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Bürgermeister
Kampf dem Kirchturmdenken in Höhenland

Jörn Kerckhoff / 04.10.2019, 07:00 Uhr
Höhenland Seit dem 26. Mai ist Karsten Eschner als ehrenamtlicher Bürgermeister von Höhenland im Amt. Die ersten 131 Tage seiner Legislaturperiode hat er damit heute schon hinter sich, ist also kein völliger Frischling mehr. Dennoch sagt er: "Ich muss noch vieles lernen als Bürgermeister."

Noch in der Eintauchphase

Ohne kommunalpolitische Vorkenntnisse bewarb sich der hauptberufliche Personalrecruiter für die Nachfolge von Helga Kowatzky und wurde – als einziger Kandidat – dann mit etwa 88 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt. Er sei noch mitten in der Eintauchphase, lese sich vieles an, soweit es der Beruf zulasse. Vor drei Jahren zog der 54-Jährige, der gebürtig aus Berlin stammt, mit seiner Frau nach Wölsickendorf – neben Wollenberg, Leuenberg und Steinbeck der vierte Ortsteil von Höhenland – und habe sich von Anfang an für verschiedene Dinge engagiert. So sei irgendwann das Thema an ihn herangetragen worden, für den Posten des Bürgermeisters zu kandidieren.

Als Neuling im Ort habe er den Vorteil, dass er viele Dinge von außen betrachte und einen unvoreingenommenen Blick auf die Dinge habe, erklärt Eschner, warum er sich dann tatsächlich dazu entschlossen habe, seinen Hut in den Ring zu werfen.

Die Bürger in Höhenland zu einen, hat sich Eschner für seine Amtszeit auf die Fahnen geschrieben. Er selbst lebe zwar in Wölsickendorf, die Entwicklung der anderen Dörfer lägen ihm aber genauso am Herzen, macht Eschner deutlich, dass er kein Kirchturmdenken praktizieren will.

"Natürlich werden einige denken, dass ich mich zuerst für Wölsickendorf stark mache, weil ich dort lebe", ist sich Karsten Eschner bewusst, dass sein Handeln kritisch beäugt werden wird. Aber mit seiner Biografie, die sich in keinem der vier Orte abspielte, habe er es sicher viel leichter, Höhenland als Ganzes zu sehen und nicht als vier Orte, die durch eine Reform unter einen Hut gesteckt wurden. Und auch von den Bürgern der vier Dörfer erhofft sich Eschner einen Blick über den Tellerrand. Natürlich sei das kein einfaches Vorhaben, ist dem Neubürgermeister bewusst, aber er wolle Strukturen aufbrechen und in den Köpfen der Menschen ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen. Daher sei er froh, dass die Gemeindevertretung sehr homogen besetzt sei und alle Dörfer eine Stimme hätten.

Nicht auf große Politik warten

Man dürfe auch nicht immer nur warten, dass die große Politik etwas verändert, sondern müsse sich vor Ort selbst engagieren, um Veränderungen herbeizuführen, macht Karsten Eschner deutlich. "Wir müssen hier versuchen, die Lebensqualität mit unseren bescheidenen Mitteln zu verbessern", sieht sich Eschner in seinem Amt, aber auch jeden einzelnen Bürger der vier Dörfer selbst in der Verantwortung.

Einen Vorwurf macht er der großen Politik dann aber doch: Vor wenigen Tagen kam die Meldung, dass in Brandenburg wieder viele Fördergelder beim Bund und bei der EU nicht abgerufen wurden. "Wenn ein Dorf bei einem Projekt, das eine Million Euro kostet, zehn Prozent selbst finanzieren und vorher auch noch die Planungskosten bezahlen muss, sind das Beträge, die viele Orte in Brandenburg nicht aufbringen können. Da hilft alle Förderung nichts, da braucht man den Förderantrag gar nicht erst zu stellen", macht Eschner klar, dass es oft nicht am fehlenden Investitionswillen liegt, sondern dass viele notwendige Investitionen am nicht bezahlbaren Eigenanteil der Kommunen scheitern.

Deswegen kümmert sich Eschner ersteinmal um kleinere Projekte in Höhenland, die mit den Eigenmitteln und vor allem Eigeninitiative zu stemmen sind. Dazu gehört etwa der Weihnachtsmarkt in Wölsickendorf, der im vergangenen Jahr erstmals in kleiner Runde stattfand und in diesem Jahr von einem Festkomitee mit Mitgliedern aus allen Ortsteilen größer aufgezogen werden soll. Und Eschner macht auch da deutlich: "Es soll eine Weihnachtsmarkt in Wölsickendorf werden, aber kein Wölsickendorfer Weihnachtsmarkt."

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