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Rebensaft
Weinbaugrenze inzwischen wieder nördlich von Rathenow

René Wernitz / 11.10.2019, 12:30 Uhr
Rathenow (MOZ) Zu sagen, in Rathenow würde kein Wein mehr wachsen, wäre nicht ganz korrekt. Denn in Vorbereitung auf die Landesgartenschau 2006  wurden ein paar Rebstöcke gepflanzt, ein angedeuteter "Weinberg im Garten des Herren" entstand. Die Pflanzen stehen noch heute auf den zur Havel herunter führenden Terrassen nahe der Sankt-Marien-Andreas-Kirche.

Indes ist der echte Weinberg, den Rathenow nur noch vom Namen her besitzt, weiter ungenutzt. Weinbau hatte es dort gegeben, seit zur Durchführung von Gottesdiensten Wein benötigt wurde. Im Zuge der Anfang des 14. Jahrhunderts einsetzenden Kleinen Eiszeit in Europa reduzierte sich der hiesige  Weinbau, bis er  Mitte des 18. Jahrhunderts praktisch abgeschafft wurde. Es war nun zu kalt.

Der Weinbauäquator verschob sich immer weiter  gen Süden. Nach Ende der Kleinen Eiszeit (um 1900) und zusätzlich bedingt durch menschengemachte Erderwärmung liegt die klimatische Weinbaugrenze längst wieder nördlich von Rathenow. Inzwischen wächst Wein sogar in Schweden.

Wer kosten mag, wie Produkte vom heimischen 52. Breitengrad schmecken, sollte das Rathenower Weinfest besuchen, dieses wird am Wochenende 19./20. Oktober in der City gefeiert. Dort gelangt zwar weiterhin kein städtisches Produkt in die Becher, aber laut Ankündigung von Veranstalter Manfred Rücker werden diesmal Weine aus Werder/Havel angeboten.

Etwa am Phoebener Wachtelberg begann der Neuanfang bereits 1996. Einst gab es rund um Werder/Havel sehr viele Weinberge. Von rund 240 ist auf www.poebener-wachtelberg.de die Rede. Die Neuauflage des Weinbaus rund 30 Kilometer südlich von Rathenow begann in Vorbereitung auf die BUGA 2015 Havelregion.

Damals wurde ein Weinberg auf den Marienberg sozusagen aufgepfropft. Der Hügel in Brandenburg an der Havel, auf dem einst eine Wallfahrtskirche und ein Kloster standen, ist ebenso bekannt gewesen für mittelalterlichen Weinbau. Auf einem in den 1960er Jahren gebauten Trinkwasserhochbehälter wächst nun wieder Wein. Mehr als 3.000 Reben wurden gepflanzt. Erste Lese war 2015. Betreiber des Weinbergs ist die Brandenburger Wasser- und Abwasser GmbH (Brawag).

Ihre private BUGA-Investition in Pflanzen erweist sich als besonders nachhaltig. 2019 wurden etwa sieben Tonnen Wein geerntet, die wohl für 5.000 Flaschen reichen. Eine wird für etwas mehr als 10 Euro angeboten.

Es war die fünfte große Lese der Sorten Solaris und Johanniter. Wie in den vergangenen Jahren hat die Havelland – OWS GmbH die Kelterung übernommen.   In etwa einem halben Jahr wird der neue Brawag-Wein abgefüllt sein. Kurz nach Verkaufsstart 2020 dürfte der Wein bereits wieder ausverkauft sein.

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