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Die vom Waldbrand im Juni geschädigten Waldbesitzer lassen ihre toten Bäume bei Wiesenau roden, räumen und die Areale wieder neu bepflanzen.

Wald und Forst
Der Forst lichtet sich weiter

Dietmar Puttins / 06.11.2019, 10:00 Uhr
Wiesenau (MOZ) Seit der zweiten Oktoberwoche roden Mitarbeiter des Holzfällunternehmens Schradenholz aus Großthiemig (Landkreis Elbe-Elster) rund 49 Hektar des Ende Juni bei einem Waldbrand vernichteten Forstareals zwischen Wiesenau, Ziltendorf und der Bahnlinie Frankfurt-Eisenhüttenstadt. Auftraggeber ist die ortsansässige Forstbetriebsgemeinschaft der geschädigten Waldeigentümer. Weil die Borkenkäferplage in dem Totholz drohte, auf Nachbarwälder überzugreifen, folgte der Verein dem Rat der Forstverwaltung, das Gebiet schnell und grundhaft zu beräumen. Dietmar Puttins sprach mit dem Vorsitzenden der Forstbetriebsgemeinschaft, Werner Reincke (70), über die Herausforderungen.

Herr Reincke, als damals der Waldbrand ausbrach, was dachten Sie?

Das war am 26. Juni 2019. Ich war  in meinem Geburtsort, im mecklenburgischen Fürstenhagen, zum Urlaub. Da haben mich meine Kinder sofort angerufen. Mir war nicht wohl dabei, dass ich nicht hier war, aber ich hätte nichts machen können. Am nächsten Tag kehrte ich nach Wiesenau zurück. Ich informierte sofort die Versicherung.

Ihr Sohn Roman Reincke in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Bauerngesellschaft Ziltendorfer Niederung und andere Waldeigentümer waren als Brandwächter im Einsatz.

Der größte Teil der betroffenen Waldeigentümer hat etliche Tage, nachdem die Feuerwehr abgezogen war, Brandwache gehalten, um auflodernde Glutnester zu löschen.

Wie viele Mitglieder zählt die Anfang der 90er Jahre gegründete Forstbetriebsgemeinschaft?

Unser Vorstand besteht aus sieben Mitgliedern. Aktuell sind 109 Forsteigentümer zusammengeschlossen, die eine Fläche von insgesamt 939,3 Hektar Wald besitzen. Mit 365 Hektar Waldareal – verteilt über die ganze Region von Brieskow-Finkenheerd über Groß Lindow und Pohlitz bis hin nach Eisenhüttenstadt – ist die Bauerngesellschaft Ziltendorfer Niederung der größte Waldeigentümer.

Vor welchen Herausforderungen stand Ihr Verein?

So eine Situation hatten wir noch nicht erlebt. Ich habe nach Ausbruch des Feuers den Vorstand einberufen, damit wir die richtigen Entscheidungen – immer auch in Absprache mit dem Revierförster Olf Hempel sowie Oberförster Henry Herold – treffen konnten.

Können Sie Beispiele nennen?

Sehr wichtig war, die Versicherung zu informieren und dass wir als Verein eine Anzeige bei der Polizei in Eisenhüttenstadt tätigten. Das musste jeder Waldeigentümer zudem zusätzlich noch für sich machen. Auch war der Kontakt zur Forstverwaltung wichtig, die uns aufzeigte, welche Handlungsmöglichkeiten wir haben. Schließlich musste eine Firma gefunden werden, die die ganze Arbeit macht. Wir entschieden uns für die Firma Schradenholz, die das gerodete Brandholz schreddert, der thermischen Verwertung zuführt und die Flächen wieder aufforstet. Schradenholz übernimmt auch für fünf bis sieben Jahre die Pflege der Jungbaumbestände. Das Unternehmen ist verantwortlich dafür, dass ein ordentlicher Waldbestand etabliert wird, den die Forstverwaltung später abnimmt.

Wer bezahlt das?

Die Firma Schradenholz. Das Unternehmen requiriert das Geld, das dafür benötigt wird, durch Zahlungen für Ausgleichs- und Ersatzflächen, die Investoren bei der Bebauung anderer Schradenholz-Grundstücke leisten müssen. Das ist deren Geschäftsmodell. Ganz wichtig: Unsere Waldeigentümer bleiben im Besitz ihrer Flächen.

Warum beschloss ihr Verein, auf Fördergelder des Landes zur Wiederaufforstung zu verzichten?

Weil Anträge gestellt hätten werden müssen. Das dauert. Jeder geschädigte Waldeigentümer muss erst einmal in Vorkasse gehen. Er erhält jedoch nur 80 Prozent der entstandenen Kosten erstattet. Zudem: Der Waldeigentümer muss wenigstens 2,5 Hektar Forstfläche ausweisen, um förderungswürdig zu sein. Es gibt aber bei uns einige Mitglieder, die haben weniger Fläche.

Wie läuft die Finanzierung jetzt?

Die Waldeigentümer bezahlen 250 Euro plus 19 Prozent Mehrwertsteuer pro Hektar für die Räumung der Flächen. Die Versicherung übernimmt das. Die Gesamtkosten für die Wiederaufforstung und Bestandspflege leistet, wie gesagt, die Firma Schradenholz mit ihrem Geschäftsmodell.

Wie lange schätzen Sie, wird noch gerodet?

Ich denke, Schradenholz hat noch den ganzen Dezember zu tun. Die Wiederaufforstung wird frühesten im Frühjahr 2020 beginnen können.

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