Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Naturwacht
Burggeister, Baumriesen und Krötenbeine

Eva Loth / 24.08.2019, 08:00 Uhr
Görzke Wussten Sie, dass die Zähne einer Maus fast so hart sind, wie ein Diamant? Auf der Mohsschen Scala erreicht der Diamant eine Härte von 10, der Mäusezahn immerhin eine Härte von 9,6. Dieses und viele andere interessante Dinge erführen die Gäste während der 15. Tour "Schlossgeister, Baumriesen und Krötenbeine" der Naturwacht Hoher Fläming.

Nur der Begriff Schlossgeister wurde in Burggeister geändert. Die Tour war einst für den Wiesenburger Park geplant, fand aber inzwischen auch in Bad Belzig, Ziesar, Dahlen und Cammer statt. Und kürzlich im Handwerkerort Görzke. Zu Beginn erfuhren alle Anwesenden Wissenswertes über den Ort selbst und die Aufgaben der Naturwacht. Das Klischee, die Mitarbeiter würden den ganzen Tag den Vögeln hinterher pfeifen, ist klar und deutlich falsch, so Kathrin Mielsch von der Naturwacht lächelnd. Im Frühjahr hat sicher jeder schon einmal die Krötenzäune an den viel befahrenen Straßen gesehen. Mit dieser Aktion konnten bis zu 35.000 Amphibien vor dem Tod durch Überfahren gerettet werden. In Görzke ist man derzeit dabei, die Wiesen am Burgwall wieder in Ordnung zu bringen. Die Naturwacht lädt zu Führungen und kümmert sich um die Wanderwege. Bei Gebietskontrollen werden die Mitarbeiter immer wieder mit einem besonders ärgerlichen Problem konfrontiert – dem Müll.

Kathrin Mielsch ist in Görzke aufgewachsen und konnte viel zur Geschichte des Ortes erzählen. Im Jahre 1161 wurde der Ort erstmals als Burgwardium Gorceke erwähnt. Der Burgwall, den die Gäste am Abend abliefen, umschloss den Ort. Görzke besaß sogar einmal das Stadtrecht. Nach dem zweiten Weltkrieg gehörte es noch zu Sachsen Anhalt. Erst mit der Kreisgebietsreform im Jahre 1952 wurde es Brandenburg zugeordnet. Auch der Burgwall ist inzwischen abgerissen. Aber nicht wegen Baufälligkeit, sondern auf Grund eines tragischen Ereignisses. Ein Kind wurde von einem herunterfallenden Stein erschlagen.

Ein Handwerkerort war Görzke schon immer, davon zeugen die vielen Schornsteine. Heute ist Görzke vor allem durch die zahlreichen Töpfereien bekannt, früher gab es im Ort eine Stärke- und eine Puppenfabrik. In letzterer wurde, oft von Frauen in Heimarbeit, auch die Puppe des Sandmännchens hergestellt und angezogen. 60 Sandmännchen musste eine Heimarbeiterin am Tag schaffen.

Nach der geschichtlichen Einführung ging es hinaus auf den Burgwall. Erste Station war die Kirche. Noch heute ist zu erkennen, dass der Eingang zur Kirche früher über dem heutigen Portal lag und über eine Treppe zu erreichen war. So fanden die Bewohner bei Angriffen in der Kirche Schutz, denn die Treppe wurde einfach entfernt und nach dem Angriff wieder neu errichtet. In der Kirche erfuhren die Gäste Wissenswertes über Nager, vor allem Mäuse und Ratten. Aber auch ein paar Fledermäuse, die ja in der Kirche heimisch sind, fanden den Vortrag wohl interessant und schwirrten über den Köpfen.

Die Naturwacht hatte mit Hilfe der Juniorranger verschiedene Stationen aufgebaut. So konnten auch die jungen Naturwächter ihr Wissen unter Beweis stellen. An der zweiten Station ging es thematisch um Frösche und Amphibien. Inzwischen war es so dunkel geworden, dass Taschenlampen benötigt wurden, um nicht zu stolpern. Auf dem weiteren Weg wartete etwas ganz Besonderes auf die Gäste – ein kleines Theaterstück. An dieser Station ging es um Eulen und Uhus. Mit diesen Tieren verbindet man oft Aberglauben. So auch in der von den Juniorrangern dargestellten Geschichte. In dieser kam ein Uhu ums Leben, weil ein Bauer ihn für ein Ungeheuer hielt und, um das Tier zu vernichten, seine eigene Scheune in Brand steckte. Das Besondere war jedoch, dass alle die Laute der Tiere über einen digitalen Stift hören konnten. Außerdem hatten die Juniorranger innerhalb eines Camps Präparate der Vögel gebastelt, die sie nun zeigen konnten.

Höhepunkt des spannenden und informativen Abends war wohl für alle Teilnehmenden der Besuch im Freibad. Allerdings nicht um sich ins kühle Nass zu stürzen. Dort hatten die Naturwächter Netze gespannt, um Fledermäuse zu fangen. Das natürlich mit Genehmigung der Naturschutzbehörde. Und tatsächlich waren ihnen bereits bei der Ankunft der Besucherschar zwei Tierchen ins Netz gegangen. So konnten alle Anwesenden am leibhaftigen Bild den Erklärungen lauschen. Nur der kleinen Zwergfledermaus gefiel die Begutachtung so gar nicht. Das kleine, nur fünf Gramm schwere, Tierchen schimpfte vor sich hin und zeigte seine kleinen Zähnchen. Die Kinder hatten weit weniger Berührungsängste als die Erwachsenen. Kuschelig wie ein Teddy fanden sie das Fell des Tierchens. Das wurde, nachdem alle Daten aufgeschrieben waren, natürlich wieder in die Freiheit entlassen.

Die zahlreichen Teilnehmer der abendlichen Wandertour der Naturwacht Hoher Fläming mit Unterstützung der Juniorranger - sowohl die Kinder, als auch die Erwachsenen - waren allesamt begeistert.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG