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Oder-Schubser-Prozess
Prozessauftakt: Oberstaatsanwalt spricht von "moralischer Verwahrlosung"

Der Prozess gegen zwei Frauen, die eine andere Frau in die eiskalte Oder geschubst haben sollen, hat in Frankfurt (Oder) begonnen.
Der Prozess gegen zwei Frauen, die eine andere Frau in die eiskalte Oder geschubst haben sollen, hat in Frankfurt (Oder) begonnen. © Foto: Mathias Hausding/MOZ
Mathias Hausding / 21.10.2019, 11:05 Uhr - Aktualisiert 21.10.2019, 11:44
Frankfurt (Oder) (MOZ) Zum Auftakt des Prozesses um einen Mordversuch an der Oder haben die beiden angeklagten Frauen am Montag die Aussage verweigert.

Der 31 Jahre alten Jennifer S. und der 19-jährigen Monique D. wird vorgeworfen, am 7. Januar dieses Jahres eine 34 Jahre alte Frankfurterin in die eiskalte Oder gestoßen zu haben. Laut Anklageschrift soll es den beiden Frauen darum gegangen sein, vorausgegangene Misshandlungen zu verdecken. Bereits am Nachmittag des Tattages hätten sie demnach gemeinsam mit zwei Männern den Plan gefasst, sich an dem späteren Opfer zu rächen. Und zwar aus offenbar völlig nichtigen Gründen.

Laut Staatsanwaltschaft hielt das Quartett der Frau vor, sich in fremde Beziehungen eingemischt und Unwahrheiten verbreitet zu haben. Oberstaatsanwalt Ulrich Scherding sagte am Rande der Verhandlung vor dem Landgericht Frankfurt, es sei bemerkenswert, zu welch sinnlosen Taten die Verbindung von moralischer Verwahrlosung und Alkohol führen könne.

Die beiden Männer, deren Prozess wegen Körperverletzung und anderer Vergehen in der kommenden Woche beginnt, und die beiden Frauen haben das Opfer laut Anklage über Stunden gequält. Los ging es demnach damit, dass der Frau auf offener Straße das Handy und ihre Wohnungsschlüssel geraubt wurden. Jennifer S. habe dabei auf die Frau eingeschlagen und Monique D. die Haare der 34-Jährigen angezündet. Gemeinsam mit den zwei Männern sei man anschließend in die Wohnung des Opfers gegangen, um es auszurauben. Zu der später aufgeteilten Beute gehörten Fernseher, Laptop, Uhren, Schmuck und etwas Bargeld. In der Zeit wurde der Frau fortlaufend Gewalt angetan. Man flößte ihr zwei Ecstasy-Tabletten ein, besprühte sie mit Pfefferspray, rasierte ihre Haare ab, trat mit Füßen gegen ihren Kopf.

Schließlich hätten die beiden Frauen vereinbart, die 34-Jährige zu töten, um die Gewalttaten zu verdecken, so die Staatsanwaltschaft. Sie sollen sich mit dem Opfer an eine abgelegene Stelle an der Oder begeben haben. Monique D., die das Opfer bis zu jenem Tag überhaupt nicht kannte, aber wohl von Jennifer S. instrumentalisiert wurde, habe die Frau in den drei Grad kalten Fluss gestoßen. Laut Anklageschrift ist sie mehr als 100 Meter abgetrieben, bevor sie sich über eine Leiter selbst retten konnte.

Am kommenden Montag soll der Prozess fortgesetzt werden. Dann ist das Opfer als Zeugin geladen. Ihre Anwältin Katja Isenberg sagte am Rande der Verhandlung, dass ihre Mandantin körperlich wieder genesen sei, es ihr aber zu schaffen mache, einige der Angreifer in Frankfurt auf der Straße zu treffen. Lediglich die zwei Haupttäterinnen sitzen noch in U-Haft. Insgesamt sind in Folge der Tat drei Prozesse angesetzt. Der dritte richtet sich wegen unterlassener Hilfeleistung gegen eine Frau, die bei dem Mordversuch dabei gewesen sein soll. "Dreimal aussagen zu müssen, ist für meine Mandantin sehr belastend", betonte Anwältin Isenberg.

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Karl Napp 21.10.2019 - 22:58:29

@ Mathias Hausding - Verniedlichung eines Mordversuchs

Einen augenscheinlichen Mordprozess als "Oder-Schubser-Prozess" zu verniedlichen, ist schlichtweg eine journalistische Fehlleistung. Das Wort "schubsen" ist im deutschen Sprachgebrauch im Allgemeinen mit "leicht anstoßen" gleichzusetzen, hier aber ging es um ein gemeinschaftlich begangenes, versuchtes Tötungsdelikt. Herr Hausding, haben Sie nur eine leise Ahnung davon, was das Opfer erleiden musste? Sie sollten sich wegen Ihrer sprachlichen Entgleisung schämen. Und bitte, kommentieren Sie zukünftig nichts, wovon Sie nichts verstehen.

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