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Fußball
Polizeieinsatz nach einem Jugend-Spiel

Basdorfer Vereinsheim
Basdorfer Vereinsheim © Foto: Marcus Gansewig
Dirk Schaal / 29.10.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 29.10.2019, 11:17
Basdorf (MOZ) Das Spiel der A-Junioren in der Landesklasse Ost zwischen der SpG Basdorf/Wandlitz und Preussen Eberswalde wird der 20-Jährige Jeremy Menschner so schnell wohl nicht vergessen können. "Das war schon sehr grenzwertig. Ich hatte echte Angst um mein Leben, das möchte ich nie wieder erleben", sagte der Biesenthaler Schiedsrichter nach etwas Abstand vom Erlebten, immer noch hörbar von den Ereignissen aufgewühlt.

Was war passiert? Am Spielfeldrand in Basdorf standen mehrere, etwa 15 Jugendliche zwischen geschätzten 17 und 18 Jahren und verfolgten das Spiel. Bierflaschen machten die Runde, erzählten Beobachter, obwohl Glasflaschen in Sportstätten verboten sind. Mit zunehmenden Alkoholkonsum der Gruppe wurden die Pöbeleien gegenüber den Gästen lauter. Nach der Halbzeitpause gingen die Zwischenrufe der Jugendlichen in Beleidigungen über, die jedes Maß an Sportlichkeit überschritten hatten. Basdorfer Spieler sollen so vom Rand aus aufgefordert worden sein, die Gegenspieler mit unfairen Mitteln zu attackieren. Bei Foulspielen, die in jedem Spiel auch unbeabsichtigt vorkommen, wurden diese Aktionen gegen die Eberswalder lautstark gefeiert und zum Weitermachen aufgefordert, berichteten Beobachter. Zunehmend geriet auch Schiedsrichter Jeremy Menschner unter den Beschuss der Jugendlichen, die den 20-Jährigen massiv beleidigt und Gewalt angedroht haben sollen.

Nach Spielschluss sind die Jugendlichen auf den Platz gelaufen. In ihren Gesten und Worten machten sie deutlich, dass sie ihre Gewaltandrohungen in die Tat umsetzen wollen. Zumindest verstand es Jeremy Menschner so, sodass er mit der Eberswalder Mannschaft in deren Kabine flüchtete. Dort verständigte er die Polizei, die mit sechs Streifenwagen anrückte, auch Bereitschaftspolizei wurde angefordert. Als die Polizei eintraf, waren die Jugendlichen aber bereits verschwunden.

"Ja, der Schiedsrichter ist mit in unsere Kabine geflüchtet. Beim Vorbeigehen haben einige Jugendliche laut gegen die Tür getreten. Meine Mannschaft hat sich jedoch nicht provozieren lassen, sodass die Situation nicht eskaliert ist", berichtete Sebastian Schmidt, Trainer der Eberswalder.

"Das Komische ist, ich habe drei Stunden vorher noch mit meinem Vater über den Streik der Berliner Schiedsrichter gesprochen. Dabei habe ich gesagt, dass es diese Zustände ja glücklicherweise in Brandenburg nicht gibt, ich aber deshalb nie in Berlin pfeifen würde", sagte der 20-jährige Referee vom SV Biesenthal.

Den Vorwurf, dass es in Basdorf schon öfter zu solchen Vorfällen gekommen sein soll, entkräftete Daniel Dornbusch, Trainer des Liga-Kontrahenten FSV Bernau. "Natürlich gibt es eine sportliche Konkurrenz unter den Mannschaften. Aber dass es in Basdorf gehäuft zu solchen Vorfällen gekommen sein soll, das kann ich nicht bestätigen. Natürlich lebt Fußball von Emotionen, aber dass über die Strenge geschlagen wurde in Basdorf, das habe ich dort noch nicht erlebt", erklärte der Bernauer Jugendtrainer. Zum Sachverhalt selbst wollte der Basdorfer Verein mit Hinweis auf das laufende Verfahren nichts sagen.

Verhandlung wird kommen

Staffelleiter Jürgen Schleicher hat bereits alle Beteiligten zu Stellungnahmen aufgefordert:"So etwas habe ich in meinen 25 Jahren im Jugendfußball noch nicht erlebt. Die Stellungnahmen von Schiedsrichter und Verein sind so konträr, dass wir den Sachverhalt in einer Verhandlung vor dem Jugendsportgericht klären müssen. Wenn alles soweit da ist, werde ich die Verhandlung beantragen."

Wie und ob es für Jeremy Menschner weitergeht, ist derzeit noch ungewiss. "Wenn ich ganz ehrlich bin, ich weiß nicht, ob ich weitermachen werde. Ich möchte nicht mehr in solch eine Situation kommen, wo ich tatsächlich massiv Gewalt angedroht bekommen habe. Ich werde in Ruhe überlegen und dann einen Entschluß treffen", erklärt der Schiedsrichter.

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