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Ein Fest mit mehreren historischen Ausstellungen rund um die Landwirtschaft weckt auch Erinnerungen an den nicht immer einfachen Alltag in früheren Zeiten.

Gutshof
Börnicke eröffnet die Kürbis-Saison

Viel Ambiente: Das Kürbisfest in Börnicke findet vor einer anschaulichen Kulisse auf dem Gutshof statt. Neben den regionalen Angeboten wecken auch die historischen Ausstellungen alljährlich großes Interesse.
Viel Ambiente: Das Kürbisfest in Börnicke findet vor einer anschaulichen Kulisse auf dem Gutshof statt. Neben den regionalen Angeboten wecken auch die historischen Ausstellungen alljährlich großes Interesse. © Foto: Renate Meliß
Renate Meliß / 15.10.2019, 05:45 Uhr
Börnicke (Freie Autorin) Du musst den Kürbis mit aller Kraft aushöhlen, man kann ja einfach alles mit der Hand rausholen!". Ganz so einfach ist es dann doch nicht, so einen gewaltigen Kürbis in eine gruselige Halloween-Maske zu verwandeln, in der dann ein Teelicht brennen soll. Leonie und Felix waren mit ihren Müttern aus Bernau-Nibelungen und sogar aus Wiesbaden gekommen, um beim diesjährigen Kürbisfest in Börnicke dabei zu sein, und gaben sich beim Schnitzen der Kürbisse alle Mühe.

Auf dem weitläufigen Areal zwischen Schloss, dem ehemaligem Reitstall und der zukünftigen Brauerei war am Wochenende richtig was los. Neben jeder Menge Kürbissorten, Obst und  Gemüse, das frisch direkt vom Erntewagen verkauft wurde, kam vor allem die Treckerparade der Niederbarnimer Treckerfreunde aus Löhme bei den Besuchern sehr gut an. Alte Landmaschinen-Technik konnte man ebenso in der ehemaligen Remise besichtigen. Hier war von der Kartoffelsortiermaschine, dem Kartoffel-Roder, Häckselmaschinen oder einer Rüben-Wurzelschneidemaschine nahezu alles dabei, was in der Börnicker Landwirtschaft gebraucht wurde. Historische Kutschen wie die Governess-Cart, hergestellt in der Hof-Wagenfahrt Eduard Zimmermann Potsdam, oder der Korbwagen der Erbprinzessin von Sachsen-Meinigen, Baujahr 1886, der Hofwagenfabrik Coburg zeigten mit lebensecht nachgestalteten Pferden, wie einst gereist wurde.

Begehrte Bügeleisen

Zu besichtigen war auch eine Bügeleisenausstellung nebst weiteren historischen Haushaltsgeräten, so zum Beispiel die Waschmaschine Vogtland von 1912 zum Preis von 46,50 Reichsmark. Hier konnte mancher Vollautomat-Verwöhnte einmal nachvollziehen, dass Wäschewaschen früher nicht darin bestand, den Automaten zu befüllen und den Programmknopf zu drücken, um dann wieder anderweitigen Beschäftigungen  nachzugehen. "Ja, das war früher richtig harte Arbeit, ein ganzer Tag ging da mindestens drauf fürs Wäschewaschen", erinnerte sich Anneliese Brodow aus Eberswalde. Die rüstige 85-jährige Dame erzählte, wie anstrengend es einst war, bis die Wäsche wieder sauber und frisch gebügelt im Schrank lag. "Das ging Freitagabend mit dem Einweichen los und war mit viel Arbeit verbunden, unter anderem an der Waschbrett-Rumpel und dem Spülen und Wringen und Aufhängen an den dicken Leinen da, sehen Sie die Dinger da? Ich musste da immer kräftig mit ran und Muttern helfen", erinnert sie sich noch genau.

Auch die Bügeleisen, mit der nötigen Hitze durch glühende Kohlen oder Gas "gespeist", verleiteten zu einer gedanklichen Reise in die Vergangenheit. Auf dem Hof tuckerte derweil ein Lanz-Traktor und wartete auf Besucher, die eine Runde durch Börnicke drehen wollten.  Einige ältere Herren fachsimpelten vor Traktoren der Marke Deuliwag DA 20 aus dem Baujahr 1940, hergestellt von der Deutschen Lieferwagen GmbH.

Initiator des Kürbismarktes war Bernhard Kutzner von der gemeinnützigen Steremat-Beschäftigungsgesellschaft mit Sitz im restaurierten Börnicker Gutshaus. "Wir veranstalten den Kürbismarkt schon seit vielen Jahren. Wir legen viel Wert auf kleine regionale Händler, die jedes Jahr kommen. Es gibt zum Beispiel mehrere Frauen, die daheim kleine Geschenke herstellen und hier anbieten." Entstanden war die Idee bei der Aufarbeitung von Landwirtschaftsmaschinen im Rahmen von Arbeitsförderungsmaßnahmen.

Auf einer kleinen Wagenbühne spielte Joy "Arthur" Weiß auf der Gitarre Volkslieder und eigene Kompositionen.  Wer wollte, konnte gerne mitsingen.

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