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Der Kaufpark Eiche will in einer neuen interaktiven Ausstellung seine Besucher auf ihren Umgang mit dem Abfall aufmerksam machen.

Umwelttage
Müll von der Steinzeit bis heute

Amy Walker / 15.10.2019, 19:31 Uhr - Aktualisiert 15.10.2019, 19:31
Eiche (MOZ) Im Kaufpark Eiche gibt es im Rahmen der Umwelttage eine interaktive Ausstellung rund um das Thema Müll: Wie viel Müll erzeugen wir Menschen, wie können wir unser Müllaufkommen verringern, und was passiert damit? Das sind einige der Fragen, die mit der Ausstellung, die noch bis zum 26. Oktober zu sehen ist, beantwortet werden sollen. An den spielerischen Stationen können Besucher beispielsweise erfahren, wie groß ihr ökologischer Fußabdruck ist, und wie sie umweltfreundlicher im Alltag handeln können. Speziell für Kinder gibt es noch ein überdimensionales Würfelspiel, bei dem sie versuchen müssen, durch ökologisches Handeln ins Ziel zu kommen: "Du fährst mit deiner Familie zum See anstatt mit dem Auto mit dem Fahrrad – Gehe zwei Felder vor!" oder aber auch: "Du hast deine Joghurtverpackung in den Biomüll getan – Gehe zwei Felder zurück!" Interessant ist auch die Waage, auf die man unterschiedliche Lebensmittelprodukte in Form von Holzklötzchen legen kann: Statt das Gewicht anzuzeigen, kann man am Bildschirm erfahren, wie lange die Lebensmittel gereist sind, bis sie auf dem Frühstückstisch landen.

Ines Ritter, Center Managerin im Kaufpark, sagt, dass die Ausstellung zur aktuellen Diskussion um Klima- und Umweltschutz beitragen soll. "Weltweit gehen junge Menschen im Rahmen der Fridays-for-Future-Bewegung auf die Straße und fordern von den Politikern dieser Welt, dass sie endlich Wort halten und mehr für Klima und Umweltschutz tun. Die Verantwortung trägt aber nicht die Politik allein. Jeder Einzelne kann etwas beitragen. Wir möchten zeigen, wie das geht und dazu motivieren, aktiv zu werden", so Ritter. "Als Einkaufszentrum, in dem täglich der Konsum neuer Waren beworben wird, tragen wir eine besondere Verantwortung, wenn es um Umwelt- und Ressourcenschutz geht. Wir wollen dafür sensibilisieren, was nach dem Kauf kommt und so für mehr Nachhaltigkeit sorgen."

Zweifel an der Wirksamkeit

Christian Gieseler und seine Tochter Sara aus Rehfelde sehen die Aktion mit kritischem Blick – wobei sie auch beeindruckt sind von dem riesigen Müllberg, der im Rahmen der Ausstellung aufgebaut ist. "Es ist wirklich erschlagend", sagt Christian Gieseler. "Und man findet sich selbst wieder, in diesem Berg Müll. Ich habe ja auch massenhaft solches Zeug im Keller liegen." Trotzdem glaubt Christian Gieseler nicht, dass solche Ausstellungen viel verändern können. "Die Politiker und die Großkonzerne sind dran. Vor allem die Großkonzerne, die müssen umdenken, und nicht immer nur die Nachfrage bedienen." Für den Einzelnen sei es schwer, wenn man im Grunde alles haben kann. Seiner Tochter kaufe er auch durchaus neue Sachen, zum Beispiel mal ein neues Handy. "Unsere Kinder wachsen auch in dieser Konsumgesellschaft auf, sie kennen es von uns ja nicht anders." Dennoch hofft er, dass durch solche Ausstellungen und durch Bewegungen wie Fridays-for-Future sich die Gespräche zu diesen wichtigen Thematiken vermehren – und dadurch ein Wandel passiert, wenn auch allmählich. "Wir reden bei uns in der Familie natürlich auch darüber. Aber wenn alle immer nur reden, dann passiert ja auch nichts."

Neben der großen Hauptausstellung machen die Einzelhändler im Kaufpark auch bei den Umwelttagen mit: Vor den einzelnen Geschäften befinden sich Aufkleber, auf denen kurz erläutert wird, inwiefern die Filialen zum Umweltschutz beitragen. Dazu gehört beispielsweise, ob sie LED Beleuchtung verwenden, regionale Produkte verkaufen oder auf Plastiktüten verzichten.

Kommentar: Es ist etwas geschehen

Wenn eine Ausstellung über Wohlstandsmüll nicht auf einem Kunstforum oder während einer Protestaktion gezeigt wird, sondern in einem Einkaufszentrum, dann ist etwas geschehen. Dann ist die Debatte über den Problemabfall mitten im Alltag angekommen.

Offensichtlich hegte im Vorfeld niemand die Befürchtung, dass die Präsentation eines Abfallberges unmittelbar vor den Türen der Geschäfte den Umsatz beeinträchtigen könnte. Man darf sogar das Gegenteil vermuten: Der kritische Hinweis auf einen allzu nachlässigen oder gar unverantwortlichen Umgang mit Alltagsprodukten – und nicht zuletzt mit deren Verpackungen – richtet sich an aufgeklärte Verbraucher, die diese Ausstellung gutheißen werden.

Die Erwartung, dass sich sofort und unmittelbar individuelles Verhalten schlagartig ändert, greift dabei allerdings sehr weit. Wilde Müllablagerungen an den Straßen auch im Niederbarnim und Müllpakete in Parkanlagen oder im Hochsommer an beliebten Badeseen sprechen eine andere Sprache. Die Versuchung, sich schnell und einfach seines Mülls zu entledigen, auch auf Kosten der Natur und der Allgemeinheit, bleibt bestehen. In diesen Momenten entscheidet sich, was wirklich geschehen ist.⇥Olav Schröder

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