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Trauer
Wenn der Tod mit im Café sitzt

Hat Erfahrungen mit dem Tod sammeln müssen: Marina Kröhnert hat gelernt, dass reden befreiend sein kann. Als ehemalige Lehrerin und Trauerrednerin weiß sie, Gesprächsrunden zu leiten.
Hat Erfahrungen mit dem Tod sammeln müssen: Marina Kröhnert hat gelernt, dass reden befreiend sein kann. Als ehemalige Lehrerin und Trauerrednerin weiß sie, Gesprächsrunden zu leiten. © Foto: Marco Winkler
Marco Winkler / 12.11.2019, 19:16 Uhr
Vehlefanz (MOZ) Am Grab der Mutter stehen, über sie reden, die Puzzleteile ihres Daseins zusammensetzen, Rückschau aufs eigene Leben halten: Für Marina Kröhnert ging der Abschied mit einem Kennenlernen einher. Sie hielt die Trauerrede für ihre verstorbene Mutter. "Ich hatte kein gutes Verhältnis zu ihr, obwohl ich sie zuletzt gepflegt habe", sagt die 64-jährige Vehlefanzerin. "Durch die Rede bin ich meiner Mutter wieder näher gekommen." Für sie war klar: Über den Tod zu reden, kann helfen. Deshalb lädt die Religionslehrerin diesen Freitag, 15. November, zum ersten "Café Tod", einer Gesprächsrunde über die Endlichkeit des Lebens, nach Vehlefanz ein.

Wuchtiger Titel

Die Schildower Journalistin Petra Wolf brachte das "Café Tod", das sie aus Berlin kannte, im April 2018 nach Oberhavel. Marina Kröhnert zählte zu den Gästen der Veranstaltung am Kamin und im Kerzenlicht. "Es ist ein Auffangbecken", sagt sie. Petra Wolf habe sie ermutigt, selbst eine solche Gesprächsrunde anzubieten. Mit dem Begriff "Café Tod" hatte sie anfangs ihre Probleme: Er klinge so wuchtig, ein wenig endgültig und einschüchternd. "Doch es hat sich so etabliert", sagt sie (siehe Info-Kasten).

Das Thema Vergänglichkeit habe sie schon vorher, aus persönlichen Gründen, beschäftigt. Für sie sei es durchaus erschreckend, dass der Abschied, obwohl ein elementarer Teil des Lebens, nicht präsenter ist. "Alle unterhalten sich gerne über Schwangerschaften und Geburten, aber der Tod wird meist ausgeklammert", sagt Marina Kröhnert. Sie hat eine ruhige Stimme, spricht mit Bedacht und freundlichen Augen. Meist sei der Tod erst Thema, wenn er im engeren Familien- und Bekanntenkreis auftauche. "Der Bedarf, darüber zu reden, ist da." Sie sagt aber auch klar: Im "Café Tod" gehe es nicht um professionelle Trauerbegleitung. "Es ist eine Gelegenheit, sich auszutauschen und mit Gleichgesinnten über Leben und Tod zu sprechen, ohne dass jemand bewertet wird."

Viele, so Marina Kröhnert, hätten Scheu, von ihren mitunter unwahr klingenden Erlebnissen zu berichten – wenn sie die Lieblingsmusik der Verstorbenen zu hören meinen oder im neuen Haustier Verhaltensweisen des Verlorenen wahrzunehmen glauben. "In der Gruppe gibt jeder nur so viel von sich preis, wie er möchte." Niemand müsse sich gleich öffnen, so die gebürtige Berlinerin. Seit zehn Jahren wohnt sie in Vehlefanz. Als Religionslehrerin an Grund- und Oberschulen hat sie zuletzt in Hennigsdorf und Oranienburg gearbeitet.

Im Januar dieses Jahres schloss Marina Kröhnert ihre Ausbildung zur Trauerrednerin ab. Noch macht sie das nebenbei. "Das Leben hört mit der Rente nicht auf", sagt die Mutter von vier Kindern und Oma von zehn Enkeln. Auch der Tod eines Angehörigen bedeute für Hinterbliebene nicht das Ende.

Das "Café Tod" beginnt diesen Freitag um 15 Uhr mit Kaffee, Kuchen und Gedankenaustausch im Pfarrhaus Vehlefanz, Lindenallee 28. Um Voranmeldung wird gebeten: Marina@Kroehnert-Trauerreden.de, 0171 5270485.

"Es wird kein Eintritt genommen und niemand macht Profit"

Das "Café Tod" ist keine Erfindung von Petra Wolf aus Schildow. Der Schweizer Soziologe Bernard Crettaz lud 2004 zum ersten "Café mortel" ein, weitere Cafés folgten. Zur Bewegung wurde die Idee, als Jon Underwood 2010 daraus ein sogenanntes "soziales Franchise-Unternehmen" machte. Sein "Death Café" gibt es mittlerweile in mehr als 50 Ländern.

Rund 5 000 "Café Tod" soll es geben. "Das ist der Rahmen", sagt Marina Kröhnert. "Es wird kein Eintritt genommen und niemand macht Profit." Wichtig sei vor allem, dass das Angebot keine professionelle Trauerbegleitung ersetzt.⇥win

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