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Unterschriften-Aktion
Bliesdorfer bestehen auf ihr Erholungsgebiet

Symbolfoto
Symbolfoto © Foto: pixabay
Steffen Göttmann / 25.09.2019, 19:00 Uhr
Bliesdorf (MOZ) Nachdem die Gemeindevertreter sich vergangene Woche, wie berichtet, gegen das neue Wohngebiet am Bliesdorfer Pappelweg ausgesprochen haben, haben sich die Wogen im Dorf weitgehend geglättet.

Sabine Bisanz hat in Bliesdorf, Vevais und Kunersdorf 746 Unterschriften gesammelt, die sie bei der Sitzung an Bürgermeister Reiner Labitzke übergeben hatte. Der Waldbesitzer wollte auf 1,2 Hektar Waldfläche ein Wohngebiet errichten und nebenan als Ausgleichsfläche 3000 Quadratmeter Wald zukunftsfähig umbauen.

"Für uns ist der Wald eine wichtige Erholungsfläche", begründen Sabine Bisanz und ihre Nachbarn die Unterschriftensammlung und ihre vehemente Ablehnung. Es sei das einzige zusammenhängende Waldgebiet in der Region. Auch die Kinder der benachbarten Kita "Liebe Liesel" gehen in den Wald, um Pflanzen und Tiere kennenzulernen. "Darin leben viele Tiere", so die Bliesdorferin. Rotmilane, Fledermäuse Hasen, Rehe und Eichhörnchen habe sie schon beobachtet. "Kürzlich fand ich sogar einen Hirschkäfer, aber der war schon tot", erzählt Sabine Bisanz. Für sie sind das Zeichen, dass das Ökosystem des Waldes noch intakt sei.

Das Argument des Besitzers, dass der Wald aus Pappeln und Nadelbäumen eine geringe forstwirtschaftliche Bedeutung habe, lassen die Anwohner nicht gelten und berufen sich auf das Waldgesetz. Dies hatten sie auch bei der Einwohnerversammlung erklärt, die vor der Gemeindevertretersitzung einberufen worden war.

"Wir sind nicht grundsätzlich gegen neue Eigenheime in Bliesdorf", betont Sabine Bisanz. Sie und ihre Mitstreiter bevorzugen jedoch die Lückenbebauung. Es gebe noch viel Platz im Dorf. Aber nicht jeder Landbesitzer will verkaufen. Für die Integration möglicher neuer Bürger sei aber diese Art der Bebauung viel besser, sind sie überzeugt. Sie  bezweifeln, dass sich der Wohnpark überhaupt vermarkten ließe. Bisher sei der große Bauboom in Bliesdorf ausgeblieben. 25 Häuser seien in Bliesdorf nach der Wende gebaut worden – durchschnittlich eines pro Jahr.

In der Regel seien es Biesdorfer oder deren Kinder, die im Dorf bleiben wollen, und sich dann ein Eigenheim errichten. "Ich habe auch auch schon mal ein Baugrundstück verkauft und brauchte dafür einen langen Atem", sagte ein Bliesdorfer. Das Dorf hat einen Nachteil. Die Bahnstrecke der RB60 führt direkt am Ort vorbei, der nächste Bahnhof ist in Wriezen oder Neutrebbin.

Aufforstung dauert lange

"Nachher ist der Wald abgeholzt und die Grundstücke lassen sich nicht verkaufen", so die Furcht der Anwohner. Dann sei der Schaden da. Es dauere eine Generation, bis der Wald wieder aufgeforstet sei. Darüber hinaus seien die Straßen im Dorf zu eng, um weitere Fahrzeuge aufzunehmen. Vor der Kita sei täglich reger Betrieb, wenn die Eltern ihre Kinder bringen und abholen. Ein weiterer Verkehrsknotenpunkt sei die Feuerwehr. Wenn diese zum Einsatz gerufen werde, was in diesem Sommer häufiger vorgekommen sei, parken die Privatfahrzeuge der Feuerwehrleute entlang der Straße und verstopfen alles. "Dann braucht nur noch jemand zum Altglascontainer zu wollen, dann ist das Chaos perfekt", warf ein Anwohner ein.

Der B-Plan für das Wohngebiet ist erst einmal abgelehnt, der Waldbesitzer war enttäuscht über die Entscheidung.

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