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Für das Land Brandenburg gelten seit Juli neue Jagdzeiten, was für die Tiere mit kürzeren Ruhezeiten verbunden ist. Die Jägerschaft Trebatsch erklärt sich damit nicht einverstanden.

Neuregelung
Trebatscher Jäger gegen kürzere Schonzeiten

Bock oder Ricke, diese Frage stellt sich im Winter, denn im November werfen Rehböcke ihr Gehörn ab. Eine Klassifizierung nach Alter und Wertigkeit eines Bockes kann nicht mehr erfolgen.
Bock oder Ricke, diese Frage stellt sich im Winter, denn im November werfen Rehböcke ihr Gehörn ab. Eine Klassifizierung nach Alter und Wertigkeit eines Bockes kann nicht mehr erfolgen. © Foto: Monika Rassek
Monika Rassek / 05.10.2019, 09:00 Uhr
Trebatsch (MOZ) Soll das Wild aus dem Wald verschwinden? Diese Frage stellen sich derzeit die Jäger der Jägerschaft Trebatsch, ein Zusammenschluss von sieben Jagdpächtergemeinschaften aus Briescht, Giesendorf, Kohlsdorf, Mittweide, Ranzig, Stremmen und Trebatsch. Die Jägerschaft mit insgesamt 30 Mitgliedern gibt es seit 1992. Die derzeitige Entwicklung zur Herabsetzung von Schonzeiten für das Wild beunruhigt die Jäger. "Wir sind mit den veränderten Jagdzeiten in Brandenburg nicht einverstanden", sagt Rüdiger Krüger. "Als Jäger betreiben wir eine Wildbewirtschaftung, keine Abschlachtung. Nicht umsonst wird der Jagdschein auch das grüne Abitur genannt."

Friedrich Metzler erklärt: "Früher durften Rehböcke nur bis zum 15. Oktober eines Jahres geschossen werden. Vor zwei, drei Jahren wurde das geändert und die Tiere dürfen jetzt vom 16. April bis zum 15. Januar des darauf folgenden Jahres geschossen werden." Damit verkürzt sich die so genannte Schonzeit, in der die Tiere nicht zu bejagen sind, auf lediglich drei Monate. Das Wild kommt nicht mehr zur Ruhe. "Rehböcke werfen im November ihr Gehörn ab", ergänzt Heiko Paulenz. "Das heißt, dass die Böcke kaum mehr von den weiblichen Tieren, den Ricken, bei der Jagd zu unterscheiden sind." Auch seien die Böcke ohne Geweih nicht mehr zu klassifizieren, also es könne die Wertigkeit für die Entwicklung des Bestandes nicht mehr festgestellt werden.

In diesem Jahr wurde per Verordnung zur Durchführung des Jagdgesetzes für das Land Brandenburg vom 28. Juni 2019 zudem festgelegt, dass Ricken und Kitze sowie beim Rotwild  Alttiere und auch Kälber vom 1. August bis zum 15. Januar zu schießen sind. "Das gleicht Aasjägerei", ärgert sich Horst Wilde. "Die Kitze werden im Mai geboren und sind im August gerade mal Haut und Knochen."

Friedrich Metzler, der seit 51 Jahren einen Jagdschein besitzt, glaubt, dass es einzig darum geht, den Waldumbau kompromisslos vorantreiben zu können. Er verweist auf einen Beitrag von Mathias Graf von Schwerin, dem Vorsitzenden des Ökologischen Jagdvereins Brandenburg in der Zeitschrift "Unsere Jagd". Danach erachtet dieser den frühzeitigen Abschuss von Rehen und Kitzen für das Ziel Waldumbau für sinnvoll.

Metzler bezeichnet diese Argumentation als Quatsch: "Im Winter fährt das Wild seinen Stoffwechsel runter und verfällt in eine Art Ruhemodus. Und in dieser Zeit benötigt es weniger Futter." Werde das Wild in dieser Zeit aber gejagt, funktioniert das nicht: "Es braucht dann mehr Kalorien, frisst junge Triebe und schält Rinde. Damit wirkt sich die verlängerte Jagdzeit kontraproduktiv zum Waldumbau aus." Man bekomme da schnell den Eindruck, dass das Wild aus den Wäldern verschwinden, ja ausgerottet werden soll: "Doch das Wild sei schon immer da gewesen und die Wälder sind trotzdem hochgekommen." Die Jägerschaft Trebatsch muss und wird sich nicht an die neuen Jagdzeiten halten: "Gleiches gilt für unsere Jagdgäste. Auch wollen wir für die Tiere des Waldes keine Massentierhaltung in irgendwelchen Gehegen. Das Wild ist mit dem Wald verbunden."

Wild reagiert auf den Wolf

Für die Förstereien sieht das jedoch anders aus: "Die Förster vor Ort sind in Ordnung, aber sie haben keine Wahl. Als Beamte sind sie weisungsgebunden."

Friedrich Metzler weist noch auf weiteres Problem hin: "Wild dezimiert sich nicht nur durch Jagd. Der Straßenverkehr und auch der Wolf fordern Opfer." Da stellt sich die Frage: "Was frisst der Wolf, wenn kein Wild mehr da ist?" Schon jetzt reagiert das Wild auf den Wolfsbestand: "Wildschweine beispielsweise rotten sich zusammen. Früher sind vielleicht fünf bis acht Schwarzkittel durch den Mais gezogen. Heute sind es Rotten von bis zu 50 Schweinen." Da kämen seitens der Bauern schnell Schadenersatzforderungen von 10000 bis 15000 Euro auf den Jagdpächter zu: "Wie wird dieses Problem gelöst?"

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