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Wildnisschule Hoher Fläming
Bäume, Frösche... können auch ohne den Menschen weiterleben

Eva Loth / 12.10.2019, 12:00 Uhr
Bad Belzig Die Natur und der Klimawandel stehen bei der Wildnisschule Hoher Fläming im Mittelpunkt. Dort wird auch ohne wissenschaftliche Vorträge gelernt die Natur zu begreifen. Und das mit immer weiter steigenden Teilnehmerzahlen.

Besonders Kinder können so an den richtigen Umgang mit der Natur herangeführt werden. Das zeigte sich auch wieder beim diesjährigen Herbstfest in Grützdorf. Da waren die Jüngsten wieder voll dabei und hellauf begeistert. Aber natürlich standen auch dort der Klimawandel und die Erde insgesamt im Fokus. Die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre hat sich auch in der Umgebung des Camps bemerkbar gemacht. Pflanzen vertrockneten, Bäume nahmen Schaden, stürzten um und sind von Schädlingen befallen. Deshalb hatte sich Mitorganisator Paul Wernicke etwas Besonderes einfallen lassen – ein Wasserritual. Mit dieser kleinen zeremoniellen Gestaltung ging es darum, Wasser an verschiedene Plätze zu bringen und so zu würdigen, dass alles vom Wasser versorgt wird. "Wir sollten das in stiller Achtsamkeit tun", so Paul Wernicke, "denn Wasser bedeutet Leben. Wir bekommen jetzt schon den Wassermangel extrem zu spüren." In einem symbolischen Akt wurde von den Teilnehmern nun mit Holzschalen Wasser an umliegende Bäume, Sträucher und Grasflecken verteilt. Dazu wurde ein Lied gesungen.

Das Singen und Musik allgemein sind auch sonst fester Bestandteil in der Wildnisschule. Jede Zusammenkunft, jedes Sammeln wird mit einem Lied begonnen. Aber auch mit Geschichten. Und meist mit einem tieferen Hintergrund. In diesem Jahr kam dieser von Thomas Wernicke. Hier einige Auszüge, die zum Nachdenken anregen.

"Es ist ein heißer, trockener Sommerabend. Ich sitze mit meinem Enkel auf dem Lindenplatz und wir beobachten Ameisen. Opa, wie alte wird eigentlich eine Ameise? Hmm, keine Ahnung. Schnell ist der Laptop aufgeklappt. Die braunschwarze Rossameise kann 13 Jahre alt werden. Eine Königin der schwarzen Wegameise hat es auf 29 Jahre gebracht. Demetrius ist begeistert. Wie hätte mein Vater 1964, als ich 10 Jahre alt war, auf dieselbe Frage reagiert? Sicher wäre er vor sein Bücherregal getreten, hätte Mayers Lexikon Band 1 herausgezogen, unter A wie Ameise nachgeschaut oder am folgenden Tag eine Bibliothek aufgesucht und dort geblättert, um die Frage seines Sohnes tiefschürfend zu beantworten. Wie hat sich in einem halben Jahrhundert der Zugang zu Wissen und Informationen verändert? Jeder kann sich täglich spielerisch leicht seinen privaten Wissenscocktail an Informationen mixen – und trotzdem betätigen wir uns hemmungsloser denn je als Erdzerstörer." Ein guter Freund von Thomas Wernicke brachte die derzeitige Lage auf den Punkt: "Vor langer Zeit, als die Religionen erfunden wurden, stellten diese den Menschen ins Zentrum, anstatt ihn als Teil der Welt zu sehen. So konnten Menschen die heiligen Dinge ausbeuten und vernutzen, um ihre Gier zu befriedigen und andere zu manipulieren. Darauf basiert das System, das heute die Welt beherrscht. Verglichen mit der Sonne oder dem Wasser stehen wir nicht einmal ansatzweise im Mittelpunkt, sondern sind die wahrscheinlich unwichtigste aller Lebensformen. Die Bäume, die Büffel und Frösche können auch ohne uns weiterleben, wir hingegen sind abhängig von allen anderen. Wenn die Menschen das nicht anerkennen, präsentiert uns das Universum die Rechnung."

Indes gab es auf dem Platz viel Interessantes zu sehen und in den verschiedensten Workshops zu erleben. Interessiert beobachteten besonders die Kinder, wie aus der Rinde und den Wurzeln einer Fichte eine Tragekiepe entsteht. Und natürlich ging es auch wieder auf Spurensuche in die umliegenden Wälder. Diesmal konnten alle sogar ein paar Pilze finden, die nach dem Regen ihre Köpfe aus der Erde gesteckt haben.

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