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Am Sonnabend ist mal wieder ein kurioser Feiertag. Es geht um merkwürdige Töne, mit denen neue akustische Terrains erschlossen werden sollen. Wir haben uns dazu umgehört.

Der Klassiker
Seltsam? Musik! - Teil 1: "Harmonisch muss es sein"

Findet, dass manche Klassik seltsam klingt: Cellist Hans-Joachim Scheitzbach (79)
Findet, dass manche Klassik seltsam klingt: Cellist Hans-Joachim Scheitzbach (79) © Foto: Jana Reimann-Grohs
Jana Reimann-Grohs / 24.08.2019, 12:00 Uhr - Aktualisiert 24.08.2019, 12:36
Woltersdorf (MOZ)

Für mich ist es mit Schubert seltsam: Der kann so herrlich jubeln und mit seiner Musik Freude ausstrahlen, auf der anderen Seite ist er so melancholisch. Da kommt beides zusammen.

Welche Definition haben Sie für seltsame Musik?

Da können Sie doch alles reinpacken. Zum Beispiel ist die 12-Ton-Reihe des Expressionisten Arnold Schönberg  seltsam: Zwölf Töne müssen erst verbraucht werden und dann kann er die nächsten verwenden. Bizarre Töne und Klänge habe ich auch bei Richard Wagner oder im "Rosenkavalier" von Richard Strauß. Auch Klassik kann seltsam klingen.

Durch welche Instrumente?

Alle. Es kommt darauf an, wie ich sie einsetze. Vielleicht die Tuba zusammen mit der Piccolo-Flöte: ganz tief und ganz hoch. Wenn sich noch Streicher reinmischen kann es sehr bizarr klingen. In der Kammermusik gibt es das weniger. Je mehr Spieler ich habe, desto interessanter kann ich den Klang gestalten. Die Oper "Lohengrin" von Wagner fängt geheimnisvoll oder zerbrechlich an und steigert sich langsam. Da sitzen hundert Musiker im Orchestergraben und dann kommt ein Beckenschlag auf den Höhepunkt, wo sich die Emotionen entladen.

Womit kann ich experimentieren, dass es andersartig wird?

Da sind wir bei Schönberg: Schon vor 100 Jahren fing er an, zwölf Töne aneinanderzureihen. Da entsteht Disharmonie. Für den, der sich für Fremdartigkeit interessiert, kann das eine inspirierende Spannung erzeugen. Meine Welt ist es nicht. Aber ich bin da konservativ und eher der Romantik und dem Impressionismus zugewandt. Wenn Sie jemanden mit Ihren Mitteln erreichen, und sich ins Herz spielen können, ist es ja positiv. Eine E-Gitarre mit dem Cello zu kombinieren, kann eine hübsche Klangfarbe ergeben.

Welche Musik hören Sie privat?

Alles Klassische von Barock bis Gegenwart, aber harmonisch muss es sein. Ich höre mir mal Schlager an und informiere mich, aber ich bin absoluter Klassik-Fan. Alles andere erreicht mich nicht. Musik muss ins Herz gehen, sonst brauche ich sie ja nicht anzuhören. Jeder kann sich aussuchen, was er mag.

Experimentieren Sie mit dem Cello?

Ich habe in jungen Jahren viel moderne Musik gespielt. Auch vom polnischen Komponisten  Krzysztof Penderecki. Er hat 1973 den weichen, melodischen Klang des Cellos umgedreht und eine Komposition gegen das Instrument geschrieben. Das war wie alles Neue erst mal seltsam. Es hat sich nicht durchgesetzt. Ich fand es einen sportlichen Anreiz, aber auf die Dauer hat es mich nicht erfüllt.

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