bis dahin hatte ein Dohlenpaar, sie leben übrigens in Dauerehe zusammen, in der hohlen Spitze eines alten Strommastes ihre Brut großgezogen. Die umfangreiche Futter-Arbeit für ihre Jungen wurde von den Häusern Stege/Ecke Dorfanger gerne beobachtet und bestaunt.

Doch am 1. Juli wurden ohne Vorwarnung für Mensch und Vögel alte Stromleitungen abgetrennt und der Betonmast mit dem Dohlennest sauber mit der Motorsäge gekappt. "Als ich das sah, war es schon zu spät", sagte Wendy Bartsch-Brüning vom Grüneberger Pferdehof. Sie hatte zusammen mit ihrem Mann Johann und dem sechsjährigen Sohn Franz besonders gern die intelligenten Dohlen beobachtet.

Dann lagen am Boden an der Straßenecke nur noch die Reste vom Nest und zwei tote Vögel. "Ich bin dann raus, und habe die Arbeiten gestoppt", sagt Wendy Bartsch-Brüning. Sie telefonierte herum, unter anderem mit dem Nabu Gransee und dem Auftraggeber der Abriss-Arbeiten – die Edis-Netz GmbH in Fürstenwalde/Spree. Der Stromanbieter zog sein Subunternehmen sofort aus Grüneberg zurück. Seitdem ruhen die Arbeiten. Der Subunternehmer hatte die Brutzeiten nicht beachtet. Vor Oktober hätten sie nicht anfangen dürfen, die Masten zu kappen.

Allerdings sorgte die Edis für Schadensbegrenzung. Umgehend sagte Michael Kuhn von der Edis Ersatz für das Dohlennest zu und bot an, frisch gezimmerte Dohlenkästen an verschiedenen Standorten anzubringen. Mit Johann Brüning vereinbarte er, vor dessen Grundstück den alten Strommast aus Beton, der noch nicht der Flex zum Opfer gefallen war, stehen zu lassen, um dort zwei Vogelkästen zu installieren. Vor dem Nachbargrundstück am Dorfanger war allerdings mehr zu tun.

Weil der alte Mast verschwunden war, musste eigens ein neuer aufgestellt werden. Vor einigen Tagen rückte die Edis-Vertragsfirma (Rainer Thomas aus Groß Dölln) mit drei Mann und schwerem Gerät an.

Auf einem Hänger lag ein zehn Meter hoher Mast aus Holz. Mit einem reichlich großen Bohrer wurde ein zwei Meter tiefes Loch ins Erdreich gedreht, dann der Mast vorsichtig eingeschwenkt und versenkt. Mit einem Bleilot vor der Nase dirigierte Jürgen Schläfke seine Mitarbeiter Fred Nacke am Kran und Andreas Milster genau, bis der Mast gerade in den Himmel ragte. Schläfke brachte auch dort zwei neue Dohlenkästen an. Alles wurde genau von Michael Kuhn beobachtet. "Jetzt müssen nur noch die Dohlen wieder kommen", sagte Kuhn. Auch die Grüneberger Vogelfreunde hoffen, dass das vertriebene Elternpaar die neuen Brutmöglichkeiten annimmt.

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