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Das Kanaltheater hat sein Publikum am Donnerstagabend außer Atem gebracht. "Mandy kehrt zurück" setzt die "Kläsh of Kläns"-Saga fulminant fort.

Theaterpremiere
Weil Johnny sich zu Tode lebte

Sven Klamann / 23.08.2019, 19:34 Uhr
Eberswalde (MOZ) Wieder gibt es in der Theaterzentrale an der Fritz-Weineck-Straße 10 so gut wie keine freien Plätze mehr. Die nicht ganz 100 Besucherinnen und Besucher müssen für ein paar Nachzügler mehrfach dichter zusammenrücken und haben bald nur noch so viel Platz wie Ölsardinen in der Büchse. Doch das stört niemanden. Das Publikum ist bunt gemischt: Ältere Finower sitzen ebenso in den Reihen wie jüngere Kanaltheater-Freunde, die bereits so manche Produktion des Ensembles gesehen und gefeiert haben. Alle schauen gebannt auf die Bühne. Und brauchen wie bei den Serienerfolgen der Vergangenheit, erinnert sei an "Denver Clan" und "Dallas", oder den aktuellen Streamingangeboten ihre vollste Konzentration, um nichts vom Geschehen zu verpassen. Gar nicht so selten wird die schräge Handlung der zweiten Folge von "Kläsh of Kläns", vielleicht am besten übersetzbar mit "Kampf der Großfamilien", in parallelen Strängen gleichzeitig vorangetrieben. Gut, dass sich das Spiel auf zwei riesigen Leinwände verfolgen lässt.

"Wir erzählen die Geschichte auf wenigstens zwei Ebenen weiter", verrät die Kanaltheater-Dramaturgin Katja Kettner, die den Text verfasst hat. Zum Ersten werden die Ereignisse aus dem ersten Teil "Asche im Haus" fortgesetzt, der in zwei Vorstellungen im Juni dargeboten worden war. Zum Zweiten aber wirkt alles so, als gehöre es zu Dreharbeiten fürs Fernsehen oder fürs Kino. Da kann es passieren, dass Lina, mitreißend verkörpert von Susanna Schmidt, erst theatralisch heulend im Weltschmerz versinkt, um dann lächelnd "Puh, war das schwer!" auszurufen. Was wiederum Cathrin Clift, brillant in ihrer Doppelrolle als Regisseurin und als Mandy, der Hauptfigur des zweiten Saga-Teils, mit der Bemerkung "So geht Soap!" kommentiert. Das Publikum kommt kaum zur Ruhe: Schenkelklopfer wechseln sich mit tragischen Momenten ab – und eine noch größere  Bedeutung als bei "Asche im Haus" gebührt der Musik, die das Stück von Pop bis Punk fast zum Musical macht.

Geheimnis einer Familie

Die Geschichte ist ebenso verzwickt wie schnell erzählt: Mandy, die im ersten Teil noch schmerzhaft vermisst worden war, ist aus der großen weiten Welt  in den fiktiven kleinen Ort zurückgekehrt, den sie einst überstürzt verlassen hatte. Der Anlass ist traurig: Johnny, die Szenegröße der Gegend, hat sich zu Tode gelebt. Seine Beisetzung führt Mandy mit ihrer Schwester Meira alias Nele Hamann und ihrer Freundin Coar alias Anna Siegenthaler zusammen. Und bringt den Friseur Paul, fesselnd gegeben von Dirk Beier, als Bruder von Mandy und Meira, dazu, ausgerechnet auf Linas Geburtstagsfeier im Suff das größte Familiengeheimnis auszuplaudern: Nicht Meira, sondern Mandy ist Linas Mutter. Und ihr Vater soll ausgerechnet Johnny gewesen sein, den sie als  Drogendealer und Halbweltler verachtet hat. Wo bleiben die Taschentücher?

Große Pläne für kleines Kaff

Zugleich geht es um Mandys Pläne, das verschlafene Kaff mit einer Geschäftsidee aufzumischen, die nachhaltiger kaum sein könnte: Sie will so etwas wie eine Wohnwagen-Kolonie gründen, durch die Heimat mobil wird.

Wer jetzt neugierig geworden ist: "Mandy kehrt zurück" wird am 31. August ab 20 Uhr ein weiteres Mal aufgeführt. Und am 13. und 14. Dezember findet die "Kläsh of Kläns"-Saga jeweils ab 20 Uhr ihren spannenden Abschluss. Ob "Schluss mit lustig", der Titel der dritten Folge, ernst gemeint ist? Das Publikum war nach der letzten Szene von "Mandy kehrt zurück" so begeistert, das es seine Plätze nur ungern verließ und der Beifall nicht enden wollte.

Tickets per Mail an info@kanaltheater.de, per Tel. unter 0157 77801538 oder in der Tourist-Information, Steinstraße 3

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