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Der Ostdeutsche Projektzirkus ist erstmals zu Gast an der Neuzeller Grundschule am Fasanenwald. Eine Woche lang sieht der Unterricht etwas anders aus.

Vorhang auf
Zirkusprojekt an der Grundschule

Janet Neiser / 24.10.2019, 07:15 Uhr
Neuzelle (MOZ) Es macht richtig, richtig Spaß." Die Augen von Josephine leuchten, als sie von dem Zirkusprojekt berichtet, das erstmals an der Grundschule am Fasanenwald in Neuzelle läuft. "Hier kann man Sachen ausprobieren, die sonst eben nicht gehen." Das Mädchen aus der Klasse 3a sitzt auf einer Zuschauerbank im auf der Festwiese aufgebauten Zirkuszelt und malt. Sie hat Trainingspause. Später wird sie am Trapez in der Manege ihre Kunsttücke zeigen – die Fledermaus beispielsweise. Vor dieser Übung habe sie schon etwas Respekt, gibt sie zu.

"Allez und Hopp!"

Mitschüler, Lehrer, Erzieher, Eltern und Bekannte werden im Zelt sitzen und bei den öffentlichen Vorstellungen gebannt zuschauen. "Ich bin schon mächtig aufgeregt", gibt Artistin Nele zu. Und den meisten anderen Kindern wird es wohl ebenso gehen.

Seit Montag wird trainiert. Schließlich wollen die Clowns, Fakire, Zauberer, Artisten und Dompteure bei den Auftritten glänzen. "Mehr Spannung im Körper, bitte!", ruft die Trainerin einer jungen Dame zu, die etwas schüchtern auf dem Seil balanciert, das etwa 30 Zentimeter über dem Boden gespannt ist. Aber jeder sieht, dass ihr die Nummer Freude bereitet. Es wird oft gelacht im Zirkuszelt und dennoch scheint jeder hoch konzentriert zu sein. "Bei ‚Allez‘ hebt ihr die Arme, bei ‚Hopp‘ verbeugt ihr euch", bekommen die Magier erklärt, die kurz darauf verschnaufen dürfen und ihr Frühstücksbrot genießen. Doch die Manege bleibt nicht leer. Jetzt sind die Tauben-Dompteure dran. Es herrscht ein Kommen und Gehen.

Auch in der Grundschule selbst haben dieser Tage Trainer das Sagen. Im Raum 10 bekommen die Fakire ihre Kostüme. Patrick Sperlich selbst, der Zirkuschef in Neuzelle, teilt die grünen Hosen und schillernden Westen aus. Nicht jedes Teil passt sofort, aber Sperlich hat ein geübtes Auge. Am Ende hält jeder ein Zirkus-Outfit in den Händen. "Sieht cool aus", flüstert ein Junge seinem Nachbarn zu. "Wie Aladin", sagt der. Wenn es zu laut wird, hebt der Zirkusdirektor den Finger, dann herrscht wieder Stille. "Bitte geht ordentlich damit um, zerknittert die Sachen nicht."

Sperlich gehört zum 1. Ostdeutschen Projektzirkus von Andre Sperlich, der mit drei Unternehmen seit Jahren erfolgreich durch Deutschland tourt. Gut 40 Schulen sind bereits mit im Boot oder vielmehr in der Manege. "Manche buchen uns nach drei bis sechs Jahren wieder", erzählt er. In Neuzelle ist es eine Premiere. "Aber hier herrschen super Bedingungen. Wir haben alles, was wir brauchen."

Das dürfte Sylvia Mazur, die Schulleiterin, freuen. Noch ihre Vorgängerin hatte die Idee, den Projektzirkus zu holen. Nun ist es soweit: "Wir wollen das Miteinander bei uns noch mehr stärken", betont Sylvia Mazur mit Blick auf die Kinder, die derzeit aus ihrem Klassenverband herausgelöst sind und mit Jungen und Mädchen anderer Stufen zusammenarbeiten. Teamfähigkeit sei gefragt. "So können sich alle besser kennenlernen", sagt sie. Ihre Stellvertreterin Cordula Karge fügt hinzu: "Hier können auch Kinder, die schulisch vielleicht nicht so mithalten, zeigen, dass sie etwas Besonderes können. Und wir lernen alle mal von einer anderen Seite kennen." Finanziert wird die Woche unter anderem durch einen Unicef-Lauf, der vor zwei Jahren stattfand, und durch die Eltern. Heute und am Freitag gibt es um 17 Uhr öffentliche Vorstellungen, am Sonnabend beginnt um 10 Uhr die letzte Schau. Das Lampenfieber steigt. "Wenn mal was nicht funktioniert – auch nicht schlimm. Man muss ja nicht perfekt sein", sagt Trapez-Schülerin Josephine.

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