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Bio-Hof
In Krummensee gackern vielleicht bald 12 000 Hühner

Kerstin Ewald / 12.09.2019, 08:00 Uhr
Krummensee (MOZ) In Krummensee sind vielleicht bald die Hühner los. Zumindest will der landwirtschaftliche Investor Stefan Beckersjürgen aus Nordrhein-Westfalen gerne eine Menge Hühner in der Nähe des Dörfchens ansiedeln.

12 000 Tiere in zwei Hallen, die je noch einmal unterteilt sind. 3000 Hühner geben eine Herde, sie stolzieren jeweils zusammen auf die Weide. Die beiden Hallen sollen in rund 700 Meter Entfernung zu den ersten Häusern im Süden von Krummensee errichtet werden. Dazu kommen die Pack- und die Kotlagerhalle, Freilauf mit Zäunen und die Fläche für die ökologische Futtermittelproduktion. Beckersjürgen hat dafür 36 Hektar erworben, die einst von der Treuhand verwaltet und bis vor Kurzem von einer Seefelder Gesellschaft bewirtschaftet wurden.

Besorgte Fragen zum Hühnerhof

Vergangene Woche stellte der Landwirt sein Projekt bei rund 130 Dorfbewohnern in der Gaststätte Krummensee vor. Er stellte sich dort auch deren teilweise besorgten Fragen. Ortsvorsteherin Elfi Gille (Gille) hatte die Veranstaltung mit organisiert, sie berichtete der MOZ über deren Verlauf. Wie ist die Emissionsbelastung hinsichtlich Gestank und Lautstärke? Bleibt das Dorfidyll erhalten?

Können die Hühner in der Masse überhaupt artgerecht gehalten werden? Stefan Beckersjürgen, der Planer Torsten Zacher vom Büro nbs-Prenzlau und zwei Vertreter eines Bioverbandes beantworteten diese nach Kräften. Vor allem die Verkehrsbelastung durch Lieferfahrzeuge bereitet Krummenseern Sorge. Die Zufahrtsstraße zum geplanten Hühnerhof, die Ringstraße, nutzen auch die Krummenseer Schulkinder auf ihrem Weg zu den beiden Bushaltestellen. Die Straße ist schmal, wenn ein Lastwagen kommt, müssten die Kinder jedes Mal zur Seite springen. Zum anderen ist die Straße nur beschränkt zugelassen.

Verkehrliche Anbindung

Beruhigt möchten einige gewesen sein, als sie hörten, dass der Hühnerhof vornehmlich die Zufahrt über den Süden – Mehrow und Altlandsberg – nutzt. Auch sei laut Planer Zacher weder in der Bauzeit noch später im Betrieb mit einer erheblichen Verkehrsbelastung, auch kaum mit schweren Lastern, zu rechnen. "Das Futter kommt 14-tägig, die Eier werden zwei Mal in der Woche abgeholt, der getrocknete Hühnerkot nur zwei Mal im Jahr", so Planer  Zacher.

"Ich weiß, der Geruch ist oft ein neuralgischer Punkt der Leute, deswegen habe ich mir freiwillig ein Geruchsgutachten eingeholt." Bei allen Emissionen, auch Stickstoffeintrag in die Natur, bliebe man weit unter dem zulässigen gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert. Zacher hält es auch für unwahrscheinlich, dass der Unternehmer Beckersjürgen die Anlage in absehbarer Zeit erweitern wird, denn dafür wären mehr Land und ein aufwendiges Prüfverfahren nötig.

Ortsvorsteherin Elfi Gille war mit der Info-Veranstaltung in Krummensee zufrieden. "25 Bürger meldeten sich zu Wort, die Atmosphäre empfand ich als angenehm", so die noch recht frischgebackene Kommunalpolitikerin. Das Thema Hühnerhof steht am 26. September auf der Tagesordnung des Ortsbeirates Krummensee. "Entschieden ist noch nichts", beteuert die Ortsvorsteherin, "wir werden uns noch weiter informieren." Gefallen an dem Vorhaben von Landwirt Stefan Beckersjürgen hat ihr sein Plan mit Familie in die Gegend zu ziehen. "Wenn jemand sein Zuhause verlässt, um anderswo neu anzufangen, dann möchte er sich wahrscheinlich hier integrieren", hält Elfi Gille ihm zugute.

Ähnliche Anlage in Altentreptow

Eine Möglichkeit, sich einen Eindruck zu verschaffen, wie der Bio-Hühnerhof ungefähr aussehen könnte, bietet Planer Thomas Zacher an. "Wir haben eine solche Anlage, wie sie Herr Beckersjürgen aufbauen will, in der Nähe von Altentreptow/ Mecklenburg-Vorpommern geplant. Der dortige Betreiber wäre bereit, seine Anlage interessierten Bürgern vorzustellen, so Zacher. Wie eine solche Exkursion von Krummenseern aussehen könnte, müsse noch konkretisiert werden.

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