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Waldbrand und Borkenkäfer
Verkohlte Bäume zwischen Wiesenau und Ziltendorf werden jetzt gefällt

Frank Groneberg / 23.10.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 23.10.2019, 17:50
Wiesenau (MOZ) Im Waldbrandgebiet zwischen Wiesenau und Ziltendorf werden jetzt auf 49 Hektar Fläche die toten Bäume gefällt und entsorgt.

Die Borkenkäfer sind längst da. Man muss gar nicht lange suchen auf den Hunderten verkohlten Kiefern, die bereits gestapelt auf dem Waldboden liegen. Einfach ein Stück Rinde abheben – schon kommen sie zum Vorschein: dicke weiße Maden, die Larven eines Borkenkäfers. Zu welcher Art sie gehören, kann der Laie nicht erkennen. Sie fressen sich durch die Borke und durch die gesamte Rinde. Und sie und andere Forstschädlinge sind auch der Grund dafür, dass Abholzmaschinen derzeit im Akkord arbeiten im Wald zwischen Wiesenau, Ziltendorf und der Bahnlinie zwischen Frankfurt und Eisenhüttenstadt – also in jenem Forst, in dem Ende Juni ein verheerender Waldbrand, der mehrfach auch Feuerwehrleute in Lebensgefahr gebracht hatte, gewütet hatte.

Nach dem verheerenden Waldbrand Ende Juni 2019 wird in dem betroffenen Gebiet zwischen Wiesenau und Ziltendorf der verkohlte Wald auf 49 Hektar Fläche komplett abgeholzt und entsorgt. Die Bäume sind längst von Borkenkäfern und anderen Forstschädlingen befallen. Fotos vom 22.10.2019.
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Toter Wald wird abgeholzt

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"Wir holzen hier auf insgesamt 49 Hektar Fläche ab", erzählt einer der Holzfäller, die mit schwerer, modernster Technik den Wirtspflanzen der Forstschädlinge den Garaus machen. 49 Hektar – das sind 490 000 Quadratmeter. Und das sind letztlich viele Zehntausend Bäume, die den Waldbesitzern – Privatleuten, die sich in einer Forstbetriebsgemeinschaft zusammengeschlossen haben – verloren gehen. Fast ausschließlich Kiefern sind hier verbrannt, zum Teil waren sie bereits 50 Jahre alt oder sogar noch älter. Ein enormer Schaden, der für die Eigentümer der Flächen vor allem ein wirtschaftlicher ist.

Denn wirklich gewinnbringend verkaufen können sie die toten Bäume nicht mehr. Für die Weiterverarbeitung zu Möbeln oder Papier ist das Holz nicht zu gebrauchen. "Der größte Teil wird als Energieholz genutzt", erklärt der Holzfäller, Mitarbeiter der Schradenholz GmbH aus Großthiemig – das Unternehmen aus dem Landkreis Elbe-Elster hat den Auftrag für die Entsorgung der verkohlten Bäume bekommen. Energieholz heiße, die Bäume würden zum Beispiel in Heizkraftwerken verfeuert.

Schädlinge werden abgetötet

Anders als Brennholz in seiner bekannten Form verlässt das Energieholz das Waldbrandgebiet nur in gehäckselter Form. "Wir müssen die verkohlten Bäume hier vor Ort häckseln, weil sie so stark von Schädlingen befallen sind", erläutert der Fachmann. "Würden die Stämme im Ganzen abtransportiert, würden sich die Käfer weiter ausbreiten." Deshalb werden die abgeschnittenen toten Stämme zunächst auf großen Haufen gelagert. Spätestens ab nächster Woche kommt dann der Häcksler zum Einsatz. Die fertigen Hackschnitzel werden dann auf Haufen gelagert. Ähnlich wie in einem Komposthaufen erreicht die Temperatur in dem Hackschnitzelhaufen während der Lagerzeit bis zu 60 bis 80 Grad Celsius – das reicht aus, um sämtliche Forstschädlinge abzutöten. Erst danach werden die Hackschnitzel abtransportiert zu den Endverbrauchern.

Baumschere statt Harvester

Seit etwa zwei Wochen sind die Holzfäller aus Elbe-Elster im Waldbrandgebiet im Einsatz. Und sie werden noch etliche Wochen damit beschäftigt sein, die toten Bäume abzuschneiden und zu häckseln. Abschneiden ist dabei tatsächlich das richtige Wort, denn: Die Bäume werden nicht abgesägt, sondern abgeschnitten. Genau wie mit einer Schere. "Woodcracker" heißt das Werkzeug, das vorn am Ausleger eines Baggers montiert ist, wörtlich "Holzknacker". Man könnte auch Baumschere sagen. Anders als ein Harvester hat dieses Werkzeug keine integrierte Kettensäge und auch kein Sägeblatt, sondern mächtige Klingen, die das Holz mit großer Kraft abschneiden.

Das alles passiert direkt über dem Boden. Die Doppelkralle der Baumschere umfasst den Stamm, schneidet ihn ab, legt den Baum zur Seite. "So können wir später die Stubben direkt im Boden fräsen", sagt der Holzfäller am Steuer des Baggers. Die Schnitzel der Stubben bleiben im Boden, wo sie langsam verrotten – zu Nährstoffen für die ab dem Frühjahr folgende Baumgeneration.

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