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173 Meldungen unter anderem von der Polizei und Kitas gab es im vergangenen Jahr in Eisenhüttenstadt.

Jugendamt
Gefährdete Kinder in Eisenhüttenstadt

Auch wenn Eltern getrennte Wege gehen, sollten sie sich um ein faires Miteinander bemühen, damit die Kinder nicht leiden müssen.
Auch wenn Eltern getrennte Wege gehen, sollten sie sich um ein faires Miteinander bemühen, damit die Kinder nicht leiden müssen. © Foto: Silvia Marks/dpa
Stefan Lötsch / 14.10.2019, 18:30 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Sie werden vernachlässigt, erfahren psychische, körperliche oder gar sexuelle Gewalt: Immer wieder kommt es in Eisenhüttenstadt vor, dass das Jugendamt des Landkreises Oder-Spree Kinder aus ihren Familien nehmen muss, weil die dort akut gefährdet sind. 32 Mal ist das im vergangenen Jahr geschehen.

Wobei die Meldungen, dass Kinder und Jugendliche möglicherweise gefährdet sind, deutlich höher sind. Michael Saupa, Sachgebietsleiter Soziale Dienste in der Kreisverwaltung, nannte kürzlich im Ausschuss für Familie, Schule und Soziales für das Jahr 2019 173 Gefährdungsmeldungen, die insgesamt 246 Kinder betreffen. Wobei Saupa den Hinweis gab, dass sich nicht hinter jeder Meldung, die größtenteils von Schulen, der Polizei oder anderen Behörden kommen, wirklich eine Kindeswohlgefährdung verbirgt.

In knapp der Hälfte der Fälle sieht das Jugendamt keinen Handlungsbedarf. Bei einem weiteren Drittel der Meldungen sieht das Jugendamt keine Gefährdung für die Kinder oder Jugendlichen, wohl aber einen Hilfebedarf für die Familie. Oft genug, so Saupa, sagen die Familien beim Kontakt mit dem Jugendamt, dass sie Hilfestellungen in Anspruch nehmen wollen. Die Zahl dieser Fälle ist im Vergleich zu den Vorjahren auch deutlich gestiegen.

Vier Mal bestand akute Gefahr

Eine weitere Unterscheidung ist eine latente Gefährdung. Im vergangenen Jahr waren davon 36 Kinder betroffen. Das liegt zum Beispiel vor, wenn Kinder in einer Familie Gewalt zwischen den Eltern erleben. Bei elf Kindern und Jugendlichen lag eine akute Gefährdungslage, bei vier Kindern und Jugendlichen sogar eine akute Gefahr vor. Wobei bei den beiden zuletzt genannten Gefährdungseinschätzungen die Fallzahlen eher zurückgehen.

Bei den Gefährdungsformen spielt die Feststellung von sexueller Gewalt kaum oder gar keine Rolle. Im vergangenen Jahr wurde ein Fall gemeldet. "Dass das so gering ist, heißt aber nicht, dass es nicht häufiger vorkommt", schränkte Michael Saupa ein. Die Meldungen über diese Gefährdungsform kämen meistens von der Polizei oder aus dem Krankenhaus. Oft kommt das Jugendamt zu der Einschätzung, dass die Gefährdung durch Vernachlässigung bedingt ist. Körperliche Misshandlung lag in 19 Fällen vor, verzeichnet allerdings zu den Vorjahren wieder eine steigende Tendenz.

In 32 Fällen hat das Jugendamt im vergangenen Jahr veranlasst, dass Kinder und Jugendliche n Obhut genommen werden. "Das kann beim Kinder- und Jugendnotdienst sein oder auch bei Verwandten, etwa bei Opa und Oma", erklärte der Sachgebietsleiter. Unter diese Zahl fallen auch Kinder und Jugendliche, die von sich aus sich beim Kinder- und Jugendnotdienst melden, weil sie Angst haben nach hause zu gehen. Die Zahlen der Inobhutnahme schwanken, sind aber wieder gestiegen.

Erhöhte Sensibilität

Auffällig sind die vielen Meldungen bei 0-3-jährigen Kindern. Michael Saupa verwies da auf die erhöhte Sensibilität der Gesellschaft. Auch in der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen sind verstärkt Meldungen zu verzeichnen. Ab zwölf Jahren würden Kinder auffälliger durch ihre Entwicklung, es finde eine hormonelle Umstellung statt, gab Saupa eine mögliche Erklärung. In diesen beiden Altersgruppen ist die Zahl der tatsächlich gefährdeten Kinder auch am höchsten. Bei den Familienformen kommen die meisten Meldungen aus Ein-Eltern-Familien, dort gibt es auch die meisten Gefährdungen.

Arten derVernachlässigung

Bei Vernachlässigungen werden verschiedene Arten unterschieden. Im vergangenen Jahr wurde in sieben Fällen Vernachlässigung bei Kleidung, Schlafplatz und Essen festgestellt, bei fünf die Vernachlässigung der Schulpflicht, bei fünf die Vernachlässigung der Hygiene des Aufenthaltsortes und in sechs Fällen der Gesundheitsfürsorge. Die meisten Feststellungen, nämlich insgesamt 32, gab es bei der Vernachlässigung der Fürsorge- und Aufsichtspflicht. Schließlich wurde in zwölf Fällen sogar Obdachlosigkeit festgestellt. Die Fälle der festgestellten Vernachlässigungen sind aber rückläufig.⇥Autor lö

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