Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nach Sprengung der Bismarckwarte
Friedenswarte feiert am Montag ihren 45. Geburtstag

Manfred Lutzens / 12.10.2019, 15:15 Uhr
Brandenburg an der Havel Morgen ist es 45 (!) Jahre her, dass auf dem Marienberg der aus viel Beton, Stahl, Glas und auch eloxiertem Leichtmetall im Eiltempo errichtete Aussichtsturm - die Friedenswarte - erstmals öffnete. Dorthin, wo man 1974 gleichzeitig diese traditionsreiche, beliebte Parkanlage um- bzw. neu gestalten ließ, führte deshalb an jenem 7. Oktober 1974 zum Auftakt des Volksfestes ein Sternmarsch. Das weitgehend industriell gefertigte, 32,5 Meter hohe Monument  präsentierte sich da mit je fünf verglasten und offenen Plattformen. Sie sollten gemäß Interpretation der Sozialistischen Einheitspartei die bisherigen 25 "DDR-Jahre" versinnbildlichen.

Nur gut sechs Monate zuvor hatte diese SED nebst der hiesigen Stadtverwaltung in einer Nacht- und Nebelaktion den Platz für ihr Prestigeobjekt schaffen lassen. Dazu musste am 24. März jene an gleicher Stelle 1908 eingeweihte Bismarck-Warte, die der allmächtigen Partei stets ein Dorn im Auge war, verschwinden. Kurzerhand wurde das trutzige, aus märkischen Findlingen errichtete Bauwerk auftragsgemäß von einem Magdeburger Spezialkombinat gesprengt. "Das hätte mindestens noch 200 Jahre gestanden", kommentierte damals, nachdem sich Pulverdampf und Staub verzogen hatten, einer der dort verpflichteten Experten. Ganz anders zuvor die offizielle Argumentation: "Die Friedenswarte haben  wir wegen ihres baulichen Zustandes sperren lassen... Deshalb unsere Entscheidung zu ihrer Rekonstruktion". Ihren kühnen Handstreich indes hielten die Funktionäre bis zuletzt geheim.

Mit großem Propaganda-Aufwand wurde binnen kaum sechs Monaten, völlig im Gegensatz zu damaligen Bauzeiten, dieser eher schmucklose Aussichtsturm in Gleitbauweise hochgezogen. Sieht man von Resten des Zyklopen-Mauerwerkes zu seinen beiden Seiten ab, erinnert er (wunschgerecht)  in keiner Weise an das altehrwürdige Denkmal für den Eisernen Kanzler. Fast 50 Betriebe, vom Kombinat bis hin zur kleinen Handwerksfirma, wurden dazu ebenso Sowjet- und NVA-Soldaten eingespannt. Letztgenannte zogen mit geeigneter Technik hinauf zum Beräumen der Trümmer, die sie in etlichen Stadtgebieten  verbuddelten. Bei der Montage kamen dann Hubschrauber der Interflug bzw. dann für die oberste Plattform von der Armeestaffel aus Briest zum Einsatz. Und plötzlich waren doch die Brandenburger gefragt, als es um ihre freiwilligen Leistungen sowie Spenden ging.

Vielfältige Bezeichnungen "verpassten" damals die Havelstädter diesem Recken der Moderne, dessen Entwürfe  von Günter Franke und Wolfgang Schoppe stammten. Mittlerweile herangewachsene Generationen haben sich jedoch an das 1997 in die Denkmalliste aufgenommene Bauwerk wohl mehr als gewöhnt, wenngleich die Besucherzahlen keinesfalls rekordverdächtig sind. Wer seine 180 Stufen der Wendeltreppe erklimmt, genießt zumeist eine gute Rundumsicht. Laut Heimatforscher Friedrich-Karl Grasow beträgt die so genannte geometrische Aussichtsweite je nach Wetterlage bis zu 30 km. Übrigens, im April 1975 fühlten sich die "Bauherren" dann besonders geschmeichelt, als Staats- und Parteichef Honecker bei einem groß inszenierten Brandenburg-Besuch zum Auftakt seines Marienberg-Rundgangs unter höchster Sicherheit den Turm bis zur ersten Plattform erklomm.

In jüngerer Vergangenheit gab es rund um die Warte u. a. Klang- sowie Lichtinstallationen. Baumängel am einstigen Prestigeobjekt erforderten wiederholt (auch 2015 zur BUGA) Instandsetzungsarbeiten.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG