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Der märkische Dichterfürst Theodor Fontane besuchte bei seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg auch Jahnsfelde und das Schloss derer von Pfuel.

Von Fontane
Unterwegs im "Pfulen Land"

Jörg Kotterba / 12.09.2019, 06:15 Uhr
Jahnsfelde In diesem Jahr begeht Brandenburg den 200. Geburtstag Theodor Fontanes. Der märkische Dichterfürst hat auch im Oderland tiefe Spuren hinterlassen. In seinen Romanen und in den "Wanderungen" beschreibt er Land und Leute auf wunderbare Weise. Die MOZ will Sie mit einer Serie durchs Fontanejahr begleiten. Heute: Jahnsfelde.

Zeit sollte man mitbringen. Große Augen und offene Ohren. Und ein dickes Notizbuch, um all das aufzuschreiben, was Bernd Gohlke über "sein" Jahnsfelde zu berichten weiß. Hier wurde er 1953 geboren. Hier ist er seit 26 Jahren Ortsvorsteher. Und zu den 270 Einwohnern des Dorfes an der B 1 nahe Müncheberg gehören nicht nur seine Lieben und gute Freunde, sondern auch jede Menge Partner und Verbündete. Und viel Geschichte.

Wer in Jahnsfelde auf den Spuren Theodor Fontanes wandelt, kommt an der Familie von Pfuel nicht vorbei. Sie war mit fast 500 Jahren Präsenz in Jahnsfelde eine der am längsten in der Markt ansässigen Adelsfamilien. Fontane widmete dem "Pfulen Land" ein ganzes Kapitel in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" und schrieb in Band II: "Jahnsfelde ist seit 1449 in der Pfuelschen Familie, also noch elf Jahre länger als Gielsdorf. Die hübsche Inschrift über der Tür des Herrenhauses nimmt Bezug darauf und lautet: Glück herein, Unglück heraus, Dies ist der Pfuel ritterlich Haus Seit vierhundert Jahren, – Gott wolle bewahren In Noth und Gefahren Geschlecht und Haus."

Prägnantes Adelsgeschlecht

Aus der Familie von Pfuel sind hochgestellte Beamte und Offiziere hervorgegangen – was anschaulich der wunderschön angelegte Friedhof am Dorfrand  beweist. Sehenswerte Grabsteine erinnern an Männer wie Adolph Heinrich Ernst von Pfuel, General der Infanterie und Ritter des Schwarzen Adler-Ordens. Oder an Friedrich Albrecht Heino von Pfuel, Rittmeister des Reserve-Dragoner-Regiments.

In seinen "Wanderungen" beschreibt Fontane etliche aus dem Adelsgeschlecht, die er auf Gemälden sah. Anna von Pfuel zum Beispiel: "Ein interessantes Bild aus der Garziner Kirche. Es stellt eine junge, reichgeschmückte Frau dar, lebensgroß, ganze Figur. Im Haar scheint sie eine Brautkrone zu tragen. Ort und Jahreszahl lauten: Garzin, 1594." Dann Heino von Pfuel im Jahre 1602: "Eine kriegerische Gestalt in Eisenrüstung und hoher Halskrause, dazu rot und weiße Schärpe." Schließlich Kurt Bertram von Pfuel. Ein Brustbild. "Dieser Kurt Bertram war kurbrandenburgischer General-Kriegs-Kommissar während des Dreißigjährigen Krieges, und wurde von seiten George Wilhelms mehrfach zu diplomatischen Sendungen verwandt, namentlich an Wallenstein, als dieser zuerst an den Grenzen der Mark erschien."

Schloss in Privatbesitz

Allein 32 von Pfuels studierten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an der Universität Viadrina im nahen Frankfurt (Oder). "Fast alle erwarben den Doktor der Rechte. Ernst von Pfuel wurde 1848 Ministerpräsident und Kriegsminister", schrieb Marco Schulz (heute Thiedig), in Jahnsfelde aufgewachsen, vor zehn Jahren in einer vom "Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark Brandenburg" herausgebrachten Publikation. Das 103. Heft seiner Reihe widmete sich dem mehrfach überformten im klassizistischen Stil errichteten Schloss Jahnsfelde in Märkisch-Oderland.

Bei diesem Thema ist Bernd Gohlke in seinem Element. "Das Schloss war lange Wohnsitz des Adelsgeschlechts Pfuel. Darüber erzählt selbst Fontane", weiß er. In den Kellerräumen seien die Kreuzgratgewölbe aus dem 17. Jahrhundert noch vorhanden. "Der berühmteste Bewohner war Ernst von Pfuel, Freund von Heinrich von Kleist, preußischer General und konservativer Politiker."

Aus der Jahnsfelder Chronik ist zu erfahren, dass der Seitenflügel des Schlosses im 18. Jahrhundert niederbrannte. 1871 entstand ein neugotischer Anbau mit Backsteinen, Satteldächer, Zinnen und Türme. "Die von Pfuels wurden nach Kriegsende 1945 enteignet. Hier zogen Umsiedler ein. In DDR-Zeiten beherbergte das Schloss Kindergarten, Kino und Bibliothek. Untergebracht war auch eine Schwesterstation. Ich selbst kann mich sehr gut an die Gaststätte im Haus mit einem großen Tanzsaal erinnern", berichtete der Ortsvorsteher und strahlt. Warum das Adelsgeschlecht von Pfuel nach dem Mauerfall sein Eigentum nicht zurückforderte – nein, das könne Bernd Gohlke nicht sagen.

Seit knapp zwei Jahren besitzt der Berliner Eberhard Teufel, ein Professor für Steuerrecht, das Schloss. Der 72-Jährige könne sich vorstellen, es für Feiern oder Tagungen zu vermieten, meinte er vor einem halben Jahr gegenüber dieser Zeitung. Glaubt  Bernd Gohlke daran? Schulterzucken. Geöffnet war das imposante Gebäude jüngst zur 775-Jahrfeier von Jahnsfelde, ebenso sprudelt der alte, von Teufel wieder errichtete, Springbrunnen direkt am Haus.

Alte Winterlinde im Park

Der angrenzende Schlosspark, heute in kommunalem Besitz, umfasst eine Fläche von drei Hektar. Hermann von Pückler-Muskau, neben Peter Joseph Lenné wohl wichtigste Landschaftsarchitekt des 19. Jahrhunderts, beeinflusste die Gestaltung des Parks bei dessen Anlage in der zweiten Jahrhundert-Hälfte. Dort steht eine geschätzte 500 Jahre alte Winterlinde mit einem Stammumfang von 6,43 Metern – "die dickste Linde in MOL", ist sich Bernd Gohlke sicher. Unübersehbar daneben: Die aus Feldsteinen im 13. Jahrhundert erbaute Schlosskirche, "die trotz Sanierung leider Wasserschäden aufweist. Was soll man dazu sagen...", ärgert er sich. Hier sind auch wieder die restaurierten Holztafeln der Pfuels, ein Geschenk zum Dorf-Jubiläum. Zum Abschied erzählt Golhke noch das Neueste: "Wir werden demnächst den Gehweg in der Trebnitzer Straße sanieren lassen. Das ist uns ganz wichtig."

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