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30 Jahre Mauerfall
Bad Belzig: Festveranstaltung in St. Marienkirche

Bärbel Kraemer / 11.11.2019, 08:34 Uhr - Aktualisiert 11.11.2019, 21:10
Bad Belzig (BRAWO) Mehr als 140 Menschen kamen am Sonnabend Abend in der St. Marienkirche zusammen und nahmen an einem Festakt aus Anlass des Mauerfalls vor 30 Jahren statt.

"Der 9. November ist ein Datum, das mit Licht, aber auch mit Schatten verbunden ist", mahnte Christiane Moldenhauer. Die Pfarrerin erinnerte in diesem Zusammenhang an den 9. November 1938 und den Beginn der Novemberpogrome gegen die Juden. Mit Blick auf das Mauerfall Jubiläum sagte Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang: "Ich ziehe den Hut vor den Menschen, die mit Mut und Angst im Herbst 1989 auf die Straße gegangen sind. Sie haben ein System abgewählt, ohne dass durch Waffengewalt irgend jemand zu Schaden gekommen ist".

Stadt und Kirchengemeinde hatten den Festakt gemeinschaftlich organisiert. Der Abend war Teil einer Veranstaltungsreihe, die im September begann und am 21. November endet. Während der Davidchor Carl Gottlieber Reißigers "Missa Solemnis" in Teilen aufführte und damit für den festlichen Rahmen sorgte, ließen Zeitzeugen an ihren Erinnerungen an den Herbst 1989 teilhaben. Zu ihnen gehörte Superintendent Siegfried-Thomas Wisch, damals Theologiestudent in Berlin. "Die Amtskirche war nervös, wusste die Situation nicht einzuordnen. Andere Kirchen machten ihre Türen auf", so Wisch.

Eine dieser "anderen Kirchen", war die in Lütte. Gertrud Meißner, Ehefrau des damals in Lütte wirkenden Pfarrers Edgar Meißner, und der Bad Belziger Frank Friedrich erzählten von den sich damals auch in hiesiger Region überschlagenden Ereignissen. Beide gehörten zu den Mitbegründern des Neuen Forums und wollten dem "bestehenden Sozialismus ein menschlicheres Antlitz geben".

Gertrud Meißner pflegte 1989 bereits Kontakte zur Auferstehungsgemeinde in Berlin und hatte Kontakte mit der Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley. Edgar Meißner gestaltete die Friedenskunde Gespräche unter dem Motto "Schwerter zu Pflugscharen" mit. Etwa 500 Menschen versammelten sich am Abend des 2. November 1989 in ihrer Kirche. Vorbei an den Augen der Stasi. Die Zeit des Schweigens war vorbei. Der Abend in der Lütter Kirche war zugleich der Auftakt einer Reihe von Dialog-Veranstaltungen, an denen immer mehr Menschen teilnahmen. Fragen über Fragen füllten die Gesprächsrunden am 4. November im Belziger Fläminggarten, am 9. November wieder in der Lütter Kirche und am 12. November im der Turnhalle an der Karl-Liebknecht-Straße. Es ging um Umweltthemen, Reise- und Meinungsfreiheit.

Am Abend des 9. November - während der zweiten Veranstaltung in Lütte - erfuhren die Protagonisten vom Fall der Berliner Mauer. Gertrud Meißner erinnert sich: "Eine Frau kam in die Kirche gelaufen und sagte: Die Mauer ist gefallen". Vier Worte, deren Ausmaß damals niemand einzuordnen vermochte.

"Alles nach dem 9. November war wie ein Orkan", so die Pfarrersfrau weiter. Täglich, fast stündlich änderte sich der Alltag. Schon im Dezember 1989 zählte das Neue Forum 180 Mitglieder. Im Januar 1990 wurde der Runde Tisch eingeführt. Am 29. Januar wurde eine Lichterkette um den Marktplatz organisiert - es war ein Bekenntnis für eine friedliche Umgestaltung. Dann, im März 1990, folgte durch die Kommunalwahl die Entmachtung der alten Macht. "Wir sind dankbar, beide Gesellschaftssysteme erlebt und erfahren zu haben und das in Frieden", sagen Gertrud Meißner und Frank Friedrich am Ende der Veranstaltung. Der Bad Belziger ergänzt: "Für anders denkende Menschen war die DDR ein gefährliches Land. Ich bin stolz, an der Veränderung mitgewirkt und teilgehabt zu haben."

Am 21. November wird geladen zum Erzählcafé "Radio Courage" um 19.00 Uhr (Einlaus ab 18.30 Uhr) in die St. Marienkirche.

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