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Literaturcafé
Es geht auch mal gut ohne Fontane

Es geht auch ohne Fontane: Christel Weimar rezitierte beim Literaturcafé in der Schinkelkirche in Krangen Gedichte von Mascha Kaléko.
Es geht auch ohne Fontane: Christel Weimar rezitierte beim Literaturcafé in der Schinkelkirche in Krangen Gedichte von Mascha Kaléko. © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 28.10.2019, 17:28 Uhr
Krangen Mit 80 Zuhörern sehr gut besucht war am Sonntagnachmittag das Literarische Café in der Krangener Schinkelkirche. Bei der Auswahl des Titels "… mal nicht Fontane!" bewies der veranstaltende Förderverein zur Erhaltung der Krangener Dorfkirche Humor und traf dabei wahrscheinlich den Nerv nicht weniger Besucher. Je länger das Festjahr zu Ehren Theodor Fontanes dauert, desto mehr schwindet bei so manchem allmählich auch die Begeisterung. Selbst das Team der Fontanebuchhandlung hatte kürzlich ebenfalls augenzwinkernd darauf hingewiesen, dass es diesmal eine Lesung ganz ohne Fontane geben werde.

Mascha Kaléko im Blick

Statt Fontane widmete sich das Literaturcafé in Krangen also Mascha Kaléko. Rezitatorin Christel Weimar führte das Publikum an die Vertreterin der Neuen Sachlichkeit heran. Die 1907 im galizischen Chrzanów geborene Schriftstellerin ist das Kind jüdischer Eltern. Um Pogromen zu entgehen, flüchtete die Mutter mit Mascha und ihrer Schwester 1914 nach Deutschland. 1938 flüchtete Kaléko erneut, diesmal mit ihrem zweiten Ehemann vor den Nazis in die USA, wo sie sich allerdings lange Zeit nicht heimisch fühlte. Bekannt ist Kaléko für ihre Großstadt-Lyrik mit leicht ironischem Unterton.

Christel Weimar bot Kostproben des Schaffens von Kaléko aus verschiedenen Lebensabschnitten dar. Von der jungen Frau, die über sich selbst, die erst nach zehn Monaten Schwangerschaft der Mutter auf die Welt kam, schreibt: "Ich war ein kluges Embryo. Ich wollte nicht auf diese Welt" bis zur Fremdheit in den USA. "Der Frühling hier ist mein Frühling nicht", schreibt Kaléko im "Frühlingslied für Zugereiste".

Musik von der Elektroorgel

Zwischen den Wortbeiträgen unterhielt Juliane Felsch-Grunow die Zuhörer an der Elektroorgel mit Werken von Cécile Chaminade, Robert Schumann, Will Meisel und Camille Saint-Säens. Die Künstlerin überzeugte durch die Auswahl der Stücke sowie deren gefühlvolle Interpretation.

Bereits eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung konnten die Besucher die von den Vereinsmitgliedern gebackenen Kuchenstücke zum Kaffee genießen. Rolf Wunsch vom Verein freute sich, dass wieder so viele Besucher zur Veranstaltung kamen. Einige Gesichter kenne er gut, kämen diese Fans des Vereins doch schon seit Jahren zu Konzerten und Lesungen. Ganz abgeschlossen werde die Sanierung der Kirche wohl zu keinem Zeitpunkt sein, sagte Wunsch. Einige absackende Bodensteine müssten dringend befestigt werden. Auch die Reparatur der Eingangstür und Arbeiten an der Elektrik seien nötig. Vorgesehen ist zudem ein neuer Farbanstrich für den Innenraum nach historischem Vorbild, welchem allerdings noch die Denkmalschützer zustimmen müssten.

Der Verein sei auf der Suche nach Nachwuchs, sagte Wunsch. Gebraucht würden junge Menschen, denen der Erhalt der Schinkelkirche in den kommenden Jahrzehnten und darüber hinaus am Herzen liege.

Zehn Veranstaltungen 2019

Bislang acht Veranstaltungen organisierte der Krangener Förderverein im zu Ende gehenden Jahr. Bis Neujahr wird es noch zwei weitere geben. Nach dem Weihnachtsmarkt am 7. Dezember steht zu guter Letzt am Silvestertag ab 23 Uhr erneut das beliebte "Konzert bis fünf vor Zwölf" an. Und auch 2020 werde es wieder etliche Kulturtermine in der Kirche geben, versprach Wunsch. Das genaue Programm sei zurzeit allerdings noch in Arbeit.

Die Geschichte der Kirche in Krangen

Eine Kirche gab es in Krangen wohl schon vor etwa 600 Jahren. Um 1720 wurde über einen Neubau nachgedacht. Doch die aus dieser Zeit erhalten gebliebene Bauzeichnung wurde nicht realisiert.

Erst 1798 regte der Pfarrer eine Erweiterung der alten Kirche an. Für das deutlich gewachsene Dorf reichte das kleine Gotteshaus nicht mehr aus. Der geplante Umbau der historischen Fachwerkkirche erwies sich als nicht machbar.

1836 und 1837 konnte eine gänzlich neue Kirche errichtet werden. Es entstand das heutige Gotteshaus in dem vom Baumeister Karl Friedrich Schinkel geprägten Rundbogenstil, welches am Heiligabend 1837 festlich eingeweiht wurde.

Die Kirche wurde in der DDR nur sehr wenig repariert. Erst nach der Jahrtausendwende konnte mit der Sanierung des Gotteshauses begonnen werden.

2010 gründete sich der Förderverein zur Erhaltung der Krangener Dorfkirche, der nicht nur die weitere Sanierung organisiert, sondern auch regelmäßig zu Lesungen, Konzerten und anderen Veranstaltungen einlädt.⇥ hr

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