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Noch immer konnten die langen Schrankenschließzeiten an den Bahnübergängen in Friedrichswalde nicht behoben werden. Dabei steht das Geld dafür seit Längerem zur Verfügung.

Frust am Bahnübergang
Schranken Friedrichswalde: Wenn das Warten kein Ende nimmt

Kein Zug in Sicht: Ein Pkw wartet am Bahnübergang in der Döllner Straße von Friedrichswalde darauf, dass sich die Schranken wieder öffnen. Es ist einer von zwei Übergängen im Dorf, an denen die Schranken bis zu 20 Minuten unten sind.
Kein Zug in Sicht: Ein Pkw wartet am Bahnübergang in der Döllner Straße von Friedrichswalde darauf, dass sich die Schranken wieder öffnen. Es ist einer von zwei Übergängen im Dorf, an denen die Schranken bis zu 20 Minuten unten sind. © Foto: Marco Marschall
Marco Marschall / 10.09.2019, 10:00 Uhr - Aktualisiert 10.09.2019, 11:35
Friedrichswalde (MOZ) Ein Wochentag, 10.10 Uhr, in Friedrichswalde: Die Schranke schließt. Pech für den Pkw Richtung Eigenheimsiedlung in der Döllner Straße. Ein älterer Herr am Steuer, eine Dame auf dem Beifahrersitz. Nur wenige Meter trennen sie von Zuhause. Ihre Namen möchten sie nicht in der Zeitung lesen, plaudern aber gern. Warum auch nicht? Bevor der Zug durchfährt, kann es bis zu 20 Minuten dauern. "Wennde Pech hast, stehsde laufend", sagt er. Die beiden Friedrichswalder sind eigentlich vorbereitet, passieren den Bahnübergang strikt nach Zugfahrplan. In der Mittelkonsole ihres Pkw liegt ein Zettel mit den Fahrzeiten. Diesmal sind sie außerplanmäßig unterwegs. Die Wartezeit ist die Quittung. Wer bei Besorgungen allzu viel Muße an den Tag legt, riskiert an der Schranke zu stehen. "Da kannste nicht lange beim Bäcker rumquatschen oder nen Pott Kaffee trinken", sagt der Mann im Auto.

Das Problem der Wartezeit an den Bahnschranken – seit Dezember müssen die Friedrichswalder damit leben, seitdem der Zug zwischen Templin und Joachimsthal wieder rollt. Für die Region eigentlich ein freudiges Ereignis. Funktioniert der dreijährige Testbetrieb und die Fahrgastzahlen stimmen, soll sich das Angebot verstetigen. Nur hatte bei aller Euphorie über die Wiederbelebung niemand an Friedrichswaldes Bahnübergänge gedacht.

Lösung für 80 000 Euro

Vor allem wenn der Zug aus Templin kommt, bleibt die Schranke lange unten. Schon wenn er sich noch in Milmersdorf befindet, drei Stationen vor Friedrichswalde, erhält der Bahnwärter im Holzschuhmacherdorf die Order runterzukurbeln. Nach Unmut aus dem Dorf sollte schnell eine Lösung her. Technisch ist diese möglich, indem ein Signalgeber in beide Richtungen verlegt wird. 80 000  Euro soll das kosten. Das Gute: Das Geld ist da. Das Kuriose: Es wird nicht abgerufen.

Ende Juni hatte das Brandenburger Infrastrukturministerium mitgeteilt, dass das Land die nötigen Mittel aus dem Topf ÖPNV-Invest bereitstellt. Seitdem ist nichts passiert. Abrufen müsste das Geld die Hanseatische Infrastrukturgesellschaft mbH (HIG). Doch dort wird auf Anfrage der Märkischen Oderzeitung mitgeteilt, dass man keine Kenntnis über eine Freigabe der Gelder habe. Auf erneutes Nachhaken bei der HIG heißt es, dass unsere Fragen derzeit nicht beantwortet werden können. "Wir bitten noch um etwas Geduld. Eventuell gibt es hierzu mehr Informationen in ca. 14 Tagen", vertröstet die E-Mail des Unternehmens.

Joachimsthals Amtsdirektor Dirk Protzmann wundert das. Er will soweit möglich vermitteln, darauf dringen, dass es zügig vorangeht. Auch der Verwaltungschef weiß, dass es nicht allein um frustrierte Autofahrer geht sondern auch um Brandschutz und Rettungseinsätze. Denn gerade wenn es schnell gehen muss, wird die geschlossene Schranke zum Problem.

Per Hubschrauber besser dran

Im Holzschuhmacherweg, der hinter den beiden beschrankten Bahnübergängen parallel zur Schiene verläuft, war es im Frühjahr zu einem Einsatz gekommen. Ein Mann war von der Leiter gefallen. Der Rettungswagen habe auf Hin- und Rückweg an der Schranke gestanden, heißt es. Jacob Manteufel kennt den Fall. Er wohnt selbst hinter der Schiene im Holzschuhmacherweg. "Man fühlt sich abgeschnitten", sagt der junge Familienvater, der auch schon in eine nervenaufreibende Situation kam, als er mit seinem kleinen Sohn ins Krankenhaus musste. Dieser hatte plötzlich starkes Fieber. Die Schranke war unten. Eine Viertelstunde! Passiert ist dem Jungen nichts. "In Rettungsfällen sind wir besser mit dem Hubschrauber zu erreichen. Platz zum Landen ist ja genug da", sagt Jacob Manteufel. Es ist Galgenhumor, der auch bei einer Bewohnerin aus der Reiersdorfer Straße mitschwingt. Sie habe Berliner beobachtet, die während der Wartezeit ausgestiegen sind, um Blumen zu pflücken. Doch auch sie weiß: Der Frust der Bürger und des Landwirtschaftsbetriebs im Dorf ist groß. Selbst wenn die Bahnwärter sofort hochkurbeln, nachdem das Hinterteil des Zuges durch ist.

Das bewahrheitet sich auch am Übergang in der Döllner Straße. Um 10.24 Uhr rollt der Zug durch. Kurz drauf kann der Pkw rüber – nach 14 Minuten Wartezeit.

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