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So schnell kann es gehen: An einem Vormittag verschwindet plötzlich die alte Kirchspitze. Doch die neue ist schon wieder oben drauf.

Ungewöhnlich
Vertauschter Kirchturm in Felchow

Oliver Schwers / 29.09.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 29.09.2019, 10:39
Felchow (MOZ) Verdutzt schaut Bettina Krassuski nach oben und dann auf den Kirchhof und wieder nach oben. Eigentlich wollte die Architektin ein paar spektakuläre Fotos machen, wenn ein kompletter Fachwerkturm am Kranarm hängt. Doch die Arbeiter sind so schnell gewesen, dass bei Ankunft der Chefin schon alles vorbei ist und sogar schon die neue vorgefertigte Konstruktion auf dem Turm sitzt.

3,6 Tonnen wiegt solch ein Helm mit einem Umfang von vier mal vier Metern. Samt Kugel, Stange und Wetterfahne lässt er sich nun bequem zu ebener Erde demontieren. Zu retten ist nicht viel. Die alten Balken müssen raus. Nach gleichem Vorbild haben die Zimmerleute eine neue Konstruktion gefertigt. Das Besondere: Sie wird wieder die ursprüngliche Höhe des Felchower Kirchturms erreichen. Denn in den 1970er-Jahren soll sie aus bautechnischen Gründen einfach abgerissen worden sein. Man köpfte die Laterne und setzte ein bis jetzt sichtbares sogenanntes Zeltdach drauf.

Spitze wird zehn Meter höher

Wenn die gerettete Bekrönung am 25. Oktober wieder hinaufkommt, blickt sie mindestens zehn Meter höher über das Dorf hinweg als früher. In der Wetterfahne trägt sie die Jahreszahl 1994. Da hatte man den Turm schon mal neu eingedeckt.

Bettina Krassuski leitet die Planungen der Gesamtsanierung. Die mittelalterliche Feldsteinkirche ist den Einwohnern wichtig. Vermutlich erstmals in ihrer 700-jährigen Geschichte wird sie nun bis ins Mark untersucht und mit hohem Finanzaufwand in zwei großen Abschnitten restauriert. "Seit zwölf Jahren stellen wir dafür Förderanträge", berichtet Pfarrer Gunter Ehrlich. "Wie ein Wunder, dass es endlich geklappt hat." Allein könnte das die Kirchgemeinde gar nicht stemmen. Schon die 37 000 Euro Eigenanteil reißen ein Loch in die Kasse.

Durchgängig Schäden am Bau

Wenn der Turm fertig ist, folgt das Hauptschiff, dann die wertvolle Wagnerorgel. Im Denkmal haben es sich unerwünschte Gäste bequem gemacht: Hausbock, Holzwurm sowie der echte Hausschwamm. "Wir haben eine durchgängig extreme Schädigung", erklärt Bettina Krassuski.

Der neue Turm sitzt jetzt sicherer. Man hat ihn einst gar nicht auf die dicken Mauern gebaut, sondern ihm eine innere Stützkonstruktion gefertigt. Nun ließ die Architektin einen Betonringanker ziehen, auf dem der Schaft ruht. Das hält ewig.

So wie die dicken Mauern. Deren einst vom Feld gelesene Natursteine haben vor Jahrtausenden einen weiten Weg hinter sich gebracht. Als Hinterlassenschaften der Eiszeit erhalten sie jetzt Markierungen an der Außenwand der Kirche. Dort wird Besuchern der Märkischen Eiszeitstraße später erklärt, aus welchen Regionen Skandinaviens sie stammen.

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