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Trockenheit und Wölfe erschweren Schäfern wie Maik Östreich das Leben.

Schäfer
Schäferei nicht rentabel

Schäfer Maik Östreich auf Weiden in Görzig mit Lily, einem Pyrenäen-Berghund. Die Rasse gehört zu den Herdenschutzhunden, die die Schafe auch gegen Wölfe verteidigen sollen.
Schäfer Maik Östreich auf Weiden in Görzig mit Lily, einem Pyrenäen-Berghund. Die Rasse gehört zu den Herdenschutzhunden, die die Schafe auch gegen Wölfe verteidigen sollen. © Foto: Jörn Tornow
Monika Rassek / 24.08.2019, 07:00 Uhr
Görzig (MOZ) jUnbarmherzig brennt die Sonne, auf der riesigen Wiese findet sich kaum noch ein grüner Halm. Im Schatten einiger Bäume liegt eine Gruppe Schafe. Insgesamt weiden dort 250 Schafe – eine Kreuzung aus englischen Suffolks, mit den charakteristischen, schwarzen Köpfen und den feinwolligen Merinos –, die der 41-Jährige Maik Östreich sein Eigen nennt. Übernommen hat er den Betrieb in Görzig 2007 von seinem Vater.

Leben kann er allein von den Schafen nicht. "Ein Schäfer braucht wenigstens 500 Tiere, um über die Runden zu kommen", sagt Östreich der Landwirt und Fliesenleger ist. Die letzten zwei Jahre haben nicht dazu beigetragen, das Leben der Schäfer zu erleichtern. Die langanhaltende Trockenheit fordert Tribut: "Das Gras hat, wie man sieht kaum Feuchtigkeit und nur noch wenig Nährstoffe. Das bedeutet, dass die Schäfer zufüttern müssen.

Wiesen zu trocken

Der Regen in diesem Jahr hat nicht gereicht, um die Weidebedingungen zu verbessern. "Es gibt sogenannte Dürrehilfen. Schäfer können Fördergelder bekommen, wenn sie Futter wie beispielsweise Kraftpellets für Mutterschafe in der Lammzeit zusätzlich kaufen. Allerdings erfordert das eine exakte Dokumentation", erklärt Östreich. Und: "Der Papierkram ist vielen zu aufwendig."

Maik Östreich musste zwar bislang kein zusätzliches Futter kaufen, dennoch kam es in den letzten zwei Jahren zu finanziellen Einbußen. "Als Landwirt verkaufe ich Heu und Grassilage. Doch die Erträge sind wegen der Trockenheit rückläufig. Und die Schafe haben Hunger, brauchen also auch Heu und Grassilage. Somit schrumpfen der Erlös", so der Landwirt.

Je näher der Schäfer den Schafen kommt, desto nervöser werden sie. Als er eine, für Außenstehende unsichtbare Grenze überschreitet, rappeln sich die Tiere auf und ergreifen die Flucht. Erst jetzt fällt auf, dass inmitten der Gruppe Schafe ein  Hund lag, der jetzt "freudestrahlend" auf sein Herrchen zuläuft. Dieser Hund ist nicht irgendein Hund und auch kein Hütehund, sondern ein Herdenschutzhund namens Lily.

Die Hündin hat cremefarbenes, langes Fell, ist groß und kräftig. Der erste Eindruck vermittelt das Bild eines übergroßen Kuscheltiers, welches nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf noch etwas müde ist. Doch das täuscht. Der vermeintlich schläfrige Hund kann sich in Sekundenschnelle zu einem imposanten, reaktionsschnellen Schutzhund verwandeln.

Schutzhunde sichern Herden

Lily ist ein Pyrenäen-Berghund, gezüchtet für den Schutz und die Verteidigung der Herde gegen Tier und Mensch. Der 41-Jährige hält zwei dieser Hunde. Denn, er gehört zu denen, die durch Attacken von Wölfen schon Schafe verloren haben. Jetzt weiden seine Schafe auf einer 75 Hektar großen, eingezäunten Fläche. "Vor etwa drei Jahren gab es bei meiner Herde immer wieder Übergriffe durch Wölfe. Insgesamt habe ich etwa 60 Tiere verloren", berichtet Maik Östreich. "Trotz Schutzzaun und Hunde."

Seit zwei Jahren hat er Ruhe: "Wahrscheinlich gibt es genug leichtere Beute." Aber er erinnert sich noch gut an den Ärger und kennt zudem die Probleme, die andere Schäfer mit Wölfen noch immer haben. Und diese decken sich mit denen die erst am Mittwoch beim Wahlforum der MOZ-Beeskow auf der Burg angesprochen wurden.

Echte Lösungen gefordert

Östreich erhielt keine Entschädigung für die 60 Tiere. Der Verlust etwa 12000 Euro, wenn je Mutterschaft 200 Euro angesetzt werden. "Ich hatte und habe einen geförderten Schutzzaun, der auch abgenommen wurde. Als die Schafe gerissen wurden, hieß es dann, der ist nicht korrekt", teilt der Landwirt mit. Inzwischen sei bekannt, das Zäune nicht ausreichen: "Die Wölfe buddeln sich einfach durch."

Auch Schutzhunde stellen keine Ideallösung dar: "Die Anschaffung kostet 3000 bis 5000 Euro je Tier." Kosten für Futter, Tierarzt, Versicherung und Zubehör werden mit etwa 1000 Euro jährlich beziffert. Um eine finanzielle Förderung für die Anschaffung zu erhalten, muss der Hund zudem zertifiziert sein und: "Ein Hund reicht nicht aus. Da Schafe sich beim Weiden großflächig verteilen, verliert der Hund bei einer großen Herde den Überblick." Über je 100 Schafe sollte ein Hund wachen.

"Für ein Kilogramm Lammfleisch gibt es 2,50 Euro. Macht je Lamm 110 bis 130 Euro, Brutto. Der Wollpreis liegt bei 0,35 Euro je Kilogramm. Dazu Ausgaben für Wurmkur, Klauenschneiden und Scheren, je Schaf 1,80 bis zwei Euro. Hunde, Zäune. Da  bleibt nicht viel übrig", rechnet Maik Östreich vor. Für den Wolf fordert er realisierbare Lösungen.

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