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Ein Lehrer für 100 Schüler

Informativ: Geschichtslehrer Jürgen Topp gab unter anderem einen Überblick über das Bildungswesen in Menz.
Informativ: Geschichtslehrer Jürgen Topp gab unter anderem einen Überblick über das Bildungswesen in Menz. © Foto: Jürgen Rammelt
Jürgen Rammelt / 05.11.2019, 08:00 Uhr
Menz Die Resonanz ist gewaltig. Noch bevor die Vortragsveranstaltung begann, war sprichwörtlich die Hütte mit mehr als 40 Besuchern rappelvoll. Gekommen waren nicht nur Bürger aus Menz, sondern auch aus Schulzen- und Großwoltersdorf sowie Neuruppin konnte Reta Flütsch von der AG  Dorfgeschichte Leute begrüßen.

Den Auftakt machte Jürgen Topp, ein ehemaliger Geschichtslehrer. Er berichtete, wie sich das Schulwesen im Laufe der Zeit in Menz entwickelte. Erst durch Friedrich Wilhelm I. wurde 1717 in Preußen die Schulpflicht eingeführt. Vorher waren Kinder ab sieben Jahre arbeitsfähig und mussten mit für den Lebensunterhalt der Familien sorgen. "Es gab Arbeitshäuser und die Ausbeutung war groß", erklärte Topp. Zuerst war die eingeführte Schulpflicht nur den Herrschenden vorbehalten, bevor 1763 Friedrich II., der Alte Fritz, mit einer Novelle den Schulbesuch für alle einführte. Im Winter wurde an sechs Tagen unterrichtet, im Sommer an zwei Tagen. In dieser Zeit wurde in Menz auch die erste Schule errichtet. Zuerst gab es nur einen Lehrer –  von 1791 bis 1819  nacheinander sieben an der Zahl. Erst 1863 wurde in Menz ein zweiter Lehrer eingestellt, der etwa 100 Schüler unterrichten musste. Bis 1930 waren es dann 15 Lehrer. Jürgen Topp informierte, was ein Lehrer im Gegensatz zu einem Arbeiter damals verdiente und was man von dem Geld kaufen konnte. Dabei mussten die Eltern Schulgeld zahlen und es gab nicht wenige, die  Schulden hatten. Der Verdienst reichte zum Leben und war zuerst höher als der eines Arbeiters.

Ein "T" ging verloren

Über die Geschichte des Ortes sprach anschließend Reta Flütsch. Um 1770 schrieb sich Menz noch mit einem "t" vor dem "z", und Roofen findet 1825 noch als Rowen Erwähnung. Ein denkwürdiger Tag ist der 19. Dezember 1858. Fünf Tage vor Weihnachten wird Menz von einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht. 200 Personen werden obdachlos. Die einsetzende gegenseitige Hilfe ist zwar groß, aber auch die Not. "Damals waren die Häuser mit Stroh gedeckt und bestanden aus viel Holz", erklärt Reta Flütsch. "Und es gab noch keine Feuerwehr." Ein Bild zeigt, wie verzweifelte  Menschen mit Eimern aus Leder und Stoff die Flammen zu löschen versuchten. Mit Feuerhaken reißen sie die Wände nieder, um die Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Erst 1901 bekommt Menz eine Dorfspritze, 1908 gründet sich im Ort eine Feuerwehr.

Ein weiteres Thema ist die Züchtigung der Schüler. Mitte der 19. Jahrhunderts heißt es noch "Ein Kind kann nicht genug Schläge bekommen." Die Rede ist von einem Lehrer Milatz, der es besonders übertrieben hat.  Verlesen wird  eine "Züchtigungsordnung" in der festgelegt ist, wie Schüler zu züchtigen sind. Erst 1945 wird die Züchtigung verboten, obwohl es Beispiele gegeben haben soll, dass auch danach noch Kinder in der Schule mit dem Prügelstock bestraft wurden.

Nach einer Pause erzählt Reta Flütsch die Geschichte von Friedelchen und Mariechen. So hat jeder Ort seine Originale und Personen der Geschichte. Um Menschen oder besser gesagt um Vereine ging es ebenso im abschließenden Vortrag von Joachim Zillmann. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen standen der Turnverein, der Anglerverein und der Geselligkeitsverein. Die Geselligkeit nimmt auch heute beim Dorfverein einen wichtigen Platz ein. Nicht umsonst haben die Mitglieder mit vereinter Kraft aus der ehemaligen Schule eine Begegnungsstätte geschaffen, die allen Einwohnern offensteht. Der Vortrag am Sonntag, bei dem bei Kaffee und Kuchen noch lange  über Vergangenes und Gegenwärtiges gesprochen wurde, ist dafür der beste Beweis.

Der MenzerDorfverein

Am 1. Dezember 2015 wurde der Menzer Dorfverein gegründet.

Sein Ziel ist die Verwirklichung einer lebendigen und aktiven Dorfgemeinschaft sowie die Wiederbelebung, Erhaltung und Entwicklung dörflicher Strukturen.⇥red

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