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Für den B-Plan "Wohngebiet am Pappelweg" hatte es im März noch Zustimmung im Gemeinderat gegeben. Jetzt folgte eine Ablehnung.

Grundstücke
Nein zu neuem Wohngebiet in Bliesdorf

Mehr als enttäuscht: Tatjana Rosenthal und Martin Schmidt am Dienstagvormittag am Pappelweg in Bliesdorf. Trotz der Ablehnung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan tags zuvor wollen sie sich für den Standort weiter stark machen.
Mehr als enttäuscht: Tatjana Rosenthal und Martin Schmidt am Dienstagvormittag am Pappelweg in Bliesdorf. Trotz der Ablehnung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan tags zuvor wollen sie sich für den Standort weiter stark machen. © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 18.09.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 18.09.2019, 08:41
Bliesdorf (MOZ) Wir werden alle Möglichkeiten prüfen, das Vorhaben noch zum Positiven zu bringen", zeigt sich Martin Schmidt einen Tag nach der Einwohnerversammlung und der anschließenden Gemeindevertretersitzung in Bliesdorf kämpferisch. Zahlreiche Bewohner hatten sich am Montagabend bei der Versammlung im "Bliesdorfer Mittagstisch" gegen das geplante Wohngebiet am Pappelweg in Bliesdorf ausgesprochen, allen voran Sabine Biesanz. Sie ist direkte Anliegerin und übergab in der Einwohnerfragestunde der Gemeindevertretersammlung eine Liste mit 746 Unterschriften aus Bliesdorf und Umgebung an Bürgermeister Reiner Labitzke.

Anhaltende Nachfrage

"Mir sind die Fakten einfach zu kurz gekommen", kritisiert Martin Schmidt, der bis 2014 selbst lange Jahre Gemeindevertreter war und sich noch gut an die Diskussionen erinnert, wo in Bliesdorf und seinen Ortsteilen Kunersdorf und Metzdorf künftig gebaut werden kann. Bis heute werde er immer wieder gefragt, ob er nicht mit einem Grundstück oder zumindest einem Tipp helfen könne. In Familien werde oft über die Rückkehr der erwachsenen Kinder diskutiert, weiß er.

"Stillstand ist Rückschritt", fügt er mit Blick auf seine Flächen am Pappelweg hinzu, die von Gegnern des Vorhabens am Montagabend als Wald und Erholungsgebiet bezeichnet worden sind. Als Kind habe er seinen Vater noch Furchen auf den Feldern ziehen sehen, erzählt er und spricht von Sollzahlen, die Bauern zu Beginn der 1960er-Jahre zu erfüllen hatten. "Der Boden ist hier aber nicht der Beste und zum Teil sandig. Das Soll war nicht zu erfüllen." Um dem Problem zu entgehen, seien Kiefern und Pappeln gepflanzt worden. Wobei Letztere aufgrund der Trockenheit häufig schon fehlen.

"Der Wald am Pappelweg wird sich in den nächsten 20 Jahren selbst auffressen", ist sich Martin Schmidt sicher. "Nadelbäume leiden unter der Trockenheit, machen sie anfälliger, auch gegen Forstschädlinge wie Borkenkäfer und Nonne." Wald sei ein Generationenprojekt, gibt er zu bedenken. Und, dass sich die Ausgleichsflächen natürlich in der Gemarkung Bliesdorf befinden. "Ich muss diese doch hier vor Ort nachweisen", sagt er und verweist zum Beispiel auf seine Flächen in Metzdorf, also dort, wo ohnehin nicht gebaut werden könne und dürfe.

Außerdem sei von vielen Bürgern außer acht gelassen worden, dass das Wohngebiet nicht wie ursprünglich vorgesehen auf 2,29 Hektar entwickelt werden soll, sondern gemäß Gemeinsamer Landesplanungsabteilung nur auf 1,2 Hektar. Hinzu komme, dass er nebenan mindestens 3000 Quadratmeter Wald so umbauen wollte, dass sie zukunftsfähig sind.

Alexander Rosenthal von der in relive Immobilienentwicklung GmbH & Co. KG hatte in der Sitzung von etwa zwölf Parzellen mit einer Größe von etwa 800 bis 1100 Quadratmetern gesprochen, die frei vermarktet werden sollen. "Hier hätten Bliesdorfer etwas für Bliesdorfer tun können", zeigt sich dessen Frau Tatjana am Dienstag vor Ort mehr als enttäuscht. Nach dem Aufstellungsbeschluss zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan vom März seien sie von Bauwilligen bereits angefragt worden.

Bebauungsplan als Chance

Einige Teilnehmer des Abends zeigten sich auch entsetzt darüber, dass das in den 1990er-Jahren gebaute Wohngebiet "Am Kanal" als Ghetto bezeichnet wurde. Elke Bundrock vom Bauamt des Amtes Barnim-Oderbruch hatte zudem darauf verwiesen, dass über die Klarstellungs- und Ergänzungssatzung in Bliesdorf nur begrenzt Bauland geschaffen werden könne. Zwei Flächen seien von den Trägern öffentlicher Belange bereits abgelehnt worden. "Wir haben die Eigentümer informiert. Daran hängen weitere Bauwillige", erinnerte sie und fügte hinzu, dass ein Bebauungsplan letztlich die einzige Chance für Bliesdorf sei.

Mit sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen entschied der teils neu zusammengesetzte Gemeinderat am Ende jedoch gegen die Änderung des B-Plans. Nur Swen Schirrmeister und Reiner Labitzke votierten angesichts der für Bliesdorf möglichen Entwicklung dafür. Ein großer Teil der noch verbliebenen Bürger reagierte mit Applaus auf die Entscheidung und verließ anschließend den Saal.

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