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9. November 1989
Andreas Koska: "Die Menschen haben viele Gründe glücklich zu sein!"

Andreas Koska, in der Region bekannt wie der sprichwörtliche "bunte Hund", lebte vor 30 Jahren in Westberlin.
Andreas Koska, in der Region bekannt wie der sprichwörtliche "bunte Hund", lebte vor 30 Jahren in Westberlin. © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 11.11.2019, 15:00 Uhr - Aktualisiert 11.11.2019, 21:06
Cammer (BRAWO) Mit diversen Veranstaltungen wurde in den vergangenen Tagen an den 30. Jahrestag des Mauerfalls erinnert. In Bad Belzig hatte beispielsweise die evangelische Kirchengemeinde St. Marien Hoher Fläming mit Blick auf den 9. November 1989 eine über drei Monate gehende Veranstaltungsreihe organisiert. In Zeitzeugengesprächen berichteten im genannten aber auch in anderen Formaten Menschen aus der früheren DDR von ihren "Wende Erlebnissen", vom Tag an dem "die Mauer fiel".

"Ich habe in den Tagen vor dem 9. November eher ein militärisches Eingreifen von Seiten der DDR-Oberen befürchtet", erzählt Andreas Koska aus Cammer. Damals in West-Berlin zu Hause, erlebte er den Herbst 1989 von der anderen Seite der Mauer aus.

"Meine Familie ist heute die gelebte Wiedervereinigung", so der 63-Jährige und gewährt Einblick in seine Erinnerungen.

Er erzählt, die immer größer werdenden Demonstrationen im Ostteil der Stadt wohl vernommen zu haben, doch der Alltag ließ nicht viel Raum, sich mit den Ereignissen tiefer gehend zu befassen. "Es war eher eine gespannte Beobachtung", so der freiberufliche Journalist und Buchautor, der sich damals nicht vorstellen konnte, dass die am Abend des 9. November bekannt gegebenen Erleichterungen zur Reisefreiheit zur Öffnung der innerdeutschen Grenze in Berlin führen und das Ende der DDR einläuten sollten.Jenen Abend verbrachte Andreas Koska im Kreis seiner Familie. Er erzählt: "Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie meine Frau und ich unsere Kinder ins Bett gebracht haben. Damals habe ich noch als Taxi-Fahrer in Berlin gearbeitet. Eigentlich hätte ich danach los gemusst. Aber ich hatte keine Lust. Da ich selbstständig war, konnte ich es mir erlauben, nicht ins Taxi einzusteigen. Und so bin ich wenig später mit meiner Frau ins Bett gegangen und habe erst am Morgen gehört, dass die Mauer offen war."

Während des Frühstücks klingelte dann das Telefon heiß. Es waren die Kollegen, die ihm die unglaubliche Geschichte und die Ereignisse und Erlebnisse der vergangenen Nacht schilderten.

Am Abend des 10. November setzte sich Andreas Koska wieder ans Steuer seines Taxis. In Berlin war es schon wieder ruhiger geworden. "Ich weiß noch genau, dass der gesamte Kurfürstendamm verkehrswidrig zugeparkt war. Nicht nur die zweite, sondern auch die linke Spur. Nur die in der Mitte war noch frei", so der 63-Jährige und ergänzt: "Aber es war vollkommen ruhig und es waren kaum Leute auf der Straße. Die Menschen, die ihre Autos auf dem Kurfürstendamm abgestellt hatten, müssen alle auf Familienbesuch gewesen sein."

Eine Woche nach der Maueröffnung ist Koska dann erstmals wie er sagt "bewusst" in den Osten gefahren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er die untergehende DDR nur als Transitreisender durchquert oder war gegen Visa-Zahlung von Westberlin nach Ostberlin gefahren.

Sein erstes gezielt und freiheitlich angesteuertes Ziel wurde der Südwestfriedhof in Stahnsdorf. "Ich habe damals in Berlin auch Friedhofsführungen angeboten und wollte ihn unbedingt sehen", erklärt der 63-Jährige. In dieser Folge stand er bei seiner ersten Reise in den Osten am Grab von Heinrich Zille und anderen Gräbern bedeutender Persönlichkeiten.

Damals 33 Jahre alt, begab sich Koska schon im Frühjahr 1990 mit seiner Frau auf die Suche nach einem Häuschen im Grünen. "Wir haben für unsere Kinder nach einem kleinen Haus mit einem Garten zum spielen gesucht", erinnert er sich. In der damals erschienenen Zeitung "Zweite Hand" fiel ihnen eine winzig kleine Anzeige auf. Darin stand: "Haus in Cammer zu verkaufen". Noch vor der offiziellen Wiedervereinigung war der Hauskauf perfekt.Der Cammeraner gehört damit zu den ersten Bundesbürgern, die sich für ein Leben im Osten entschieden und die dauerhaft geblieben sind. Lachend sagt er: "Ich bin in jeder Hinsicht gesamtdeutsch geworden." Die Lebensgefährtin mit der er heute in Cammer lebt, stammt gebürtig aus Sachsen. Die Schwiegertochter stammt aus Mühlrose bei Frankfurt/Oder.

An die Mauer erinnert ihn daheim noch ein kleines Stück Beton. "Es stammt von der Mauer in der Nähe des Potsdamer Platzes", so Koska und erzählt von seinem Schwiegervater. Der war selbständiger Bäckermeister und im Jahre 1961 kurz vor dem Mauerbau nach West-Berlin gegangen. "Er hat sich immer gewünscht, dass die Mauer fällt. Konnte es sich aber auch nie vorstellen. Den 9. November 1989 hat er noch erlebt und als erstes seine alte Heimat in Berlin Pankow besucht."

30 Jahre nach der politischen Wende hofft Andreas Koska, dass sich die Lebensbedingungen in Ost und West endlich angleichen und dass "die Menschen endlich merken, dass es ihnen besser geht als je zuvor und sie viele Gründen haben, glücklich zu sein."

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