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Voraussichtlich ab Oktober werden knapp 48 Hektar Forst bei Wiesenau, in denen Ende Juni die Flammen tobten, wegen des Borkenkäfer-Befalls beräumt. Experten beraten die Waldeigentümer.

Schädlingsbefall
Waldstück bei Wiesenau wird komplett gerodet

Dietmar Puttins / 22.09.2019, 12:00 Uhr
Wiesenau (MOZ) Seit dem Waldbrand, der ab dem 26. Juni 2019 zwischen Wiesenau und Ziltendorf tobte und erfolgreich bekämpft wurde, ruht der auf knapp 48 Hektar Fläche verbrannte Forst. An vielen Stellen scheint er sich zu erholen. Hüfthoch treibt neues Grün zwischen verkohlten Bäumen. Doch der Schein trügt. Die Waldbestände sind tot, forstwirtschaftlich wertlos und für angrenzende Areale sogar eine Gefahr. Grund: In den verbrannten Stämmen nisten neben Rüsselkäfern auch Kiefernprachtkäfer und Großer Brauner Rüsselkäfer. Finden die Larven der letzteren beiden Borkenkäfer ihren Weg in die Nachbarwälder, sind diese mittelfristig verloren: Waldsterben! Weil die Zeit drängt, werden die Waldbesitzer schon ab etwa Oktober das verbrannte Gebiet komplett beräumen lassen. Dazu hatten Forstexperten dringend geraten.

Die betroffene Forstbetriebsgemeinschaft, ein Zusammenschluss von Waldeigentümern, lässt sich aktuell von der Oberförsterei Siehdichum im Landesbetrieb Forst Brandenburg (Müllrose) und dem zuständigen Revierförster beraten, wie vorzugehen ist.

Gespräche darüber, welche Firmen die Beräumung und später die Wiederaufforstung tätigen sollen, sind im Fluss. Noch ist nichts entschieden, wie die Geschäftsführer der Bauerngesellschaft Ziltendorfer Niederung (Wiesenau), Roman Reincke und Stefan Rothe, bestätigen. Ihr Landwirtschaftsbetrieb gehört der Forstbetriebsgemeinschaft an und verlor bei dem Waldbrand rund sechs Hektar Wald. Andere, private Eigentümer, hatten weitaus größere Schäden erlitten", relativieren die Geschäftsführer.

Wichtig sei, sagt Stefan Rothe, "dass es an dieser Stelle wegen des Borkenkäfers schnell gehen muss" und Roman Reincke ergänzt: "Man sieht es den Bäumen schon jetzt extrem an, dass der Befall da ist." Die Beräumung sei deshalb alternativlos. Die Abholzung werde definitiv noch in diesem Jahr von statten gehen, bestätigen Reincke und Rothe, die Wert darauf legen, dass sie sich nicht für die Forstbetriebsgemeinschaft, sondern lediglich als betroffene Waldeigentümer äußern.

Angestrebt wird ein Mischwald

Nach der Rodung, die nach beider Einschätzung im Oktober beginnen könnte, wird eine Firma beauftragt werden, die den Wald nach den Vorgaben der Forstbehörde wieder aufforstet. Roman Reincke: "Einen reinen Kiefernbestand wird es dann nicht mehr geben."

Einer der Experten, der die Forstbetriebsgemeinschaft berät, ist Oberforstrat Henry Herold, der Leiter der Oberförsterei Siehdichum in Müllrose. Mit Blick auf den Klimawandel hatte Herold unlängst der MOZ erläutert: "Wir Forstleute wollen in den Kiefer-Monokulturen schrittweise Laubhölzer einbringen." Doch in Wiesenau – wie in ganz Brandenburg – bestünde die Schwierigkeit, "dass die Sandböden wenig Nährstoffkraft und wenig Wasserhaltevermögen haben, sodass hier immer noch die Kiefer als Hauptbauart an den meisten Standorten bleiben werde.

Auch Henry Herolds Kollege Roland Müller, der Leiter der Landeswaldoberförsterei Müllrose, hatte mit Blick auf eine Beräumung und Wiederaufforstung bei Wiesenau einen Mischwald favorisiert. Ab diesem Herbst könne man in dem Waldbrandgebiet zwar schon Birke und Eiche setzen, doch aufforsten würde er erst ab Herbst 2020, "denn die Kiefer ist neben dem Borkenkiefer vom Rüsselkäfer befallenen, der die Kiefernsämlinge und -wurzeln frisst." Roland Müller hält bei Wiesenau einen Mischwald "mit vielleicht 20 Prozent Traubeneiche, 30 Prozent Birke und Kiefern" für realistisch.

Geschäftsführer Roman Reincke sagt: "Es wird einen reinen Mischwald mit Kiefern geben." Noch nicht entschieden sei, ob man die Laubbäume mehr hin zu den Wegen ansiedelt und in der Mitte einen Kiefernbestand aufforstet. Das werde später mit der ausführenden Firma und der Forstbehörde beraten. Kann man die Höhe der Kosten für Rodung und Wiederaufforstung beziffern? Roman Reincke: "Dazu gibt es keine Zahlen. Fakt ist, dass die Waldeigentümer nach dem Gesetz verpflichtet sind, den Wald wieder aufzuforsten." Jetzt müsse man sehen, wie man die Wiederaufforstung refinanziert. Zu Details kann und will er sich noch nicht äußern. Dazu ist das Thema zu komplex und vieles von der Forstbetriebsgemeinschaft noch nicht beschlossen.

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