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Mehr als 130 historische Landmaschinen, Autos und Motorräder haben sich am Bralitzer Dornbuschsee ein Stelldichein gegeben.

Oldtimer
Bralitz: Schrauber fasziniert von Ost-Technik

Fährt seit dem vierten Lebensjahr Traktor: Robert Kaminski aus Hohensaaten hat sich einen Belarus von 1989 aufgebaut und ihm mit Fronthydraulik und Frontzapfwelle aufgerüstet, um ein Mähwerk anzuhängen.
Fährt seit dem vierten Lebensjahr Traktor: Robert Kaminski aus Hohensaaten hat sich einen Belarus von 1989 aufgebaut und ihm mit Fronthydraulik und Frontzapfwelle aufgerüstet, um ein Mähwerk anzuhängen. © Foto: Steffen Göttmann
Steffen Göttmann / 04.09.2019, 06:45 Uhr
Bralitz (MOZ) Siegfried Kunze aus Schiffmühle versucht, seine 350-er Java von 1956 anzuwerfen. Doch die will in diesem Moment nicht. Der Motor streikt. "Die habe ich von meinem Bruder und habe sie selbst restauriert", sagt er stolz. Sie stand 30 Jahre vergessen in einem Schuppen. "Ich habe alles selber gemacht, nur das Lackieren nicht", sagt Siegfried Kunze. In kräftigem Rot mit einem goldenen Streifen erstrahlt die Maschine, die obendrein noch einen Beiwagen hat. Darin sitzt Hund Falko. "Heute habe ich keinen anderen Beifahrer gefunden", lacht Kunze. 32 Einzelteile habe er in eine Werkstatt  nach Polen gebracht. "Der Lackierer schlug die Hände über dem Kopf zusammen, aber er hat es gemacht."

Für jeden Oldtimer eine Urkunde

Joachim Hampel, der von Seiten des Bralitzer Heimatvereins das nunmehr achte Oldtimertreffen am Dornbuschsee organisiert hast, zählte um die Mittagszeit 130 betagte Fahrzeuge, die gleichzeitig auf der Festwiese parkten. Hampel selber interessiert sich für alte Traktoren.

"Jeder Fahrer mit Oldtimer bekommt eine Urkunde und ein Foto", sagte Hampel. Marko Jäger vom Verein hatte jede Menge zu tun. Die Fans der altem Traktoren kamen aus der Umgebung, aber auch von weiter her. Quasi  nebenan aus Hohensaaten steuerte Robert Kaminski mit seinem Belarus, Baujahr 1989, den Dornbuschsee an. "Ich habe ihn von einem Privatmann aus Rathenow gekauft und selber aufgebaut", berichtete der Hohensaatener, der seit früher Kindheit von Traktoren schwärmt und seit dem vierten Lebensjahr Trecker fährt. Der Industriemechaniker hat seinen Traktor mit einer Fronthydraulik mit Frontzapfwelle nachgerüstet, um ihn mit zusätzlichen Arbeitsgeräten wie einem Mähwerk ausrüsten zu können. "Ich habe zuhause eine Wiese", erklärte er. Ihm mache das Schrauben Spaß, so Kaminski. Die alte Ost-Technik sei einfach, anspruchslos und funktioniere immer.

Ähnlich sieht der Belarus, der, wie der Namen sagt, in Weißrussland produziert wird, von Mirko Nüske aus Serwest aus. Der ist aber erst zwei Jahre alt und dient dem Landwirt im Nebenerwerb als Arbeitsgerät. Auch Nüske schwärmt von der aus einem Stück gefertigten Technik. 82 PS habe der Traktor und könne damit einiges ziehen.

Für viele Oldtimer-Fans bietet das Treffen die Gelegenheit zum Fachsimpeln, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig Tipps zu geben. Auch Händler für gebrauchte Zubehörteile, vor allem für Ostfahrzeuge, hatten am Rand der Festwiese ihre Stände aufgebaut. Das Interesse halte sich in Grenzen, sagte einer von ihnen. Er sei Rentner, weshalb es ihm nicht ausschließlich auf den Profit ankomme. Er habe versprochen, dorthin zu kommen. Oldtimer-Treffen an Berliner Rand seien lukrativer.

Desolater Zustand

Für Trabant und Co. sei es kein Problem, im Internet Zubehörteile  zu finden, versicherte Horst Siepert aus Letschin, der mit seinen weißen Trabant nach Bralitz gefahren war. Obwohl er 1990 gebaut wurde und in einer Scheune stand, habe er ihn in desolatem Zustand übernommen, berichtete der einstige Kraftfahrer. Die Schweller waren durchgerostet und hinten fehlte ein Kotflügel. Siepert gelang es jedoch, das gute Stück so wieder herzurichten, wie es original vom Fließband in Zwickau lief. Der Trabbi-Fan hat noch eine grüne Pappe. Im Alltag fährt er allerdings einen VW Golf III.

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