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Vor fünf Jahren wurden die 2500 Satzaale in der Sargassosee geboren. Jetzt bezogen sie ihr neues Heim nahe dem Fort Gorgast.

Naturschutz
Vom Sargasso nach Gorgast

Ulf Grieger / 07.09.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 07.09.2019, 11:31
Gorgast (MOZ) Die Geschichte beginnt vor etwa fünf Jahren in der bis zu 7000 Meter tiefen Sargassosee, einem Meeresgebiet zwischen den Bermudas und Florida. Dort sind die 2500 Aale geschlüpft, die der Gorgaster Fischereibetreiber Joachim Engel nun in seinen "Burggraben" gesetzt hat. Der Graben ist ein von der Alten Oder und Grundwasser gespeistes Gewässer rings um das Fort Gorgast. Vor fast genau zehn Jahren war dort der letzte Aalbesatz erfolgt. Für den 66-jährigen Fischereibetreiber, dessen Betrieb fachlich vom Falkenhagener Fischer Jürgen Koschade betreut wird, ist das ein großes Ereignis. Mit seiner Frau Gabriele Fetting sowie Dirk Wolter aus Mittenwalde und Silvio Melchert aus Lietzen wird das nächtliche Abenteuer angegangen.

Tiere sind "noch dumm"

Der Weg der Aale führt zunächst an eine Autobahnabfahrt bei Berlin. Dort kommt ein großer Kühl-Transporter von einer Aalfarm bei Hamburg an. Er bringt die Satzaale für viele Abnehmer in ganz Deutschland und eben auch für den Gorgaster, für einen Angelverein bei Berlin und für die Booßener Fischer. Joachchim Engel und seine Helfer fahren mit einem blauen Hälterbecken zum Treffpunkt. Um die Tiere nicht der Sommerhitze auszusetzen, erfolgen diese Transporte stets spätabends. Gegen 23 Uhr kommen die Gorgaster zurück. Große Erleichterung, als der Behälter geöffnet wird:  Alle Aale, etwa 15 Zentimeter lange und zehn Gramm leichte "Würmer", tummeln sich im Becken. 2500 Tiere kann natürlich niemand abzählen. Es geht nach Gewicht. Und das sind dann 25 Kilogramm Aal.

"Früher haben wir Satzaale von der Odermündung bekommen. Das war besser", erzählt Joachim Engel, der sich intensiv mit den Fischen des Oderlandes beschäftigt hat und viel darüber weiß, obwohl er kein Berufsfischer ist. "Die wild heranwachsenden Aale haben bereits gelernt, wie man auf Jagd geht. Diese hier wurden herangefüttert. Sie sind anfangs noch ziemlich dumm", weiß er.

2500 Satzaale hat Joachim Engel in sein Gewässer am Fort Gorgast eingesetzt. Jeder wiegt etwa zehn Gramm.  In etwa fünf Jahren werden die Tiere das Fangalter erreichen.
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Aale für den Fort-Graben

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Mit Keschern werden die Aale, die bei genauerem Hinsehen gar nicht so gleich aussehen, portionsweise in kleinere Behälter umgeladen. Da gibt es dunklere, größere, hellere und kleinere. Die Färbung hängt auch davon ab, in welchen Tiefen der Sargassosee sie geschlüpft sind. Den ersten Teil ihrer Reise lebten sie als so genannte Weidenblattlarven im Golfstrom, mit dem sie bis vor die Küsten Europas geschwommen sind. Dort wurden sie zu Glasaalen. Dabei sind sie stark gefährdet. Nur wenige schaffen es, zu Steigaalen zu werden, die dann langsam die Flüsse hinaufsteigen, um dort zu leben und stark genug für den Rückweg gegen den Strom in die entfernten Laichgebiete der Sargassosee zu kommen. Deshalb wird das Risiko durch die Aalfarmen reduziert, die dann für den Besatz der Angelgründe auch in Deutschland sorgen.

Viele Gefahren für Jungtiere

Es ist fast Mitternacht, als die Männer mit Booten auf den Fortgraben fahren, um die Aale auszusetzen. Gefahren lauern dort immer noch auf die Jungtiere. Hecht, Barsch, Kormoran, Reiher oder Kranich sind da keine Kostverächter. Trotzdem können sich die Petrijünger schon mal freuen. Erst in etwa fünf bis sechs Jahren sind die ersten dieser Aale dann geschlechtsreif und im Wanderalter. Dann haben sie bereits das Maß erreicht, mit dem sie auch in die Pfanne oder den Räucherofen dürfen.

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