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Rosi Müller kümmert sich seit 49 Jahren um die Wehwehchen und gesundheitlichen Probleme der Einwohner im Dorf.

Gemeindeschwester
Die gute Seele von Eichhorst

Wöchentlicher Besuch: Die 85-jährige Margarete Gartz (l.) aus Eichhorst kommt jede Woche bei Schwester Rosi im Sprechzimmer in der Schulstraße 1 vorbei. Blutdruckmessen und ein kleiner Plausch über dies und das gehören immer dazu.
Wöchentlicher Besuch: Die 85-jährige Margarete Gartz (l.) aus Eichhorst kommt jede Woche bei Schwester Rosi im Sprechzimmer in der Schulstraße 1 vorbei. Blutdruckmessen und ein kleiner Plausch über dies und das gehören immer dazu. © Foto: MOZ/T.Burckhardt tburckhardt@moz
Susan Hasse / 04.09.2019, 08:00 Uhr
Eichhorst (MOZ) Ein Raum voller Mullbinden, Pflaster, Spritzen und anderes medizinisches Zubehör. Dazu ein leichter Geruch von Isopropanol in der Luft. Das Sprechzimmer der Eichhorster Gemeindeschwester Rosemarie Müller ist jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr eine wichtige Anlaufstelle der Einwohner. Rosi, wie sie von allen genannt wird, ist seit 49 Jahren Gemeindeschwester im kleinen Schorfheide-Dorf. Sie ist für viele Eichhorster erste Ansprechpartnerin, wenn es um kleinere Wehwehchen und gesundheitliche Probleme jeder Art geht. Jeden Mittwochvormittag öffnet sie für die Dorfbewohner ihr Sprechzimmer, misst den Blutdruck, kontrolliert Zuckerwerte, nimmt Blut ab oder gibt Schmerzmittel. In jedem Fall plaudert sie mit den Patienten über Sorgen, Probleme und Alltägliches. Sie erspart vielen Bürgern nicht nur den oft umständlichen Weg zum Arzt und sorgt so für ein Mindestmaß an medizinischer Versorgung,sondern hat für alle ein offenes Ohr und Rat in jeder Lebenslage parat. Einigen ihrer zumeist älteren Patienten bringt sie auch Rezepte vom Hausarzt oder Medikamente aus der nächsten Apotheke Finowfurt mit. Kurzum: Sie ist die gute Seele von Eichhorst.

Die meisten ihrer Patienten kennt Rosi über Jahrzehnte, sie weiß um die Krankheitsgeschichten und kann durch jahrelange Erfahrung einschätzen, wenn sich der gesundheitliche Zustand verschlechtert. Zwar ist sie keine Ärztin, doch die Erfahrungen habe sie viel gelehrt. Sie erkennt Krankheitsbilder und weiß, was helfen kann. "Ich habe jahrelang der Hausärztin Christine Heinrich über die Schultern geschaut", erzählt Rosi. Heinrich bot bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 2014 eine wöchentliche  Sprechstunde in Eichhorst an. Der Nachfolger verzichtete auf dieses Service, seither ist Rosi als Gemeindeschwester für die Patienten vor Ort. Bezahlt wird sie für eine Stunde pro Woche von der Diakonie, die wiederum das Geld von der Gemeinde Schorfheide bekommt. "Ich begreife meine Arbeit als Ehrenamt", so Rosi Müller. Die Bezahlung sei für sie zweitrangig. "Krankenschwester zu sein, ist für mich eine Berufung", so ihre Einstellung. Auch nachts stelle sie das Telefon nie aus, es könnte schließlich ein Notfall sein. Davon gab es in Eichhorst über die Jahre schon einige, von Verkehrsunfällen bis zu Schlaganfällen oder Bauchkrämpfen wurde sie so manche Nacht gerufen. Solange es die Gesundheit zulasse, wird sie als Gemeindeschwester für die Eichhorster da sein, verspricht Rosi. "Ohne sie würde etwas fehlen", meint etwa Ortsvorsteher Wulf Gärtner. Gärtner ist ein glühender Verfechter des Gemeindeschwester-Modells, das in der DDR weit verbreitet war. Jedes Dorf hatte damals eine Krankenschwester.

Finanzierung schwierig

Bei kleineren Verletzungen, Erkältungen und Kreislaufproblemen erspart die kompetente Fachfrau vor Ort oft den Weg  ins Krankenhaus oder zum Arzt. Ins heutige Gesundheitssystem passt das Konzept Gemeindeschwester nur bedingt. Vor allem die Finanzierung gestaltet sich schwierig: Hausärzte sind selbstständig und müssten ihre Arzthelferin zur Sprechstunde aufs Land schicken. Krankenhäuser sind nicht zuständig und Pflegedienstleister verdienen ihr Geld mit zeitlich fixierten Hausbesuchen bei Pflegebedürftigen. Allerdings hat auch die Politik die Vorteile einer Gemeindeschwester bereits erkannt. So hat etwa die kassenärztliche Vereinigung das Projekt "Agnes zwei" aufgelegt und will Gemeindeschwestern fördern. Schaut man auf die Zahlen, leider mit mäßigem Erfolg.

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