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Diskussionsrunde
Umweltpolitik im Kreuzfeuer der Kritik

Diskussionsrunde: Nach den Filmvorführungen war Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen.
Diskussionsrunde: Nach den Filmvorführungen war Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. © Foto: Jürgen Rammelt
Jürgen Rammelt / 27.10.2019, 20:47 Uhr
Dannenwalde Wenn es um das Thema Umwelt geht, dann sind die Mitglieder des Vereins Umweltbahnhof Dannenwalde höchst sensibilisiert. Zwei Filme hatte Ernst-Alfred Müller im Gepäck, der gemeinsam mit Dr. Iris Ganzke gekommen war. Müller, der viele Jahre der Redaktion der Fernsehsendung "Ozon" angehörte und seit 2006 mit der Ökofilmtour unterwegs ist, berichtete, dass die beiden Filmbeiträge für einen Ökofilmwettbewerb sind.

Im Mittelpunkt des Filmes "Lüdersdorf darf nicht sterben" stand mit Professor Michael Succow ein Biologe und Naturschützer, dem unter anderem der alternative Nobelpreis zuerkannt wurde. Der heute 78-Jährige  wurde als Bauernsohn in Lüdersdorf bei Wriezen geboren. Ihm ist es zu verdanken, dass nach 1990 zahlreiche  Nationalparks und Biosphärenreservate entstanden. Was den Film betraf, ging es um die zunehmenden Monokulturen und insbesondere um den Maisanbau. Im Film wurden unendlich große Felder von Agrarkonzernen gezeigt, auf denen Mais wuchs, der bei der Biogasgewinnung Verwendung findet. Gezeigt wurden aber auch die zerstörerischen Auswirkungen dieser Feldwirtschaft: die Bodenerosion, die Abspülung der Humusschichten und entstandene Sedimentsverschiebungen. Eindrucksvoll schildert Succow, wie durch diese Art der Landwirtschaft der Lebensraum von Vögeln und Pflanzen zerstört wird. Um Höchsterträge zu erzielen, werden Insektizide und Pestizide eingesetzt. In den Boden gelangen Nitrate und flüssige Kohlenwasserstoffe, die das Grundwasser verseuchen.

Im zweiten Film geht es um die Windenergie. Der Reporter Sven Oswald  geht der Frage nach, welche Probleme die Erzeugung von Windstrom mit sich bringt. Dabei fährt er mit einem Fachmann auf eine 140 Meter hohe Windkraftanlage. Oswald erfährt, dass immer höhere Windräder in den Himmel wachsen sollen, auch an windarmen Stadtorten. Jedoch wächst der Unmut über die "Verspargelung" der Landschaft. Für einige Tiere, wie Fledermäuse, Milane und Adler, sind die  Stromerzeuger zu einer Gefahr geworden.

Im Film sucht Sven Oswald Antworten auf Fragen der Umweltverträglichkeit. Es geht um Abschaltzeiten und um Vergrämungstechnologien, aber auch um die Lärmbelastung für die Anwohner. Doch im Film werden auch andere Möglichkeiten aufgezeigt. Bis jetzt haben die Kommunen sehr wenig davon, wenn in ihrem Umfeld Windparks entstehen. Es geht um geräuscharme Rotorblätter, um kleinere Anlagen und um Speichertechnologien, die sichern, dass in Spitzenzeiten ausreichend Strom zur Verfügung steht, wo dieser benötigt wird.

Vor allem vom ersten  Film zeigen sich die Anwesenden beeindruckt. "So wie wir wirtschaften, kann es nicht weitergehen", erklärt einer aus der Runde. Die Besucher sind sich einig, dass es die gegenwärtige Politik ist, die solche Auswüchse in der Landwirtschaft zulässt. "Angesichts des Hungers in der Welt ist es sträflich, dass Brotgetreide zur Erzeugung von Biogas verwendet wird", erklärt Christoph Rudel. Kritisiert wurde heftig die Subventionspolitik der Bundesregierung. "Auf der einen Seite wird die Landwirtschaft mit Steuergeldern gefördert, auf der anderen die Kulturlandschaft kaputt gemacht", empört sich ein Teilnehmer.

Aber auch das Konsumverhalten der Menschen kommt an dem Nachmittag zur Sprache. So geht es um die Einsparung von Energie, um den sparsamen Umgang mit Ressourcen und um die Strategien von Lobbyisten. "Zwei Drittel aller Windräder auf der Welt stehen in Deutschland. Wohin soll das noch führen?" fragte einer in die Runde.

Ähnlich wird es auch bei der Energiegewinnung gesehen. Auch da sollte im Umgang mit der Natur die Verhältnismäßigkeit im Vordergrund stehen.

14. Festival des Umwelt- und Naturfilms

Lüdersdorf darf nicht sterben thematisiert den industriellen Anbau von Monokulturen.

Die Wahrheit über Windkraft hinterfragt Gefahren und Nutzen der Anlagen.⇥jr

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